Fulda

Audiatur et altera pars

Unter den deutschen Bischöfen scheint der Wunsch, den "Synodalen Weg" gemeinsam zu gehen, stärker zu werden. Es ist noch nicht ausgemacht, ob das gelingen wird.

Bischöfe wollen "Synodalen Weg" gemeinsam gehen
Dass im Verlauf des mehrjährigen synodalen Prozesses Einmütigkeit kommt, ist nicht zu erwarten. Der Wille, einen wirklich gemeinsamen Weg zu gehen, scheint aber stärker geworden zu sein. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Die Unstimmigkeiten um den „Synodalen Weg“ sind nicht aus der Welt geschafft. Dass im Verlauf dieses mehrjährigen Prozesses Einmütigkeit kommt, ist ohnehin nicht zu erwarten. Doch der Auftakt der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zeigte immerhin, dass nach Monaten der Auseinandersetzung der Wille, einen wirklichen gemeinsamen Weg zu gehen, stärker geworden ist. Großen Anteil daran dürften die vatikanischen Interventionen der zurückliegenden Wochen gehabt haben.

Franziskus handelte in typischer Manier seines Pontifikats

Dabei hatten weder Kardinal Marc Ouellet noch Papst Franziskus – ganz in typischer Manier seines Pontifikats – den DBK-Vorsitzenden Kardinal Reinhard Marx mit konkreten Handlungsanweisungen nach Fulda geschickt. Bei den Gesprächen in der vergangenen Woche habe er die „Missverständnisse“ ausräumen können und sei von der Kirchenleitung in den Plänen für den „Synodalen Weg“ auch bestärkt worden, ließ Marx die deutsche Presse am Montag wissen. Zugleich bekundete er, was er wohl auch im Vatikan versprechen musste: Dass man in Deutschland keineswegs einen Sonderweg plane, ja, noch nicht einmal ein nach kirchenrechtlichen Maßstäben verbindliches Forum. Sollten auf dem „Synodalen Weg“ weltkirchlich relevante Voten abgegeben werden, verlängere sich der Weg selbstredend bis zum Papst, so Marx.

Das ist nicht nur eine Konzession an die Mahnungen von Papst Franziskus und seiner Kurie. Schon vor Beginn der Herbsttagung zeichnete sich ab, dass die Vordenker des „Synodalen Wegs“ auch auf Kritik aus bischöflichen Reihen hierzulande reagiert haben. In diesem Sinne ist Marx‘ Ankündigung zu verstehen, man werde nun „einige Fragen der Satzung vielleicht noch vertiefen“. Das Papier, das zwischen dem DBK-Sekretariat und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) erarbeitet wurde, war dabei bereits mehrfach Gegenstand von Beratungen und Beschlüssen.

Viele hätten Neuevangelisierung prominenter platziert gesehen

Insbesondere die im Statut verankerte Auswahl der bekannten vier Streitthemen bleibt dabei auch bei denjenigen, die zugestimmt haben, nicht unwidersprochen. Gerade die Neuevangelisierung hätten einige gern prominenter platziert gesehen. Der gesamte von Kardinal Rainer Maria Woelki und Bischof Rudolf Voderholzer eingebrachte Alternativentwurf dürfte zwar nach wie vor kaum mehrheitsfähig sein. Ihren Wunsch nach einem mehr an Glaubens- als an Strukturfragen orientierten Weg teilen jedoch auch solche Bischöfe, die nicht als Kritiker des „Synodalen Wegs“ gelten. So könnte jedenfalls dieses Element des Entwurfs von Woelki und Voderholzer doch noch Eingang in die synodalen Beratungen finden. Darauf beharren die Kritiker allerdings auch.

Zuletzt hatte Woelki das am Dienstagvormittag seinen Mitbrüdern noch einmal deutlich vorgetragen. Die Möglichkeit dazu hatte ihm die DBK-Leitung eingeräumt: Auf ihre Einladung referierte Woelki seine Auslegung des Briefs von Papst Franziskus „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“. Neben ihm sprach auch Münsters Bischof Felix Genn zu den Bischöfen, der seinerseits davor warnte, „sich in erster Linie in einzelne Fragen ,zu verbeißen‘“, statt die Sendung der Kirche in den Blick zu nehmen. Weiteres Entgegenkommen zeigte die Vollversammlung, indem sie noch am Montagabend dem Wunsch Woelkis und Voderholzers nach einer Änderung der Tagesordnung zustimmte, welche dem Vortrag des Kardinals mehr Gewicht verleihen sollte.

Auch Korrekturen werden an der Grundausrichtung wenig ändern

Man kann es als Zeichen deuten, dass die Gegenstimmen stärker zu ihrem Recht kommen werden als bisher zu erwarten war. Nun muss sich zeigen, ob es den Kritikern ausreicht, die Rolle der geachteten Minderheit zu spielen. Denn auch die Korrekturen werden an der Grundausrichtung des Prozesses nur wenig ändern. Und schließlich müssen auch die Laien vom ZdK dem zustimmen. Diese wiederum zeigten bislang wenig Bereitschaft, von ihrer Vorstellung vom „Synodalen Weg“ abzuweichen.