Hildesheim

Bischof Wilmer plädiert für christlich-jüdischen Dialog

Angesichts eines offenbar noch immer verbreiteten Antisemitismus setzt der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer auf religiöse Bildung. Christen sollten die jüdisch-christliche Kultur kennenlernen.

Christlich-jüdischer Dialog gegen Antisemitismus
Eine jüngst veröffentlichte Umfrage des jüdischen Weltkongresses (WJC) ergab, dass 27 Prozent aller Deutschen und 18 Prozent einer als "Elite" kategorisierten Bevölkerungsgruppe antisemitische Gedanken hegten. Foto: Paul Zinken (dpa)

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer hat sich für einen intensiveren christlich-jüdischen Dialog ausgesprochen. Gegen Antisemitismis setze er vor allem auf religiöse Bildung, sagte er gegenüber der Tagespost. Christen sollten Kulturen, vor allem die jüdisch-christliche, kennen und schätzen. Wörtlich sagte der Bischof, der Vorsitzender der Kommission Justitia et Pax ist: „Uns muss klar sein: Jesus war Jude. Es gilt das alttestamentliche Wort des Propheten Sacharja ,Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an'“.

Wilmer sieht Kirche als Brückenbauerin

Die Kirche sei Brückenbauerin und müsse Räume eröffnen, um Begegnungen zu fördern. Vor allem jüngere Christen sollten mit älteren Juden ins Gespräch kommen. Solche Kristallisationspunkte haben Wilmer zufolge „einen großen Multiplikatoreneffekt“.

Eine jüngst veröffentlichte Umfrage des jüdischen Weltkongresses (WJC) ergab, dass 27 Prozent aller Deutschen und 18 Prozent einer als "Elite" kategorisierten Bevölkerungsgruppe antisemitische Gedanken hegten. 41 Prozent der Befragten äußerten die Meinung, Juden würden zu viel über den Holocaust reden. Die Umfrage des WJC, einem internationalen Dachverband jüdischer Gemeinden und Organisationen, wurde bereits zwei Monate vor dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle durchgeführt.

"Offensichtlich waren manche
erzielten Fortschritte nicht so
nachhaltig wie viele dachten"
Ronald S. Lauder, Präsident des WJC

Ronald S. Lauder, amtierender Präsident des WJC, bezeichnete die Ergebnisse in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) als alarmierend. Man müsse sich fragen, ob Deutschland sich wirklich von seiner schwierigen Vergangenheit gelöst habe. „Offensichtlich waren manche erzielten Fortschritte nicht so nachhaltig wie viele dachten“, betonte Lauder.

DT/reg/mlu