Würzburg

"Das Eigentliche wirkt der Heilige Geist"

Am Freitag beginnt der Adoratio-Kongress in Altötting. Ein weltkirchlich inspiriertes geistliches Angebot erwartet die Besucher. Im Gespräch mit der Tagespost erläutert der Passauer Bischof Stefan Oster, warum er sich zu dem Kongress entschlossen hat.

Der Passauer Bischof Stefan Oster
Der Passauer Bischof Stefan Oster sieht die Krise der Kirche als eine geistliche. Die Antwort darauf sei ein vertieftes geistliches Leben. Foto: dpa

Exzellenz, viele Menschen haben Ihnen in diesen Tagen bestätigt, "dass es Adoratio gebraucht hat". Worauf wollen Sie mit dem Kongress antworten?

Auf die Krise der Kirche. Sie ist eine geistliche Krise - und die Antwort darauf ist ein vertieftes geistliches Leben. Wir wollen den Menschen helfen, in die konkrete Praxis von Gebet hineinzufinden und das Gebet auch zu erlernen. Es ist mir wichtig, dass wir die Schätze der Kirche wiederentdecken. Auf der einen Seite ist so ein Kongress etwas Neues, auf der anderen Seite baut er auf einem uralten Schatz der Kirche auf. Gebet und Anbetung sind das erste, aus dem Christen leben.

"Ich hoffe, dass die Bereitschaft
bei vielen wächst, sich vom Herrn
berühren und verwandeln zu lassen"

Was kann man sich realistischerweise von diesem Kongress erhoffen?

Ich hoffe, das Eigentliche wirkt der Heilige Geist. Er bewirkt manchmal Dinge, die wir für ganz unrealistisch halten. Deswegen mag ich da gar keine Prognose abgeben. Aber wenn ich hier in Passau gefragt worden bin: Herr Bischof, was wollen Sie denn mit Neuevangelisierung, habe ich immer gesagt: Sehnsucht nach mehr Tiefe wecken. Und das zweite ist: Mehr von Jesus zu erfahren. Ich hoffe, dass die Bereitschaft bei vielen wächst, sich vom Herrn berühren und verwandeln zu lassen. Und dass Menschen rausgehen und in ihren Pfarreien, in ihrer kirchlichen Umgebung und Einrichtung mithelfen, dass auch dort Sehnsucht nach Gebet geweckt wird und vielleicht auch neu die eucharistische Anbetung gestartet wird.

"Vielen Jugendlichen wird bewusst,
dass die Welt, in der wir leben, auch Züge eines
Generalangriffs auf unsere Innerlichkeit hat [...] - da
wird das Bedürfnis [...] nach Tiefe wieder wacher"

Im liturgiewissenschaftlichen Lager wird das Phänomen eucharistische Anbetung unter jungen Leuten so gedeutet: Jugendliche wollen individuelle Freiräume, zur Anbetung kommen Menschen, die sich nicht so leicht in eine Gemeinschaft einfügen. Gibt es in puncto eucharistische Anbetung in der Seelsorge noch Luft nach oben?

Ohne Frage. Wobei ich sicher auch glaube, dass die Form der Anbetung das eine ist, aber daraus hoffentlich auch Formen von Gemeinschaften entstehen. Junge Menschen brauchen auch Anschluss, brauchen auch Freundinnen und Freunde, mit denen sie das teilen können. Und es ist wichtig, dass daraus auch konkretes Engagement erwächst – für andere. Vielen Jugendlichen wird auch bewusst, dass die Welt, in der wir leben, auch Züge eines Generalangriffs auf unsere Innerlichkeit hat - ein Leben in einer Kultur des Konsums, der beständigen medialen Ablenkung, der Neigung zur Oberflächlichkeit - da wird das Bedürfnis nach Innerlichkeit, nach Tiefe, wieder wacher. Und wir wollen mithelfen, dass in einem schönen, ästhetisch anspruchsvollen Rahmen jemand dem Herrn begegnen und sich berühren lassen kann.

Braucht es neben Gemeinschaft, Anbetung, Innerlichkeit auch einen reflektierten Zugang zum Thema Eucharistie?

Das ist keine Frage. Das ist ja auch die Stärke unseres katholischen Glaubens, Dinge vernünftig zu erschließen. Von Thomas von Aquin, einem der größten theologischen Köpfe unserer Kirche, haben wir sowohl die schönsten eucharistischen Hymnen als auch die tiefsten theologischen Fragestellungen und Auseinandersetzungen mit dem Thema. Das schließt einander ein und nicht aus: die theologische Reflexion, die Unterscheidung der Geister und diese Form des Gebetes.

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