Peking/Vatikanstadt

"Die kommunistische Partei will das Ende der katholischen Kirche“

Das Abkommen des Vatikans mit der chinesischen Regierung habe die Chancen für die Untergrundkirche zerstört, meint der Herausgeber von "Asia News", Bernardo Cervellera.

Abkommen zwischen China und Vatikan
Pater Bernardo Cervellera, Herausgeber von „Asia News", sieht kaum eine mittelfristige Lösung für die Lage der Kirche in China. Foto: Stephan Scheuer (dpa)

Der spanische Geistliche Bernardo Cervellera, Herausgeber von „Asia News“ hat kürzlich gegenüber der spanischen Beobachtungsstelle für Religions- und Gewissensfreiheit ein düsteres Bild der Lage der Christen in China gezeichnet: „Das Abkommen zwischen China und dem Vatikan hat die Chancen für die Untergrundkirche zerstört, denn die Begegnung in Häusern ist sehr schwierig geworden. Die Priester können ebenfalls ihr Amt kaum ausüben. Darüber hinaus ist die Kontrolle über alle Aspekte des Lebens der Gläubigen sehr stark.“

Viele Gemeinden, die bislang im Untergrund gearbeitet hätten, würden nun der „offiziellen“ Kirche zugerechnet. Was das heißt, erklärt Pater Cervellera: „Sie unterzeichnen ihre Unterstützung für eine ‚unabhängige Kirche’. Sie sind aber nicht unabhängig, sondern abhängig vom chinesischen Staat und letztendlich von der Kommunistischen Partei.“

Probleme der Untergrundkirche bleiben vom Abkommen unberührt

Das eigentliche Problem sei jedoch nicht das Abkommen an sich, sondern eine neue Verordnung der Regierung, die sieben Monate vor dem Abkommen erlassen worden sei. Denn „das Abkommen berührt nicht alle Aspekte der Religionsfreiheit der Kirche in China.“ Es gehe im Abkommen lediglich um die Neubestellung von Bischöfen. „Die Probleme der Untergrund-Kirche und -Bischöfe, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit in der Gesellschaft einsetzen“, blieben davon unberührt. Pater Cervellera betont: „Es gelten die neuen Regeln für die Ernennung von Bischöfen, aber der Rest wird dem Ministerium für religiöse Angelegenheiten überlassen. Das Ministerium will allerdings überhaupt nicht, dass die Kirche frei und unabhängig von seiner Aufsicht ist.“

Auf die Frage, warum dann der Vatikan dieses Abkommen unterzeichnet habe, antwortet der „Asia News“-Herausgeber: Erstens versuche der Vatikan, Beziehungen zu China aufzubauen, einen Weg zu öffnen. Zweitens möchte der Papst gerne China besuchen, dafür müssten jedoch diplomatische Beziehung bestehen. Drittens habe Anfang 2018 das Ministerium für religiöse Angelegenheiten in einem Bericht gedroht, unabhängig von der Kirche Dutzende von Bischöfen zu ernennen. „Ohne den Auftrag des Papstes, wären diese Bischöfe aus der Sicht der Kirche illegal.“ Da in China noch 45 Bischöfe gefehlt hätten, sei der Vatikan seiner Meinung nach darüber besorgt gewesen, dass die 45 Bischöfe ohne entsprechende Genehmigung ernannt würden. „Irgendwie wurde der Vatikan über die Ernennung neuer Bischöfe dazu gedrängt und erpresst, die Vereinbarung zu unterzeichnen.“ Dafür spricht auch, dass seit Unterzeichnung des Abkommens kein einziger Bischof geweiht worden sei. „Durch die Unterzeichnung oder Nicht-Unterzeichnung eines Abkommens“ ändere sich jedoch die Sendung der Kirche nicht, weil die Kirche in jeder Situation für ihre Sendung arbeite.

Priester werden mit Gewalt gehindert, ihr Amt auszuüben

Laut Cervellera fehlt von Bischof James Su Zhi-Min, der 1996 verhaftet worden sei, jede Spur. Bei der Polizei heiße es, sie wisse nichts von seinem Verbleib. „Wir glauben, aber dass die Regierung genau weiß, wo er sich befindet“. Darüber hinaus stehe der Bischof von Shanghai Thaddeus Ma Daqin seit seiner Ernennung 2012 unter Hausarrest, weil er der Patriotischen Vereinigung nicht habe beitreten wollen. Cervellera: „Die Priester werden nicht nur verhaftet, sondern auch aus ihren Kirchen entfernt und mit Gewalt in ihre Dörfer gebracht, so dass sie ihr Priesteramt nicht ausüben können. Außerdem werden viele andere Bischöfe rund um die Uhr von der Polizei bewacht.“

Eine mittelfristige Lösung für die Lage der Kirche in China sieht der Herausgeber von „Asia News“ kaum: „Die Kommunistische Partei hält um jeden Preis an ihrer Macht fest. Sie will auch das Ende der katholischen Kirche, weil sie die Kirche für den Sturz der Kommunistischen Partei in der ehemaligen UdSSR verantwortlich macht. Vor fünf Jahren sagte Staatspräsident Xi Jinping, der auch Generalsekretär der Kommunistischen Partei ist, sie dürfen nicht so sein wie die KPdSU, wenn sie nicht so enden wollen die Sowjets.“

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