Regensburg

„Das Amt wäre dem Richtungsstreit enthoben“

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer schlägt vor, das Amt des DBK-Vorsitzenden über ein neues Turnusmodell zu vergeben, um die Einigkeit der Konferenz zu stärken.

Rudolf Voderholzer vor der Wahl eines neuen DBK-Vorsitzenden
Hofft auf Entpolitisierung der Bischofskonferenz: der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Foto: Maria Irl (KNA)

Exzellenz, die deutschen Bischöfe wählen nächste Woche einen neuen Vorsitzenden. Welche Eigenschaften braucht der Nachfolger von Kardinal Marx, um die verschiedenen Flügel in der Deutschen Bischofskonferenz zusammenzuhalten?

Mir kommt es darauf an, genau diesem Flügeldenken den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ich mache mir Sorgen, dass das Amt des Vorsitzenden durch eine Wahl zu sehr politisiert wird. Wir sollten hingegen alles fördern, was uns Bischöfe zu einer größeren Einigkeit führt. Ich würde mich freuen, wenn es uns gelänge, sie mit der anstehenden Entscheidung zu stärken.

Was heißt das für die Wahl des kommenden Vorsitzenden?

Meine Gedanken gehen dahin, den Vorsitz wieder mithilfe eines Turnusmodells zu vergeben.

So wie der Vorsitz bis 1987 abwechselnd zwischen Köln und München vergeben wurde?

Das könnte ein Modell sein. Ein anderes nähme die deutschen Erzbischöfe abwechselnd und in alphabetischer Reihenfolge in die Pflicht. Wir begännen mit Bamberg, dann folgten nach jeweils drei Jahren Berlin, Freiburg, Hamburg, Köln, München und Paderborn.

"Das Turnusmodell der Erzbischöfe passte recht gut
zum katholischen Verständnis von Kirche
und auch zu den Überlegungen von Papst Franziskus"

Das erzbischöfliche Rotationssystem wäre ein tatsächliches Novum. So eine Regelung könnte sich nicht auf die Kirchengeschichte berufen.

Auf die jüngere Kirchengeschichte in Deutschland vielleicht nicht. Aber das Turnusmodell der Erzbischöfe passte recht gut zum katholischen Verständnis von Kirche und auch zu den Überlegungen von Papst Franziskus. Er hat den Metropolitan-Gedanken im vergangenen Jahr deutlich gestärkt, indem er die kirchenrechtliche Kompetenz der Erzbischöfe erweiterte. Hier könnten wir anknüpfen …

... und den Vorsitz der Bischofskonferenz auf Deutschlandtournee schicken?

Wenn Sie es so ausdrücken wollen, meinetwegen. Entscheidend ist: Eine Personaldebatte entfiele, ein wie auch immer gearteter Wahlkampf, und eben deshalb auch die damit verbundene Politisierung. Der Turnus gäbe vor, dass es einen halt trifft. Das Amt wäre dem Richtungsstreit enthoben. Und dass der Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz im Laufe der Zeit alle Regionen Deutschlands besucht, ist sicher kein Nachteil.

Sie sprachen vorhin von einem dreijährigen Turnus. Schlagen Sie auch vor, die Amtszeit zu verkürzen?

Mir erscheint das sinnvoll. Praktisch bedeutet der Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz eine enorme zusätzliche Belastung des Amtsinhabers. Die Dreijahresfrist ist ein überschaubarer Zeitraum, der diese Belastung in Grenzen hält. Aber über diese Fragen sollten wir Bischöfe in Ruhe reden. Auch wenn wir dann erst in der Herbstvollversammlung zu einer Entscheidung gelangen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier .