Frankfurt/Main

Der Druck ist gewaltig und die theologische Basis marode

Die Auseinandersetzung um die Zulassung von Frauen zum Weiheamt wird zur Zerreißprobe für die katholische Kirche in Deutschland. Die Diskussion der Synodalversammlung bot einen Vorgeschmack auf bevorstehende Auseinandersetzungen.

Frauenproteste am Rande der ersten Synodalversammlung
Nicht nur während der Synodalversammlung auch draußen wurde für den Zugang von Frauen zu Weiheämtern in der katholischen Kirche gestritten. Foto: synodalerweg.de

Die Diskussion über die Zulassung von Frauen zum Weiheamt in der katholische Kirche droht zur Zerreißprobe für die katholische Kirche in Deutschland zu werden. Nicht nur unter den Synodalen, auch unter den Bischöfen gehen die Meinungen in dieser Frage weit auseinander. Das hat die Diskussion um das Thema „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ bei der Synodalversammlung in Frankfurt am Main am Samstag deutlich gezeigt.

"Frauen kommen mit Macht und sie sind schon hier"

Mit 20 Wortmeldungen erwies sich das Thema als eines der am heftigsten diskutierten. Verschiedene Wortmeldungen ließen nicht nur eine hohe Emotionalisierung erkennen, deutlich wurde dabei auch, dass theologische Argumente kaum eine Rolle spielen. Dafür wurde um so leidenschaftlicher gestritten. 

„Frauen kommen mit Macht und sie sind schon hier, mitten unter uns“, rief eine Synodalin in den Saal. Es gehe nicht nur um die Frauenfrage, sondern auch um die Zukunftsfähigkeit der Kirche, betont Claudia Lücking-Michel vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Lücking-Michel zeigte sich überzeugt: „Der Erfolg des Synodalen Weges hängt davon ab, ob wir in dieser Frage zu Fortschritten kommen.“ Die Erwartungen der Frauen an den Synodalen Weg seien hoch, hob Lücking-Michel hervor.

kfd: Alle Weiheämter für Frauen öffnen

„Ich wünsche, dass uns zuerkannt wird, dass wir nicht nur die gleiche Würde haben, sondern auch die gleichen Rechte“, sagte Susanne Schuhmacher-Godemann vom Berufsverband der Pastoralreferentinnen und verwies auf das Engagement von Maria 2.0. Brigitte Vielhaus, Bundesgeschäftsführerin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) forderte nicht nur eine Öffnung aller Weiheämter für Frauen. Auch die Vielfalt unterschiedlicher Lebensformen müssten anerkannt werden, unter anderem die von lesbischen Frauen.

Eine andere Synodalin betonte, Frauen seien nicht mehr bereit, „theologisch höchst fragwürdige Argumente entgegenzunehmen. Wir können nicht mehr 40 Jahre warten. Es muss jetzt etwas geschehen.“ In fast allen Statements wurde erkennbar, wie groß der Druck inzwischen ist, mit dem Frauen ein Weiheamt in der katholischen Kirche fordern. Einzelne andere Auffassungen zum Thema gingen in einer leidenschaftlich geführten Debatte geradezu unter. 

Bode: Christus ist für uns Mensch geworden, nicht Mann

Der Osnabrücker Bischof Bode bezeichnete die Frage, wie Männer und Frauen in der Kirche zusammenwirken, als eine Frage der Synodalität. Es gebe keine Weitergabe des Glaubens ohne die Frauen. Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz rief dazu auf, Kirche neu zu denken. Christus sei für uns Mensch geworden und nicht Mann. Bode versicherte, man werde grundsätzliche Fragen nicht auf die lange Bank schieben, sondern sie schnell angehen. Es gebe sehr konkrete Dinge, die man jetzt schon tun könne. Was darüber hinaus gehe, sei im guten Dialog mit Rom weiterzuführen. 

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber trug die Auswertung der Eingaben aus dem Internet vor. Dabei seien viele Frauen auf die Frage nach der Ordination eingegangen. 23 Prozent hätte sich für die Ordination ausgesprochen, allerdings seien 46 Prozent dagegen gewesen. 31 Prozent hätten die Frage nicht thematisiert. In vielen Fällen stünden biografische Erfahrungen hinter den im Internet vorgenommenen Positionierungen, so Bischof Gerber. An den Antworten sei zudem erkennbar, dass Tradition und Lehramt als theologische Erkenntnisquellen eine deutlich nachgeordnete Rolle spielen würden.  

Die theologische Basis wackelt

Auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer meldete sich in der Diskussion zu Wort. Er erhoffe sich vom Synodalen Prozess einen Dialog auf tragfähiger Basis. Die katholische Kirche habe eine solche feste Basis, sagte Voderholzer. Heilige Schrift, Tradition und das Lehramt der Kirche als Basis sicherten das hohe Gut der weltweiten Einheit.

Voderholzer rief dazu auf, bei den Beratungen immer wieder auf die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils zu hören. Mit Blick auf die Frage nach der Weihe von Frauen sagte der Bischof, es sei entscheidend „das Thema von der „Sakramentalität“ her zu bedenken:  Die Transparenz der geschöpflichen Wirklichkeiten, auch der Geschlechterpolarität für die Offenbarung und deren Bezeugung und Darstellung. Das ewige Wort des Vaters kann deshalb nur entweder als Mann oder Frau Mensch werden. In der Transparenz der geschöpflichen Geschlechterpolarität gründen die Sakramentalität der Ehe und auch die konkrete Gestalt des Priestertums als Befähigung, Christus als Bräutigam der Kirche darzustellen.“

Dass die Debatten des Synodalen Weges tatsächlich auf einer tragfähigen theologischen Basis stattfinden, scheint Beobachtern der Diskussion um das Thema Frauenweihe allerdings fraglich.  

DT

 

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