Würzburg

Amazonas-Bischof: Kirche muss um zölibatäre Priester bitten

Weder die Weihe von viri probati zu Priestern noch die indigene Theologie bieten aus Sicht des emeritierten Bischofs der Territorialprälatur Marajó einen Weg zur Erneuerung der Kirche.

Emeritierter Bischof Azcona sieht Kirche gespalten
Der Klerus in der Amazonasregion und in der ganzen Kirche brauche aufrichtige Reue und Bekehrung im engeren Sinne, so Azcona. Foto: Thomas Milz (KNA)

Der emeritierte Bischof der Territorialprälatur Marajó, José Luis Azcona, hat vor falschen Erwartungen in die Amazonassynode gewarnt: Weder die Weihe von viri probati zu Priestern noch die indigene Theologie bieten aus seiner Sicht einen Weg zur Erneuerung der Kirche. Bewährte Männer zu Priestern zu weihen wäre kein Segen für die Kirche in der Amazonasregion, weil solche Weihen nicht auf die dringendsten pastoralen Anforderungen reagieren würde, so Bischof Azcona.

"Wenn sich die Menschen nicht in der
Begegnung mit Christus verwandeln lassen,
hat die katholische Kirche keine Zukunft"
Emeritierter Bischof Azcona

Die Kirche im Amazonasgebiet und in Maraj  brauche eine persönliche Bekehrung, der zugleich die mangelnde Rezeption des 2007 veröffentlichten Dokuments von Aparecida beklagt: "In der brasilianischen Kirche existiert die im Dokument von Aparecida 17 Mal geäußerte Überzeugung, dass es für ganz Lateinamerika und die Karibik notwendig ist, sich persönlich zu bekehren, noch nicht. Wenn sich die Menschen nicht in der Begegnung mit Christus verwandeln lassen, hat die katholische Kirche keine Zukunft. Dann wird die Synode eine gigantische Inszenierung von wichtigen Themen wie Ökologie, Kulturen, Dialog. Aber sie eröffnet keinen Millimeter Raum für realistische Hoffnungen. Alles andere ist pastorale Naivität und bedeutet Verrat am Evangelium, an der Menschheit und an den indigenen Völkern des Amazonas."

Der Klerus in der Amazonasregion und in der ganzen Kirche brauche aufrichtige Reue und Bekehrung im engeren Sinne. Auf der anderen Seite, so Bischof Azcona, sei der Zölibat ein kostbares Geschenk, das von der ganzen Kirche mit Nachdruck erbeten werden muss. Es sei "völlig unangebracht", den priesterlichen Zölibat anlässlich der Synode zur Diskussion zu stellen. Er räumte ein, dass in der Amazonasregion kein beharrliches Gebet um das Geschenk zölibatär lebender Priester stattfinde.

"Indigene Theologie" kein Modell für die ganze Welt

Den Gedanken, über die "indigene Theologie" als Modell für die ganze Welt nachdenken verwarf der langjährige Oberhirte der Prälatur Marajó als "maßlose Forderung ohne pastorale oder theologische Grundlage. Es gebe Formen indigener Theologie, die "eindeutig heidnisch" seien.

Erhebliche Schwächen bescheinigt der Bischof dem Instrumentum laboris, dem Arbeitspapier zur Amazonassyonode. Im Dokument sei es nicht das Evangelium, das als einzige göttliche Kraft, diejenigen, die glauben sowie die Familie, die Gesellschaft, die Kultur und die Identität retten, befreien und aufbauen könne. Das Instrumentum laboris ist theologisch und damit pastoral schwach und gefährlich, weil es den gekreuzigten und auferstanden Christus aus der Mitte verbannt und damit Gefahr läuft, die Kirche zu spalten.

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