Würzburg

Altlutherischer Theologe: Liturgiereform ist ökumenische Annäherung

Verwendung der Volkssprache, deutlichere Akzentuierung der Gemeinde als Volk Gottes: Der altlutherische Theologe Christoph Barnbrock sieht manche der Forderungen Luthers in der römisch-katholischen Liturgiereform berücksichtigt.

Roratemesse
Hinsichtlich jüngerer Entwicklungen ließen sich auch in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) Einflüsse aus der römisch-katholischen Kirche feststellen, so Barnbrock. Im Bild: Ein Altar mit Kerzen, Messbuch und Gesangbuch in der Stiftskirche in Bonn. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Der altlutherische Theologe Christoph Barnbrock wertet die Veränderungen durch die römisch-katholische Liturgiereform als ökumenische Annäherung. „Ich sehe in dieser Liturgiereform manche der Forderungen berücksichtigt, die Martin Luther und seine Mitstreiter in der Reformationszeit angemahnt hatten, etwa die Verwendung der Volkssprache, eine stärkere Betonung der Verkündigung des Wortes Gottes und die deutlichere Akzentuierung der Gemeinde als Volk Gottes.“ So äußert sich Barnbrock im Gespräch mit der Tagespost.

Gottesdienstliche Sprache soll sich von Alltagssprache unterscheiden

Als Besonderheit in der lutherischen Tradition in Deutschland hebt Barnbrock den Rang der Lutherbibel hervor, die ein eigenes sprachliches Idiom prägte, das trotz seiner Vorzüge heute mitunter als sperrig wahrgenommen werde. Grundsätzlich sollte sich aber eine gottesdienstliche Sprache von der Alltagssprache unterscheiden, so der Theologe: „Im Gottesdienst betreten wir einen vom Alltag abgegrenzten Bereich.“

Im Interview mit der Tagespost blickt Barnbrock auf Liturgie und liturgische Reform, ökumenische Impulse und das Proprium lutherischer Frömmigkeitspraxis. Das gottesdienstliche Leben hat in den Gemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) besonderes Gewicht. Dabei stehe im Gottesdienst das Handeln Gottes, der heilvoll beschenkt, und die Antwort der Gemeinde mit ihrem Lob und Dank im Mittelpunkt.

Handkommunion weithin üblich geworden

Hinsichtlich jüngerer Entwicklungen ließen sich Einflüsse aus der römisch-katholischen Kirche feststellen. So stünde der Liturge mitunter hinter dem Altar mit Blick zur Gemeinde. Aber auch die „Handkommunion“ sei weithin üblich geworden, was jedoch nicht die SELK beträfe, wo die Mundkommunion als Ausdruck dafür gelte, ganz beschenkt zu werden. Hier scheine jedoch Unterschiedliches nebeneinander möglich zu sein, so Barnbrock.

Insgesamt sei der Anspruch an die Liturgie, dass sie nicht enthalten dürfe, was dem Glauben der Kirche widerspricht, erklärt Barnbrock. Und natürlich präge die Liturgie den Glauben der Kirchglieder. Wichtig sei der Zusammenhang, dass Formen und Inhalte in der Liturgie übereinstimmten. Die Ebene der Formensprache müsse dem entsprechen, was als Inhalt behauptet werde.

DT/ska

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