Änderungen bei Legionären gehen weiter

Schreiben des Apostolischen Delegaten: Vatikan will mehr Eigenständigkeit der Laiengemeinschaft „Regnum Christi“. Von Guido Horst

Rom (DT) Schritt für Schritt ist der Vatikan dabei, dem durch die Vergehen seines Gründers Marcial Maciel in schweres Fahrwasser geratenen Priesterorden der Legionäre Christi eine neue Zukunft zu eröffnen. Ein Schreiben des Apostolischen Delegaten Kardinal Velasio De Paolis, den Papst Benedikt XVI. eingesetzt hatte, um die Legion von Grund auf zu sanieren, galt diesmal aber der Laiengemeinschaft „Regnum Christi“, die dem Priesterorden angegliedert ist.

Das Schreiben des Kardinals trägt das Datum vom 15. Oktober und richtet sich an die Legionäre und die „gottgeweihten Männer und Frauen des Regnum Christi“. Es zieht die Konsequenzen aus einer Apostolischen Visitation, die Ricardo Blázquez, den Erzbischof der spanischen Diözese Valladolid, von Januar bis Juni 2011 zur Gemeinschaft „Regnum Christi“ geführt hatte, der circa 75 000 Gläubige angehören und davon achthundert weibliche und hundert männliche Mitglieder, die sich zu den evangelischen Räten der Armut, Ehelosigkeit und des Gehorsams verpflichtet haben.

Auf der einen Seite hebt das Schreiben von De Paolis die guten Früchte der Zusammenarbeit zwischen den Legionären Christi und „Regnum Christi“ hervor, wie sie bei der Visitation zu Tage getreten seien, auf der anderen Seite hält es den Wunsch der Laiengemeinschaft nach einer größeren Eigenständigkeit fest. Vor allem die gottgeweihten Männer und Frauen wollten die „Verantwortung für die Gestaltung und Leitung ihres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens sowie für ihr apostolisches Wirken“ selber übernehmen. Damit aber verbinde sich die Frage der Selbstbestimmung und des Rechtsstatus der Gemeinschaft.

„Bisher führten die

Legionäre Regnum

Christi durch sogenannte

Territorialdirektoren“

Die Folge wird also sein, so geht aus dem Brief hervor, dass das „Regnum Christi“ neue Statuten erhalten wird – ein Prozess, der auch schon bei den Legionären Christi begonnen hat.

Die Erarbeitung dieser neuen Statuten und die Überprüfung der Lebensweise der gottgeweihten Personen in der Gemeinschaft „Regnum Christi“ wird dem Schreiben zufolge unter der Verantwortung des Apostolischen Delegaten erfolgen.

Bisher führten die Legionäre Christi die Gemeinschaft „Regnum Christi“ durch sogenannte Territorialdirektoren, die vor Ort als Delegaten des Generaldirektors der Legionäre Christi auftraten. Dieses Amt wird mit dem Brief von De Paolis „ausgesetzt“ und geht an die Assistentin beziehungsweise den Assistenten des Generaldirektors für die gottgeweihten Frauen und Männer über, die dabei von drei Beratern unterstützt werden. Eventuelle Schwierigkeiten seien dem Apostolischen Delegaten vorzulegen.

Alle Entscheidungen von besonderem Gewicht, die die gottgeweihten Frauen und Männer von „Regnum Christi“ betreffen, „insbesondere die Aufnahme von neuen gottgeweihten Personen, Versetzungen, Ernennungen, Entlassungen oder Entbindung von den Versprechen“, bedürfen dem Schreiben zufolge der Approbation des Päpstlichen Delegaten. Auch für „Regnum Christi“ beginnt damit eine Übergangszeit, wie das für die Legionäre Christi schon seit längerem der Fall ist. Ein Sprecher der Legionäre Christi in Rom bezeichnete die in dem Brief von De Paolis angekündigten Neuerungen als „kirchenrechtliches Erwachsenwerden“ von „Regnum Christi“.

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