Altötting

"Bekenntnis zur Freiheit"

Wer anbetet, stellt Gott über seine Befindlichkeiten. Volles Haus beim Adoratio-Kongress in Altötting.

Adoratio-Kongress in Altötting
Als ob Feuer auf die Erde geworfen werden sollte: Die Monstranz leuchtet vor den Betern in der Basilika auf. Foto: pbp

Lobpreis erfüllt die ganze Kirche, als die Bischöfe Florian Wörner und Stefan Oster in die Basilika St. Anna in Altötting einziehen. Über 1.600 Männer, Frauen und Jugendliche sind der Einladung des Passauer Oberhirten Stefan Oster zum ersten Adoratio-Kongress im deutschsprachigen Raum gefolgt. Drei Tage sind geprägt von Vorträgen und Workshops zum Thema Anbetung. Heilige Messen und Glaubenszeugnisse sorgen für den passenden geistlichen Rahmen.

"Wer anbetet, wird schön
und von Gott selbst verwandelt“
Bischof Florian Wörner

„Was ist Anbetung anderes als zu sagen: Gott, Du bist alles“, macht Wörner den Anwesenden in seiner Predigt klar. Wer vor Gott hingekniet sei, der werde sich auch hineinknien im Dienst am Nächsten. Man könne nicht den Herrn in der Eucharistie anschauen und dann im Alltag wegsehen. „Wer anbetet, wird schön und von Gott selbst verwandelt“, so Wörner.

Die Anbetung verlängert die heilige Messe. Das wird am Freitagabend beim „Abend der Barmherzigkeit“ spürbar. Die Scheinwerfer und alle Augen sind auf das ausgesetzte Allerheiligste auf dem Altar gerichtet. Die Schlange der Gläubigen will weder vor dem Altar noch vor den Beichtstühlen enden – das Bußsakrament wird hier ganz und gar nicht stiefmütterlich behandelt. Bischof Stefan Oster selbst lässt es sich nicht nehmen, die Beichte im Altarraum zu hören. In den Gesichtern der Gläubigen ist tiefe Ehrfurcht abzulesen. „In der Anbetung kann ich ganz ich sein, ich muss mich nicht verstellen und kann mich ihm ganz hingeben“, sagt Marleen aus Hamburg.

Anbetung muss zur Haltung werden

In der Anbetung, dem Höhepunkt allen Betens, muss der Gläubige fragen: „Gott, wer bist Du, und wer bin ich?“, sagt der Pallotinerpater Hans Buob in seinem Vortrag „Anbeten – wie geht das?“ Anbetung müsse zur Haltung werden, in der wir „unsere Armut aushalten müssen“ vor der Unergründlichkeit und Liebe Gottes. Im Mittelpunkt dabei immer: „Gott, Du bist alles. Ich bin nichts“. Der heilige Vinzenz Pallotti sagte zum Geheimnis der Eucharistie: „Gott, Du bist zum Narr Deiner Liebe geworden“, denn in der Eucharistie geht Jesus bis ins Extrem. In der Geburt hat er sich der Göttlichkeit, in seinem Tod der Menschheit entäußert. In Brot und Wein nimmt er alle Risiken in Kauf – „aus Liebe zu dir und mir“, so Pater Buob.

Spätestens um 11 Uhr strömen alle Teilnehmer in die Basilika, um gemeinsam die heilige Messe um 11.30 Uhr zu feiern. Der Ortskern zwischen dem Kultur+Kongressforum, in dem drei Vorträge stattfinden, und der Basilika ist dann Schauplatz einer kleinen Völkerwanderung.

Viele Teilnehmer finden auch den Weg zur Podiumsdiskussion über bewährte Modelle von Gebetsabenden. Die Anbetung ist zentraler Bestandteil zahlreicher Formen wie „Holy Hour“, „Nightfever“, „Nightfire“, dem „Abend der Barmherzigkeit“ und „Adoray“.

Viele Berufungen, gefestigter Glaube

Viele Menschen kommen spontan und erfahren die Anbetung als etwas Schönes und Erfüllendes. Dass Anbetung fruchtet, bezeugt Pfarrer Andreas Süß, Mitinitiator von „Nightfever“: „In der Box für die Gebetsanliegen lag ein 200 Euro-Schein mit einem Post-It. Auf dem stand: ,Ich war auf dem Weg ins Bordell. Dann habt ihr mich eingeladen, und ich gehe dahin, wohin ihr mich eingeladen habt‘ und das war die Anbetung.“ Die Gestaltung der Musik und des Kirchenraumes trage wesentlich dazu bei, zu Gott hinzuführen, denn um Ihn geht es letztendlich.

Für Pere Florian Racine, Gründer der Gemeinschaft der Missionare der Heiligen Eucharistie aus Südfrankreich, bringt die eucharistische Anbetung zahlreiche Früchte hervor. Die Anbetung intensiviert die heilige Messe, festigt den Glauben, stärkt die Hoffnung, bewirkt Heilung und lässt in jungen Menschen die Berufungen zum Priestertum wachsen – um nur einige der zahlreichen Früchte zu nennen.

"Das Niederknien vor der
Eucharistie ist ein Bekenntnis der Freiheit"
Pere Florian Racine

Von der wachsenden Zahl der Priesterberufungen spricht auch der US-Amerikaner David Craig, Gründer des Apostolats „Adoration for Vocations“ (Anbetung für Berufungen). 1995 traten nach einer Anbetung mit 150 Menschen in seiner Pfarrei nach einem Monat drei junge Männer ins Priesterseminar ein.

Für Pere Florian Racine ist die eucharistische Anbetung eine Schule des Eifers und der Stille: „Das Niederknien vor der Eucharistie ist ein Bekenntnis der Freiheit. Wer vor Christus niederkniet, kann und darf sich vor keiner noch so starken irdischen Macht niederwerfen.“ Bei der 15-minütigen Anbetung für Berufungen ist es so still, dass man eine Stecknadel fallen hören konnte.

Abschlussmesse mit Bischof Oster

Zur Abschlussmesse mit Bischof Oster kommen ein letztes Mal alle Teilnehmer in St. Anna zusammen. „Gott hasst die Sünde, aber Gott liebt den Sünder“, sagt Bischof Stefan Oster in seiner Predigt bei der Abschlussmesse. Die Sünde halte uns davon ab, wer wir sind und wer wir sein können. „Wenn Sie schon mal geflogen sind, dann kennen Sie es bestimmt: Sie haben das Gefühl, dass das Flugzeug schneller ist als der Sonnenuntergang“, führt Oster aus. „Über den Wolken scheint immer die Sonne“. Dies ist ein Bild für den Himmel, wo immer die Sonne scheint und wo es immer hell ist. Auch, wenn es in uns dunkel sei. „Aber wenn uns Jesus etwas von sich gibt, dann wird es auch in uns hell. Denken Sie daran: Oben scheint immer die Sonne.“

Der Kongress hat viele Arten von Sehnsucht nach Jesus und der Nähe in seinem Sakrament vereint. Adoratio – ein Vorbild auch für andere Bistümer? Der katholischen Kirche in Deutschland ist es im Hinblick auf den sogenannten „Synodalen Weg“ nur zu wünschen.

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