Würzburg

DBK-Vorsitz: Wer folgt auf Marx?

Kardinal Marx hat angekündigt, nicht mehr für den DBK-Vorsitz zu kandidieren. Nun stellt sich die Frage, wer sein möglicher Nachfolger werden könnte.

Wer folgt auf Kardinal Marx an der Spitze der DBK
Der DBK-Vorsitzende ist nur der Moderator der Konferenz, dennoch soll er größtmögliche Einmütigkeit unter den Bischöfen des Landes herstellen. Der Missbrauchsskandal, der Synodale Weg, die Glaubenskrise und der recht bald nachlassende Kirchensteuersegen sind die Herausforderungen... Foto: Arne Dedert (dpa)

Nach Ende der Amtszeit von Kardinal Marx kommen auf den künftigen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz große Aufgaben zu. Am 3. März 2020 erfolgt die Wahl eines neuen Vorsitzenden. Dieser muss ein Diözesanbischof sein und wird mit zwei Drittel der Stimmen aller Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Der Vorsitzende ist nur der Moderator der Konferenz, dennoch soll er größtmögliche Einmütigkeit unter den Bischöfen des Landes herstellen. Der Missbrauchsskandal, der Synodale Weg, die Glaubenskrise und der recht bald nachlassende Kirchensteuersegen sind die Herausforderungen. Da stellt sich die Frage, wer diese wichtigen Problemfelder in der Versammlung gut moderieren kann. Kardinal Marx regt in seinem Schreiben zudem eine Verjüngung an.

Bischof Overbeck ein möglicher Kandidat

Der Bischof von Hildesheim, Heiner Wilmer, hat Erfahrung mit Leitung im großen Stil. Als Generaloberer seines Ordens war er mit unterschiedlichen Mentalitäten durchaus vertraut. Mit 58 Jahren erfüllt er das Kriterium der Verjüngung durchaus. Aber das Diasporabistum Hildesheim ist nicht gerade der typische Sitz eines DBK–Vorsitzenden. Auch Mainz, das lange Zeit den Vorsitzenden der DBK gestellt hat, wäre mit einem jungen Bischof im Rennen. Peter Kohlgraf ist mit 52 Jahren ein Küken im Episkopat. Er ist wie sein Vorgänger auf dem Mainzer Stuhl Professor und brächte die intellektuelle Komponente mit, die viele bei Kardinal Lehmann als Vorsitzendem schätzten.

Wenn es darum geht, sich provokativ zu positionieren, so wird derzeit kaum jemand von Franz-Josef Overbeck (55 Jahre) aus Essen überboten. Da ist keine These für die Reform zu steil, um nicht von Bischof Overbeck, der auch Militärbischof und Adveniat-Bischof ist, vertreten zu werden. Doch stellt sich die Frage nach der integrativen Kraft. Gerade diese wird unter dem amtierenden Vorsitzenden häufig vermisst. Der gegenwärtige stellvertretende Vorsitzende der DBK und Vizepräsident des Synodalen Weges ist der Bischof von Osnabrück, Franz- Josef Bode. Dieser erfüllt als inzwischen dienstältester Bischof Deutschlands und nach langer Krankheit mit 68 Jahren kaum das Kriterium der Verjüngung. Mit seinen zum Teil sehr gewagten Thesen findet er zwar leicht in die Öffentlichkeit und dort auch Applaus, aber ob das für eine Mehrheit für den Vorsitz reicht, ist unklar.

Der "Klassiker" wäre Kardinal Woelki

Der Klassiker unter den Kandidaten wäre der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Am Anfang war es üblich, dass der Vorsitz der DBK von München oder Köln wahrgenommen wurde. Er ist zudem der einzige weitere Kardinal auf einem deutschen Bischofssitz und hat als solcher weltkirchliches Gewicht. Er vertritt in zentralen Fragen wie dem Synodalen Weg andere Positionen als der gegenwärtige Vorsitzende und wäre damit eine echte Alternative, aber wohl kaum mehrheitsfähig.

Vielleicht sind am Ende vermeintliche Außenseiter die Gewinner. Der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, oder der Bischof von Dresden- Meißen, Heinrich Timmerervers, stehen gerade nicht an der vordersten Medienfront und wirken meist recht gelassen. Womöglich macht ein stiller besonnener Kandidat das Rennen, weil dieser Ruhe in die Konferenz bringen könnte.

DT/pwi

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