Zollitsch: „Neue Etappe der Evangelisierung“

Würzburg (DT/aho) Eine pilgernde Kirche, die vom Geist erfüllt, zum Dienst an den Menschen bestellt und im Bund mit Gott geeint ist, sieht Erzbischof Robert Zollitsch befähigt, kommende Aufgaben in der Welt zu meistern. Anlässlich der 100-jährigen Gründung der Schönstattbewegung sprach der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in der Würzburger Kolping-Akademie zu dem Thema: „Vision und Aufbruch – Kirche auf dem Weg in die Zukunft“. Zollitsch betonte hierbei insbesondere die Vorbildrolle Marias als „Frau des Aufbruchs“ und den neuen Anstoß durch die Enzyklika „Evangelii gaudium“ von Papst Franziskus, die er mit „innerer Freude und großem Gewinn“ gelesen habe. Eine neue Etappe der Evangelisierung sei angebrochen, meinte Zollitsch und verwies auf die große Bedeutung geistlicher Gemeinschaften, deren Wirken der Kirche ein besonderes Gesicht gäben.

Pater Kentenich, Gründer der Schönstattbewegung, habe hierfür das Bild der Kirche als Fels Petri, der zu wandern beginne, genutzt, so Zollitsch weiter. Die Kirche dürfe sich nicht in der Welt einrichten, sondern müsse stets neu auf die Menschen zugehen, ohne Scheu, sich dabei „Beulen zu holen“. Ihr Ziel sei nicht auf dieser Welt. Daher könne sie das Wagnis eingehen, sich von Verkrustungen zu verabschieden und nach dem Vorbild Marias eine barmherzige, demütig hörende Kirche zu sein. „Gutes Zuhören ist oft besser als gut reden zu können“, sagte Zollitsch. Konzentrierte Macht neige zur Kontrolle, doch eine Autorität, die diene, „schaut zuerst auf die Menschen“. In der päpstlichen Umfrage zu Ehe und Familie und in dem von ihm angestoßenen Dialogprozess sehe er hier einen Anfang, sagte Zollitsch. Doch das Bewusstsein, als Bündnispartner Gottes zu leben, sei unter den Gläubigen noch wenig ausgeprägt. Wie wichtig es jedoch sei, innerlich mit Jesus verbunden zu sein, zeige nicht nur die zentrale Idee der „Communio“ in den Konzilstexten, sondern auch Kentenichs „Liebesbündnis“. Eine Kirche, die sich vom Bund mit Gott getragen weiß, verliere trotz Unkraut nicht den Frieden, sei nicht statischer Fels, sondern ein Bau aus lebendigen Steinen. Er träume von einer „neuen Bündniskultur“ und „neuen Netzwerken“ in der Kirche, die Gläubige untereinander in Austausch bringen sollten, sagte Zollitsch. Eine Kirche der Zukunft sei für alle da, eine „Zivilisation der Liebe“.