Würzburg

Auf sie kommt es bei der Amazonas-Synode an

Die Tagespost stellt die Protagonisten der am Sonntag beginnenden Amazonas-Synode vor.

Bischofssynode in Rom
Spadaro, Kräutler, Baldisseri: Dies sind nur einige Namen von Protagonisten, die die Amazonas-Synode prägen werden. Die Tagespost wirft einen vertieften Blick auf sie. Foto: Ettore Ferrari (ANSA)

Pater Antonio Spadaro SJ

Antonio Spadaro
Jesuitenpater Antonio Spadaro ist Direktor und Chefredakteur der italienischen Jesuiten-Zeitschrift "La civilta catholic... Foto: Romano Siciliani (KNA)

Ihm wird eine besondere Ehre zuteil. Obwohl die Amazonas-Versammlung eine Bischofssynode ist, darf der Direktor der Jesuiten-Zeitschrift „Civilta Cattolica“ mit abstimmen. Die Teilnehmerliste führt den Papst-Vertrauten unter den ordentlichen Mitglieder der Synode auf. Also darf er seine Stimme abgeben, wenn der Schlussbericht zur Entscheidung steht. Allerdings wird der Jesuitenpater auf den hinteren Rängen der Synodenaula sitzen. Dass der Medienfachmann überhaupt an der Synode teilnimmt, verdankt er der persönlichen Berufung durch Franziskus. Spadaro ist das, was man einen Spin-Doktor nennt. Mit seinen Tweets ist er immer präsent und als Kommentator für die Kirchenberichterstattung des Staatsfernsehens RAI3 vor allem auf Papstreisen zu sehen. Der Kommunikationswissenschaftler, der sein Diplom an der Jesuiten-Universität Gregoriana erwarb und seit 2011 „Civilta Cattolica“ leitet, konnte im Sommer 2013 das erste ausführlichere Interview mit Franziskus führen. Die Sozial- und Umweltenzyklika „Laudato Si“, die so etwas wie das päpstliche Basisdokument für die Amazonas-Synode ist, stellt für Spadaro eine Art Reißbrettzeichnung für die Kirche der Zukunft dar. Während der Synode wird er über die Sozialen Medien das Kernanliegen des Papstes nach außen transportieren.

Paolo Ruffini

Paolo Ruffini
Paolo Ruffini ist Präfekt des Dikasteriums für die Kommunikation. Foto: Cristian Gennari

Er ist – im Gegensatz zu Antonio Spadaro – der offizielle Sprecher der Synode. Er ist der ranghöchste Laie im Vatikan, als Präfekt des Dikasteriums für die Soziale Kommunikation. Er filtert, was aus der Synodenaula nach außen dringt – zusammen mit seinen engsten Mitarbeitern, dem Chefredakteur aller Vatikanmedien, Andrea Tornielli, dem Vatikansprecher Matteo Bruni und dem Direktor der Jesuiten-Zeitschrift „Aggiornamenti Sociali“, Pater Giacomo Costa SJ. Im Organigramm der Amazonas-Synode ist Ruffini Präsident der „Kommission für Information“, Pater Costa sein Stellvertreter und Tornielli einer der vier ordentlichen Mitglieder der Kommission. Schon bei der Jugendsynode war es Ruffini, der die fast täglichen Briefings im Pressesaal des Vatikans abhielt. Zu diesen Briefings kommen ausgewählte Mitglieder der Synode hinzu. Ruffini ist ausgebildeter Fernsehjournalist. Er arbeitete ursprünglich beim Staatsfernsehen RAI, wechselte dann zu dem privaten Sender LA7 und wurde 2014 Direktor von TV2000, dem Fernsehsender der Italienischen Bischofskonferenz. Im Sommer 2018 machte ihn Franziskus zum Chef des Mediendikasteriums, das vor wenigen Tagen die erste Vollversammlung seit seiner Entstehung abhielt. Die mit Abstand größte Behörde im Vatikan hat um die siebenhundert Mitarbeiter.

Pater Michael Czerny SJ

Michael Czerny
Jesuitenpater Michael Czerny, Menschenrechtsexperte und Untersekretär des Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganz... Foto: Robert Duncan (KNA)

Der Jesuit wird zu Beginn der Bischofsversammlung in die Synodenaula schweben. Selten ist ein Vatikanprälat auf so ungewöhnliche Weise die Treppe hochgefallen. Übermorgen spendet ihm Franziskus die Bischofsweihe und am Vortag der Synode nimmt ihn der Papst in das Kardinalskollegium auf, dabei ist Czerny „nur“ Untersekretär im vatikanischen Dikasterium für die umfassende Entwicklung des Menschen. Dort organisiert er die Sektion für Migranten, die Franziskus aber so wichtig ist, dass er bei der Errichtung des Dikasteriums sich selber zum Chef der Migrationsabteilung machte. Auf der Amazonas-Synode hat Czerny ein wichtiges Amt: Er ist einer der beiden Sondersekretäre, die dem Generalrelator der Synode, Kardinal Cláudio Hummes, zuarbeiten. Die Vita des Jesuiten hat es in sich. 1946 in Brünn geboren, studierte er an der University of Chicago und ging dann nach Kanada, wo er Direktor eines von ihm gegründeten Zentrums für Glaube und Soziale Gerechtigkeit in Toronto war. Dann leitete er ein Menschenrechts-Institut in San Salvador, später ein Studentenkolleg in Nairobi. Zudem war er Konsultor des Päpstlichen Rats „Iustitia und Pax“. Anfang 2017 berief ihn Franziskus in sein heutiges Kurienamt. In Italien erhebt Czerny immer wieder seine Stimme für Migranten und Flüchtlinge.

Kardinal Joao Braz de Aviz

Kardinal Joao Braz de Aviz
Kardinal Joao Braz de Aviz, Präfekt der vatikanischen Ordenskongregation, im Vatikan. Foto: Romano Siciliani (KNA)

Der Kardinal sitzt als Präfekt der vatikanischen Ordenskongregation in der Synodenaula und ist der einzige Behördenleiter der Römischen Kurie, der persönlich mit dem Amazonasgebiet vertraut ist: Er stammt aus Brasilien und war Bischof in Ponte Grossa und dann Maringá im Bundesstaat Paraná, der südlich des Amazonasbeckens liegt. Auch als Erzbischof von Brasilia ab 2004 war er nur ein Nachbar der Region. 2011 ernannte ihn Benedikt XVI. zum Präfekten der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens und nahm ihn ein Jahr später in das Kardinalskollegium auf. Den Generalrelator der Synode, Kardinal Cláudio Hummes, kennt er noch aus der Zeit, als dieser Erzbischof von Sao Paulo war. Diese brasilianische Kardinalsachse wird ein Bezugspunkt für die 58 Bischöfe aus Brasilien auf der Amazonas-Synode sein, zumal Braz de Aviz als enger Vertrauter von Franziskus gilt. Mit dessen Billigung hatte der Präfekt im Juli 2013 das Dekret unterzeichnet, mit dem der Gründer und Obere der Franziskaner der Immakulata sowie die gesamte Ordensleitung abgesetzt, ein Apostolischer Kommissar eingesetzt und die im Orden zelebrierte „alte Messe“ verboten wurde. Da Braz de Avis nie die Gründe dafür benannte, sorgte der Fall in Italien für Aufsehen.

Kardinal Lorenzo Baldisseri

Der Italiener ist als Generalsekretär der römischen Bischofssynoden so etwas wie der Hausherr der Amazonas-Versammlung. Er muss dafür Sorge tragen, dass die Synode reibungslos arbeiten kann. In der „Hierarchie“ der Bischofsversammlung kommt er direkt hinter dem Präsidenten (Franziskus) und noch vor den delegierten Präsidenten und dem Generalrelator der Synode. Damit diese rund läuft, hat Baldisseri ein personalstarkes Sekretariat mit 13 ordentlichen Mitgliedern, sechs Konsultoren, drei Mitarbeitern und 32 Assistenten. Es gibt Kongregationen, die sind nicht so stark besetzt. Als ehemaliger Nuntius gehört Baldisseri zu den Vatikandiplomaten, denen die besondere Vorliebe von Franziskus gilt. Aber der 79-jährige Italiener steht dem Papst besonders nah. Noch 2012 hatte Benedikt XVI. ihn zum zweiten Mann der Bischofskongregation und dann zum Sekretär des Kardinalskollegiums gemacht. Damit war der gebürtige Toskaner automatisch auch Sekretär der Papstwahl, aus der Franziskus hervorgehen sollte. Und Letzterer nahm, als Baldisseri vor ihm kniete, seinen – nun überflüssig gewordenen – purpurroten Pileolus in die Hand und setzte ihm das Scheitelkäppchen auf den Kopf, mit den Worten, er sei jetzt „zur Hälfte Kardinal“. Die andere Hälfte kam dann im Konsistorium von 2014 hinzu.

Bischof Erwin Kräutler

Bischof Erwin Kräutler
Erwin Kräutler war von 1981 bis 2015 Bischof in Altamira, Xingú, der größten Diözese Brasiliens. Foto: Katharina Ebel

Der Österreicher zählt zu den Synodalen, die auf der Bischofsversammlung etwas erreichen wollen: Dass er sich für die Zukunft „viri probati“ und geweihte Frauen wünscht, hat der ehemalige Bischof des flächenmäßig großen Amazonas-Bistums Xingu in Brasilien immer wieder geäußert. Der Achtzigjährige ist als Mitglied des Vorsynodalen Rats, der das „Instrumentum laboris“ erarbeitet hat, gesetztes Mitglied der Synode, er brauchte, als Emeritus, keine besondere Einladung des Papstes. Der gebürtige Vorarlberger ging 1958 als Ordensmann und Missionar in das Amazonas-Gebiet. Er war dann von 1983 bis 1991 Präsident des Indianermissionsrats der Brasilianischen Bischofskonferenz. Die Befreiungstheologie sei für ihn immer biblisch gewesen, sagte Kräutler in einem Interview. Er ist Protagonist des panamazonischen Netzwerks REPAM, das in der Amazonas-Synode die Gelegenheit sieht, mit der „Theologie der Indigenen“ die gesamte Weltkirche zu befruchten. Kräutler wünscht sich ein Christentum und eine Kirche, „die auch indigene Züge tragen. Nicht mehr der möglichst rasche formale Übertritt zum Christentum durch die Taufe steht im Mittelpunkt der kirchlichen Bemühungen um die Indios, sondern eine Inkulturation, die danach fragt, welche Spuren Gott auch in den Naturreligionen hinterlassen hat“.

Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson

Mögliche Papst-Nachfolger: Kardinal Peter Turkson
Amazonas Foto: Adobe Stock (dpa)

Er leitet seit 2016 als Präfekt des damals neu errichteten Dikasteriums für die umfassende Entwicklung des Menschen die Kurienbehörde, in deren Zuständigkeit die Themen der Amazonas-Synode am ehesten fallen. In das Dikasterium flossen bei dessen Gründung die Aufgaben der Räte „Iustitia et Pax“, „Cor unum“, des Rats für die Migranten und Menschen unterwegs sowie für die Pastoral im Krankendienst ein. Seit 2009 war Turkson Präsident von „Iustitia et Pax“ gewesen. Der 71-Jährige stammt aus Ghana und leitete von 1997 bis 2005 die Bischofskonferenz seines Landes. Mit Synoden kennt er sich bestens aus. 2009 war er Generalrelator der Sondersynode für Afrika. Die Amazonas-Synode will – wie schon die vorbereitenden Arbeiten des REPAM und des Jesuitenordens – auch auf kirchliche Strukturen in Weltgegenden einwirken, in denen es wie am Amazonas Eingeborene und eine durch Ausbeutung bedrohte Natur gibt. Turkson ist dabei der Mann für Afrika. Die Enzyklika „Laudato Si’“ liest er optimistisch, er ist überzeugt, dass die Menschheit die Wende zu ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit noch schaffen kann. Die Menschen hätten trotz aller großen Probleme in Sachen Armut und Bewahrung der Umwelt „immer noch die Fähigkeit, sich und die Verhältnisse zu ändern“.

Kardinal Cláudio Hummes

Vatikan könnte Zölibat überdenken  - Kardinal Hummes
Amazonas Foto: Adobe Stock (ANSA)

Er ist als Schlussdokuments zu leiten hat, und als Präsident des REPAM eine herausragende Gestalt der Amazonas-Synode. Und er ist ein enger Vertrauter des Papstes. Am Wahltag des Konklaves von 2013 stand er abends direkt neben Franziskus auf der Loggia und soll es auch gewesen sein, der seinem Freund Jorge Mario Bergoglio empfahl, den Papstnamen Franziskus anzunehmen. Hummes wurde 1998 Erzbischof von Sao Paulo. Benedikt XVI. ernannte ihn 2006 zum Präfekten der Kleruskongregation. Vor seinem Abflug nach Rom überraschte Hummes mit einer Aussage zum Zölibat: Er meinte, dass die Ehelosigkeit der Priester kein Dogma, sondern lediglich eine disziplinarische Norm ist. Ein designierter Präfekt der Kleruskongregation, der am Zölibat rüttelt, war eine kleine Sensation. Aber in seiner römischen Zeit, die 2010 wieder endete, nahm er zu dem Thema nicht mehr Stellung. Unter Franziskus kehrte der heute 85-Jährige auf die Bühne zurück. Als REPAM-Präsident sprach er sich für eine Öffnung der Kirche auf der Amazonas-Synode aus. „Wir bauchen dringend Neues, ohne Angst und Widerstand“, sagte Hummes der Jesuiten-Zeitschrift „Civilta Cattolica“. Als Generalrelator sitzt er in einer Schlüsselposition, um das jetzt zu versuchen.