Vatikanstadt

Debatten am Rande der Synode

Bei der Amazonas-Synode sorgen nackte Frauen aus Holz für viel Wirbel - und die Frage, ob Indigene den Zölibat nicht leben können.

Baumpflanz-Zeremonie bei der Amazonas-Synode
Lateinamerikanische Umweltschutzorganisationen, Vertreter indigender Völker des Amazonasbeckens und die Franziskaner von Assisi hatten die ominöse Baumpflanz-Zeremonie in den Vatikanischen Gärten organisiert. Foto: Alessandra Tarantino (AP)

Die ominöse Baum-Feier am 4. Oktober vor Beginn der Amazonas-Synode erregt immer noch die Gemüter. Lateinamerikanische Umweltschutzorganisationen, Vertreter indigender Völker des Amazonasbeckens und die Franziskaner von Assisi hatten den Ritus in den Vatikanischen Gärten organisiert. In Anwesenheit von Papst Franziskus brachten Indio-Frauen Erde aus ihrer Heimat zu dem Baum, verehrten sie und schütteten sie an den Stamm einer kleiner Eiche, die dort eingepflanzt worden waren. Es war das erste Mal im Pontifikat von Franziskus, dass der Papst daraufhin ein vorbereitetes Manuskript beiseite legte und nicht durch eine frei gehaltene Ansprache ersetzte – was Franziskus schon oft gemacht hatte. Stattdessen betete er am Ende des Ritus ein „Vater unser“ und ging – ohne die Ansprache verlesen oder frei gesprochen zu haben.

Es war nicht die Jungfrau Maria

Auf dem Rasen um den Baum herum lagen – offensichtlich kultische – Gegenstände, denen man aber keine christliche Bedeutung beimessen konnte. Vor allem die Holzstatuen zwei nackter schwangerer Frauen sorgten für Aufsehen. Man vermutete, es könnten indianische Darstellungen der Muttergottes sein. Jetzt haben die beiden Sprecher der Synode bei einem Pressebriefíng klargestellt, dass es sich nicht um Madonnen-Statune gehandelt habe.

Paolo Ruffini, der Präfekt des Kommunikationsdikasteriums des Vatikans, meinte am Mittwoch, für ihn persönlich repräsentiere die Figurengruppe „das Leben“. Das sei wie mit dem Bild eines Baumes, auch der sei ein Symbol. Manche Leute würden hier Böses sehen, wo nichts Böses sei. Und Pater Giacomo Costa, der zweite Synodensprecher, gab auf die Journalisten-Frage zurück: „Es ist nicht die Jungfrau Maria. Wer hat behauptet, dass es die Jungfrau Maria ist?“ Da gebe es nichts zu wissen. „Es ist eine indigene Frau, die das Leben repräsentiert“. Die Figur sei „weder heidnisch noch heilig“.

„Der Zölibat ist nicht das Problem“

Für Wirbel hatten auch eine Äußerung gesorgt, Indigene könnten den Zölibat nicht leben. So hatte der emeritierte Bischof Erwin Kräutler von Xingu in Brasilien am Rande der Synode behauptet, dass die indigenen Völker des Amazonas den Zölibat nicht verstehen und es deshalb für ihn keine andere Option gebe, als verheiratete, ältere Männer zu Priestern zu weihen.

Darauf antwortete jetzt indirekt der Bischof von Cristalandia in Brasilien, Wellington Tadeu de Queiroz Vieira. Im Zölibat sehe er „nicht das größte Problem oder überhaupt ein Problem“, meinte er vor Journalisten. Dem Priestermangel gelte es auf andere Art und Weise zu begegnen: „Wir sehen, dass wir ein anderes grundlegendes Problem haben, das man angehen muss, um mehr Priester zu haben. Sicher ist das nicht der Zölibat, sondern unsere Inkohärenz, unsere Untreue. Es sind die Skandale, diese fehlende Heiligkeit, die oft zum Hindernis für junge Menschen werden, diesen Weg einzuschlagen.“ Man brauche sicherlich neue Wege, aber „ohne Heiligkeit geht es nicht, denn es geht um Umkehr.“