Zum Sakrament der Firmung

Im Wortlaut die Ansprache des Heiligen Vaters während der Generalaudienz vom 30. Mai.

Papst Franziskus
Papst Franziskus grüßt vor einer Generalaudienz auf dem Petersplatz in Vatikanstadt. Foto: Claudio Peri +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Foto: Claudio Peri (ANSA)

Liebe Brüder und Schwestern!

In meinen weiteren Ausführungen zum Thema der Firmung möchte ich heute „den inneren Zusammenhang dieses Sakraments mit der gesamten christlichen Initiation“ (vgl. Sacrosanctum Concilium, 71) deutlich machen.

Bevor die Firmlinge die geistliche Salbung empfangen, die die Taufgnade festigt und stärkt, werden sie aufgerufen, die einmal von ihren Eltern und Paten gegebenen Versprechen zu erneuern. Jetzt bekennen sie selbst den Glauben der Kirche, sind bereit, mit „Ich glaube“ auf die Fragen zu antworten, die der Bischof an sie richtet; bereit vor allem, zu glauben „an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der, wie einst den Aposteln am Pfingstfest, so heute euch durch das Sakrament der Firmung in einzigartiger Weise geschenkt wird“ (Die Feier der Firmung, 26).

Da das Kommen des Heiligen Geistes im Gebet gesammelte Herzen erfordert (vgl. Apg 1,14) breitet der Bischof nach dem stillen Gebet der Gemeinde die Hände über die Firmlinge aus und bittet Gott, ihnen seinen Heiligen Geist einzuhauchen. Es gibt nur den einen Geist (vgl. 1 Kor 12,4), doch wenn er zu uns kommt, bringt er reiche Gaben mit: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Geist der Frömmigkeit und Gottesfurcht (vgl. Die Feier der Firmung, 28-29). Wir haben den Abschnitt aus der Bibel gehört, in dem von diesen Gaben die Rede ist, die der Heilige Geist bringt.

Dem Propheten Jesaja zufolge (11,2), sind dies die sieben Kräfte des Geistes, die über den Messias ausgegossen werden, damit er seinen Auftrag erfüllen kann. Auch der heilige Paulus beschreibt die reiche Frucht des Geistes, die „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22) ist. Der eine Geist verteilt die vielfachen Gaben, die die eine Kirche bereichern: er ist der Begründer der Verschiedenheit, doch gleichzeitig der Schöpfer der Einheit. So schenkt der Geist all diese unterschiedlichen Reichtümer, doch gleichzeitig schafft er Eintracht, das heißt die Einheit all dieser geistlichen Reichtümer, die wir Christen haben.

Aufgrund der von den Aposteln bezeugten Tradition wird der Heilige Geist, der die Taufgnade vervollständigt, durch das Auflegen der Hände mitgeteilt (vgl. Apg 8,15-17; 19,5-6; Heb 6,2). Um das Ausgießen des Geistes, der diejenigen erfüllt, die ihn empfangen, besser zum Ausdruck zu bringen, kam zu dieser biblischen Geste sehr früh eine Salbung mit wohlriechendem Öl, dem Chrisam [1] hinzu, die sowohl im Westen als auch im Osten bis heute besteht (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1289).

Öl – das Chrisam – ist eine therapeutische und kosmetische Substanz, die dadurch, dass sie in das Körpergewebe eindringt, Wunden behandelt und den Gliedern Wohlgeruch verleiht; aufgrund dieser Eigenschaften ist es von der biblischen und liturgischen Symbolik übernommen worden, um das Wirken des Heiligen Geistes zum Ausdruck zu bringen, der den Getauften heiligt und durchdringt und ihn mit Charismen ziert. Das Sakrament wird durch die Salbung der Stirn mit Chrisam gespendet, die der Bischof mit dem Auflegen der Hand und durch die Worte vornimmt: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist“ [2]. Der Heilige Geist ist das unsichtbare Geschenk, das gespendet wird, und das Chrisam ist das sichtbare Siegel dafür.

Wenn der Firmling das Zeichen des Kreuzes mit dem wohlriechenden Öl empfängt, empfängt er also ein unauslöschliches geistliches Prägemal, den „Charakter“, das ihn noch vollkommener Christus gleichgestaltet und ihm die Gnade schenkt, Christi Wohlgeruch unter den Menschen zu verbreiten (vgl. 2 Kor 2,15).

Hören wir erneut die Einladung des heiligen Ambrosius an die Neugefirmten: „So erinnere dich daran, daß du die Besiegelung durch den Geist empfangen hast […] und bewahre, was du empfangen hast! Gott Vater hat dich besiegelt, Christus der Herr dich gestärkt und das Pfand des Geistes in dein Herz gegeben“ (De mysteriis 7,42; Katechismus der Katholischen Kirche, 1303). Der Heilige Geist ist ein unverdientes Geschenk, das es dadurch dankbar anzunehmen gilt, dass man für seine unerschöpfliche Wirkkraft Platz schafft. Es ist ein Geschenk, das es sorgfältig zu bewahren und dem es bereitwillig zu folgen gilt, indem man sich wie Wachs von seiner glühenden Liebe formen lässt, um „Jesus Christus in der Welt von heute widerscheinen zu lassen“ (vgl. Gaudete et exsultate, 23).

[1] Hier ein Abschnitt aus dem Segensgebet über das Chrisam: „Deshalb bitten wir dich o Herr: Heilige dieses Öl mit deinem Segen und erfülle es mit der Kraft des Heiligen Geistes durch deinen Sohn Jesus Christus. Von ihm hat der Chrisam den Namen, das duftende Öl, mit dem du Priester, Könige, Propheten und Märtyrer gesalbt hast. […] Mache diesen Chrisam zu einem Zeichen vollendeten Heiles und Lebens. Wasche von ihnen ab die ererbte Verderbnis und mache sie durch die Salbung mit Chrisam zu deinem Tempel, der erfüllt ist vom Duft eines gottgefälligen Lebens“ (Segensgebet Form A).

[2] Die Formulierungen „den Heiligen Geist empfangen“, „die Gabe des Heiligen Geistes“ finden sich in Joh 20,22, Apg 2,38 und 10,45-47.

Ein Sprecher verlas folgenden Gruß des Papstes an die Gäste aus dem deutschen Sprachraum:

Mit Freude heiße ich die Pilger deutscher Sprache willkommen. Der Heilige Geist ist das große Geschenk, das der Herr uns gibt. So ist es wichtig, dass alle Gläubigen das Sakrament der Firmung empfangen, um die Taufgnade in Fülle zu leben und authentische Zeugen Christi in der Welt zu sein. Der Heilige Geist erfülle uns mit seinen reichen Gaben.

Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller