Zerrissene Bistümer

In Trier und Luxemburg organisieren sich Gläubige in ihrem Widerstand gegen die geplanten Reformen der Bistümer. Eine gemeinsame Lösung konnte bisher nicht gefunden werden. Von Heinrich Wullhorst

Ende November demonstrierten zahlreiche Kritiker in Echternach.
Ende November demonstrierten zahlreiche Kritiker in Echternach. Foto: Winkler

In Trier und Luxemburg organisieren sich Gläubige in ihrem Widerstand gegen die geplanten Reformen der Bistümer. Eine gemeinsame Lösung konnte bisher nicht gefunden werden Von Heinrich Wullhorst

An der Basis wehren sich die Gläubigen gegen die Fusionspläne ihrer Bischöfe inzwischen grenzüberschreitend. Ende November trafen sich zwei Delegationen aus dem Bistum Trier und aus dem benachbarten Erzbistum Luxemburg in Echternach. Verbunden sind sie in ihrem Widerstand gegen die Reformpläne ihrer Bistümer. Wie an anderen Orten glauben die Diözesen auch dort, die Probleme der Kirche mit strukturellen Lösungen angehen zu können. Die Vorgehensweise und die Auswirkungen auf das Leben in den Gemeinden sind in den beiden Bistümern durchaus vergleichbar. Allerdings ist das, was im Bistum Trier zum Teil noch befürchtete Erwartung ist, im Erzbistum auf der anderen Seite der Grenze bereits harte Realität.

Etliche Pfarreien sollen künftig zu sogenannten „XXL-Pfarreien“ fusioniert werden. Aber auch die Verwaltung des Pfarrvermögens will das Bistum Trier künftig anders organisieren. „Es ist beabsichtigt, für jede Pfarrei der Zukunft eine Kirchengemeinde als Körperschaft öffentlichen Rechts zu gründen“, erklärt eine Bistumssprecherin gegenüber der „Tagespost“. Gegen diese Maßnahme richte sich vorrangig der Protest der Gläubigen: „Manche bisher in den Verwaltungsräten Engagierte fürchten, sich nicht mehr für ihre Anliegen oder ,ihre Kirche‘ einsetzen zu können“, erläutert die Bistumssprecherin. Das sei aber von der Bistumsleitung gar nicht beabsichtigt. Es werde vielmehr weiterhin Räte auf der Ebene der Pfarrei geben. Daneben sollen, um die „bisherige kleinteilige, aufwendige Verwaltungsstruktur zu verschlanken und Haupt- wie Ehrenamtliche zu entlasten, künftig Verwaltungsteams, ausgestattet mit Mandat und Budget, Verantwortung vor Ort übernehmen können“.

Derart schwerwiegende Veränderungen treffen die Gläubigen, die sich zum Teil seit Jahrzehnten in ihren Pfarreien engagieren und in Gruppierungen und Verbänden das Gemeindeleben vor Ort prägen, ins Mark. Die Nähe, in der sie Pfarrei bisher wahrgenommen haben, geht verloren. Und genau da setzt der Protest der engagierten Katholiken im Bistum Trier an. Einer von ihnen ist Harald Cronauer: „Für uns als Initiative ,Kirchengemeinde vor Ort‘ ist es absolut unverständlich, wieso nicht die Deutsche Bischofskonferenz allgemeine und für alle Bistümer verwendbare Richtlinien für Strukturreformen beschließt, so dass ein Flickenteppich ausgeschlossen wird“, kritisiert der Rechtsanwalt gegenüber der „Tagespost“. So schaue man nicht auf die vorbildliche Arbeit in anderen Bistümern, sondern sei offenbar vorrangig daran interessiert „als Reformer zu gelten, um damit kirchenpolitische Aufmerksamkeit zu erzielen, ohne auf die berechtigten Belange der Gläubigen vor Ort die notwendige Rücksicht zu nehmen“.

Natürlich wissen die Verantwortlichen der Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ und die Vertreter der luxemburgischen Organisation „SYFEL“ (Syndicat des fabriques d'église de Luxembourg) um die Probleme in den Pfarreien. Auch sie halten Reformen für unerlässlich, um das ehrenamtliche Engagement der Katholiken und das Gemeindeleben vor Ort zu aktivieren. Einig sind sie sich darin, dass die Lösung nicht in der Errichtung „überdimensionierter Machtzentralen“ liegen kann. Mittlerweile unterstützen fast ein Drittel aller Kirchengemeinden des Bistums Trier die Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ und ständig kommen neue dazu. Es fehle, so Cronauer, angesichts erheblicher Proteste mit beispielsweise 1 500 Demonstranten bei einer Großveranstaltung in Trier, an der Bereitschaft des Trierer Bischofs und seines Generalvikars zur Fortsetzung des Dialogs. Das sieht man auf Seiten der Diözese anders. Hier betont die Sprecherin des Bistums, dass die Einbindung der ehrenamtlich Engagierten zu dem synodalen Weg gehöre, den man in Trier gemeinsam gehe. Der Dialog mit den Kritikern, wie der Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“, mit der es vier halbtägige Gespräche gegeben habe, gehöre dazu. „Für das kommende Jahr planen wir wieder Informations- und Dialogveranstaltungen“, heißt es aus dem Bistum.

Ihren Unmut haben die Gruppierungen aus Trier und Luxemburg in einer sogenannten „Echternacher Resolution“ niedergeschrieben. „Trotz intensiver Bemühungen, Gesprächen und fortbestehender Dialogbereitschaft seitens der jeweiligen Initiativen mit dem Erzbistum Luxemburg und dem Bistum Trier war es bislang nicht möglich, gemeinsame Lösungen zu finden“, heißt es dort. Die fundierte Analyse der Reformen und Reformpläne der beiden Bistümer ergebe, dass die Meinung der Christen vor Ort ignoriert werde und gegen fundamentale Werte wie die Subsidiarität oder eine gerechte und demokratische Mitwirkung auf Augenhöhe verstoßen werde.

Das gemeinsame Vorgehen soll den Weg ebnen, juristisch gegen die Reformen der Bistümer vorzugehen. „Die luxemburger Kollegen, bei denen mehrere Juristen und Anwälte im Team sind, haben bereits auf die Möglichkeiten der Anrufung der europäischen Gerichte hingewiesen“, berichtet Cronauer. In der Folge eines solchen Verfahrens könne es passieren, dass das gesamte deutsche Staatskirchenrecht, das ja eine einzigartige Besonderheit in Europa ist, zusammen mit dem deutschen Kirchensteuerrecht auf den Prüfstand komme. „Unter den Juristen der Initiativen besteht Übereinstimmung, dass die Schaffung der XXL-Pfarreien ohne Not und ohne Rechtfertigungsgrund mit dem Pfarreibegriff des Kirchenrechts nicht vereinbar ist“, betont der Rechtsanwalt. Nach ersten Vorgesprächen mit Professoren des Kirchenrechts erschienen darüber hinaus auch die Chancen einer kirchenrechtlichen Klage und mögliche weitere rechtliche Interventionen beim Vatikan sehr erfolgversprechend.

Letztlich müsse sich eine Diözese, die beabsichtige, sich auf 35 Pfarreien herunterzuschrumpfen, die Frage gefallen lassen, warum man für eine so reduzierte Struktur noch ein eigenes Bistum benötige. „Wenn diese Strukturreformen greifen sollen, müssten auch dringend die Bistümer auf eine erheblich geringere Zahl reduziert werden“, kritisiert Harald Cronauer.