Zur Liebe berufen

Erste Philosophische Sommerwoche in Mooshausen. Von Christian Enders

Mooshausen (DT) Was heißt es, als Mann oder Frau geschaffen zu sein? Welche Bedeutung hat der Leib für mein Dasein? Was besagen die Kraft und Leidenschaft, die mich zum anderen hinziehen? Und worin finde ich meine endgültige Erfüllung? – Diesen Fragen gingen junge Erwachsene vom Ende Juli bei der ersten Philosophischen Sommerwoche im Alten Pfarrhaus von Mooshausen im Allgäu nach, die vom Freundeskreis Mooshausen und der Initiative „Nightfever“ veranstaltet wurde. Im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen stand die „Theologie des Leibes“, die Johannes Paul II. in seinem Buch „Liebe und Verantwortung“ sowie zahlreichen Mittwochskatechesen in den 1980er Jahren dargelegt hat, und mit der er die katholische Lehre von Liebe, Personsein, Leiblichkeit und Keuschheit durch neue Perspektiven bereichert hat.

„Das Wort, das den gesamten Entwurf des Papstes zusammenhält und wie ein Refrain durchzieht, lautet: bräutlich. In der heutigen Atmosphäre aufgewühlter Sexualität bietet Johannes Paul II. einen revolutionären Gedanken an: den Gedanken eines noch nicht erfüllten, wartenden Zustands, der sich auf die kommende Erfüllung ausstreckt“, so Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, die Hauptreferentin der Veranstaltung. Für den Papst sei dabei entscheidend, diese hoffende und wartende Haltung nicht nur auf die Ehelosigkeit, sondern gerade auch auf die Ehe anzuwenden.

„Beim Thema Mann und Frau ist stets Gott als Dritter mit im Spiel. Daher kann man dieses Thema auch nur im Dreiklang von Philosophie, Theologie und geistlichem Tun behandeln“, so Dr. Hanns-Gregor Nissing, der gemeinsam mit Kaplan Andreas Süß (Düsseldorf) die Woche leitete. Bereichert wurden die Zeiten von Vortrag, Diskussion und persönlichem Gespräch daher durch die tägliche heilige Messe, durch Gebets- und Anbetungszeiten und durch eine Nachtwallfahrt nach Maria Steinbach, die allesamt deutlich machten, dass wahrhaftige Theologie beständig der inneren Ausrichtung auf den dreifaltigen Gott bedarf. Neben den theologischen Texten des Papstes fand insbesondere die gemeinsame Lektüre und Interpretation des Theaterstücks „Der Laden des Goldschmieds“, das Karol Wojtyla 1960 geschrieben hatte, große Resonanz. „Durch das Pilotprojekt einer Philosophischen Sommerwoche wollen wir der Initiative Nightfever, die im Jahr 2005 im Zusammenhang des Kölner Weltjugendtages und gründend auf dem Barmherzigkeitsabend der Gemeinschaft Emmanuel im Jahr 2005 entstanden ist, die notwendige theologische und intellektuelle Vertiefung geben“, sagte Mitinitiator Andreas Süß. Eine Fortsetzung der Sommerwoche und weitere Veranstaltungen sind daher geplant.

Es bleibt zu hoffen, dass die „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II., die ein so wichtiges und alle Menschen betreffendes Thema auf einfühlsame Weise vertieft und dabei an die allgemein menschliche Erfahrung appelliert, auch in Zukunft weitere Verbreitung findet und die Herzen der Menschen verwandelt, damit sie das werden können, wozu sie geschaffen worden sind: zur Liebe berufen.