Zollitsch: Glaube nichts für Schlafmützen

Vorsitzender sieht nicht Selbstorganisation, sondern Öffnung nach außen als ein „Gebot der Stunde“

Freiburg (DT/KNA) Erzbischof Robert Zollitsch hat die Christen dazu aufgerufen, sich mit dem derzeitigen Zustand der Kirche nicht abzufinden. Engagierten Gläubigen setzten „die Turbulenzen der vergangenen Wochen und Monate“ zu, sagte Zollitsch am Sonntag in Freiburg. „Statt Licht der Welt, lichten sich in unseren Kirchen die Reihen“, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Nicht wenige blickten „eher entgeistert denn begeistert in die Zukunft“. Dennoch gelte es, das Wort Jesu ernst zu nehmen, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Zollitsch verwies auf die „enorme Kraft und Lebendigkeit der christlichen Botschaft“. Der Glaube gebe dem Leben Würze und Strahlkraft: „Unser Glaube baut auf, stiftet Gemeinschaft und ist voller Dynamik.“ Er sei „nichts für Langweiler und Schlafmützen“, unterstrich der Erzbischof. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft sei derzeit zu spüren, was Begeisterung bedeute, so Zollitsch weiter: „Wo jemand für eine Sache Feuer gefangen hat, da springt der Funke über.“ In einer Gemeinschaft gebe es selbstverständlich unterschiedlichste Charaktere, Charismen und Fähigkeiten. Auch ein Fußballteam brauche nicht nur Stürmer oder ausschließlich Verteidiger. Wörtlich sagte der Erzbischof: „Vielleicht müssen wir selbstkritisch sagen, dass wir über Jahre hinweg zu stark nach innen strukturiert und organisiert haben, sodass die Lebendigkeit und Strahlkraft unseres Glaubens eingeschränkt war.“ Nicht die Selbstorganisation, sondern Öffnung nach außen und Werbung für den Glauben seien „ein Gebot der Stunde“. Zollitsch äußerte sich beim Diözesantag der Erzdiözese Freiburg. Dieser stand unter dem Leitwort „Engagiert – präsent – begeistert. Ehrenamt bewegt“.