Freiburg

Benedikt beklagt Gottlosigkeit

Emeritierter Papst fühlt sich missverstanden

Freiburg (DT/KNA) Der frühere Papst Benedikt XVI. fühlt sich in der Missbrauchsdebatte falsch verstanden. Er beklagt zugleich erneut eine Abwesenheit des Wortes „Gott“ in der katholischen Theologie und in der westlichen Gesellschaft insgesamt. In einem kurzen Beitrag für die neueste Ausgabe der „Herder Korrespondenz“ kritisiert Benedikt XVI., dass sein im April erschienener Aufsatz zum kirchlichen Missbrauchsskandal weithin falsch aufgenommen worden sei. Viele Reaktionen auf seine Äußerungen bestätigten ihn in seiner Sicht, dass Gottlosigkeit und Entfremdung vom Glauben das zentrale Problem seien, fügte er hinzu. Die Debatten zeigten für ihn „die Ernsthaftigkeit einer Situation auf, in der das Wort ,Gott‘ in der Theologie sogar vielfach am Rand zu stehen scheint“. Der emeritierte Papst hatte in einem im April im „Klerusblatt“ erschienenen Aufsatz betont, der zentrale Grund für das Ausmaß der Missbrauchskrise liege „in der Abwesenheit Gottes“. Benedikt XVI. fügte hinzu: „Auch wir Christen und Priester reden lieber nicht von Gott, weil diese Rede nicht praktisch zu sein scheint.“ Eine Gesellschaft mit einem abwesenden Gott sei aber eine Gesellschaft, in der „das Maß des Menschlichen“ immer mehr verloren gehe.

Die anschließende Debatte in Öffentlichkeit, Kirche und Theologie hatte sich aber vor allem auf die Äußerungen des früheren Papstes zur Rolle der 68er Bewegung konzentriert. In derselben Zeit habe sich ein Zusammenbruch gesellschaftlicher Werte und auch ein „Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie“ ereignet.