Paris

Asia Bibi: Ein Leben zwischen Verfolgung und Hoffnung

Die pakistanische Christin Asia Bibi hat ihr Glaubenszeugnis unter großen persönlichen Opfern abgelegt. Ihr Schicksal hat das Thema Christenverfolgung deutlich in den Fokus gerückt. Ob Sie persönlich in Sicherheit ist und Ruhe finden kann, bleibt dabei offen.

Pakistanische Christin Asia Bibi beim Empfang von Präsident Macron
Dass Frankreichs Staatspräsident Macron Asia Bibi empfing, festigt indes ihre Rolle als Aushängeschild für Menschenrechte. Foto: Philippe Lopez (AFP)

Asia Bibi wirkt ungebrochen. Nach einer weltweiten Protesten wurde das 2009 gegen die pakistanische Christin wegen angeblicher Blasphemie verhängte Todesurteil aufgehoben. Mit Hilfe einer Journalistin hat die Analphabetin ihre Geschichte in Buchform herausgebracht. Am Freitag gab sie in Paris in einer auf  Verfahren wegen Menschenrechtsverletzungen spezialisierten Anwaltskanzlei ihre erste Pressekonferenz. Eine rätselhafte Ikone der Religionsfreiheit erschien und legte ein bewegendes Glaubenszeugnis ab.

Heute lebt sie unter anderer Identität in Kanada

Ist die heute 55-Jährige wirklich frei? Nichts deutet darauf hin, dass Asia Bibi ihr Schicksal nun in der Hand hat. Nach Morddrohungen lebt die analphabetische Mutter zweier Töchter unter anderer Identität in Kanada. Die Buchpräsentation stand im Zeichen einer gewöhnungsbedürftigen Regie: Während die geistig behinderte Tochter, vom Medienauftrieb verängstigt, sichtlich litt, lief der Informationsfluss nur mühsam. Wie konnte ein Streit mit muslimischen Nachbarinnen um ein Glas Wasser der heute 55-Jährigen zum lebensgefährlichen Verhängnis werden?

In ihren Erinnerungen schildert die einstige Bäuerin das Leben in ihrem Dorf, in das sie nicht mehr zurückkehren darf als „Glück“. Zwischen Christen und Muslimen sei es respektvoll zugegangen. Dann drehte sich der Wind.

Asia Bibi führte mit einem verheirateten Familienvater, dessen Ehefrau, den drei ehelichen Kindern ihres Partners und den beiden gemeinsamen Töchtern einen gemeinsamen Haushalt. Die Ehefrau, eine Christin, weigerte sich trotz Drängen ihres Mannes, in die Scheidung einzuwilligen und begegnete der Jüngeren „mit Hass im Bauch“. Der Familienkonflikt blieb nicht unbemerkt. Jedenfalls befürchtet man im persönlichen Umfeld Asia Bibis, die Nachbarin, die Anklage wegen angeblicher Gotteslästerung erhob, stecke mit der Ehefrau unter einer Decke. Letztere streitet das ab, zeigte für das Schicksal der Jüngeren aber auch kein Mitleid.

Aushängeschild für Menschenrechte

Dass Frankreichs Staatspräsident Macron Asia Bibi empfing, festigt indes ihre Rolle als Aushängeschild für Menschenrechte. Zudem ergriff sie die Chance, Benedikt XVI., der sich kurz nach ihrer Verhaftung öffentlich für sie eingesetzt hatte, persönlich zu danken. Auch das ist ein stellvertretender Dienst für Entrechtete in Zeiten, in denen sich Päpste auf schmalem Grat bewegen, wenn sie ihre Stimme laut für verfolgte Christen erheben. Den Zorn der Islamisten kennt Asia Bibi aus eigener Erfahrung. Die Erwartungshaltung der Welt, der Papst dürfe nicht zu Menschenrechtsverletzungen schweigen, ebenso.

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