Rottach-Egern

Die Kirchengemeinden trifft es mit aller Härte

Wie sich das Coronavirus auf das kirchliche Gemeindeleben auswirkt: Ein Erfahrungsbericht aus einer Gemeinde am Tegernsee.

St. Quirinus in Tegernsee
Die Kirche St. Quirinus in Tegernsee. Kürzlich fand dort die letzte Messe statt, in der der Pfarrer zu Solidarität und Achtung für die Mitmenschen aufrief Foto: DT

Corona ist auf den Vormarsch. Ein Virus, der derzeit die Welt in die Knie zwingt. Auch die Kirchen und ihre Gemeindemitglieder werden aufgefordert, zur Eindämmung der Pandemie beizutragen. Es finden keine Gottesdienste mehr in Anwesenheit von Gläubigen statt. Kirchen bleiben aber offen, um in all dem Trubel ein wenig Ruhe zu finden. Auch die idyllische Urlaubsregion Tegernsee ist mitten drin in der Krise und dem Wirbel um das Virus. Deutschlandweit wurden zunächst bis Anfang April alle öffentlichen Messen abgesagt. Das ist für viele Gläubige eine schlimme, fast unglaubliche Nachricht.

Der Pfarrer ist auch weiterhin Ansprechpartner

Genauso wie für Pfarrer Walter Waldschütz, der die katholischen Kirchen in Tegernsee, Rottach-Egern und Kreuth betreut. „Unsere Gemeinden trifft es schwer, gerade jetzt in einer Krisenzeit, wo durch den Gottesdienst auch Halt und Hilfe gegeben werden soll. Doch das Gemeinwohl geht vor.“
Auch weiterhin ist der 68-Jährige Ansprechpartner, erhält Fragen, gibt Antworten. Muss die Messe denn wirklich ausgesetzt werden? Wer gibt dringend benötigte Antworten, wer spendet Trost? Waldschütz weist auf die Botschaften und Gebete auf der Homepage des Pfarramtes hin. In diesem Fall muss es digital gehen. „Wir geben Hilfestellungen zum Beten, veröffentlichen entsprechende Texte und wollen sicherstellen, dass die Gemeindemitglieder nicht das Gefühl haben, allein gelassen zu werden.“

Ein sonniger Sonntag in Tegernsee. Pünktlich um 10 Uhr morgens läutet die katholische Pfarrkirche St. Quirinus die Glocken. Danach ist es seltsam still. Wenig Geräusche, keiner spricht, die Klinke der Kirchenpforte wird zum Öffnen durch die Jacke gedrückt. Ein einzelner wagt sich hinein, ein anderer kommt nach. Drinnen im Kirchenschiff ist es ganz ruhig. Die paar Besucher halten Sicherheitsabstand. Mindestens eineinhalb Meter. Hier sogar mehr: Leere Kirchenbänke finden sich zwischen den Besuchern. Mit Absicht.

Eine Urlaubsregion in der Krise

Vor fast zwei Wochen war die letzte Messe, die Pfarrer Waldschütz halten konnte. Die Worte des Pfarrers sprachen von Solidarität und Achtung vor den Mitmenschen. Gerade jetzt, in dieser sehr schwierigen Zeit. Nichts war so wie immer. Vor ihm saßen lediglich fünf Menschen. Auf mehrere Kirchenbänke verteilt, jede und jeder für sich allein. Sicherheitsabstand und Schutz vor dem Unbekannten. Die Kirche in Zeiten der Krise. Weltweit. Pfarrer Waldschütz setzte das Allerheiligste aus, die Monstranz mit dem heiligen Brot. Er betet: „Für alle, die Angst haben und in ihrer Not hilflos bleiben.“ Trotz allem, die Ansprache schaffte Zuversicht, Mut und Hoffnung. Auch wenn nur wenige sie hören.

Seit zehn Jahren dient Waldschütz in den Gemeinden rund um den Tegernsee, die zu den idyllischsten Ferienorten Deutschlands zählen. Doch so eine Situation hat er noch nie erlebt. Wo finden die Menschen Zuversicht? Und Ruhe vor all den Schlagzeilen, die seit Wochen die Medien beherrschen? Viele wollen nur ein wenig Zerstreuung von den Nachrichten, die die sozialen Netzwerke zurzeit dominieren und sich immer wieder überschlagen. Gefragt sind jetzt vor allem Solidarität mit den Menschen, die sie benötigen, Nächstenhilfe und auch -liebe. Das geht auch mit Sicherheitsabstand. Gemeinsam gilt es, die Krise überstehen.

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