Zeitgemäße Apologetik

Scott Hahns griffige Argumentation zur Verteidigung des Glaubens

Seit seiner aufsehenerregenden Konversion 1986 („Unser Weg nach Rom“) finden die Bücher des Professors für biblische Theologie Scott Hahn einen immer größeren Leserkreis in Deutschland. Sein Spezialgebiet, die Apologetik, also die Verteidigung des christlichen Glaubens, gilt hierzulande als eher „trockenes“ Gebiet. Das war übrigens in der christlichen Kirche der ersten 400 Jahre noch völlig anders. Die Apologetik war eine lebenswichtige Kunst für die junge Kirche und eigentlich für jeden Christen. Man stand ständig in der Auseinandersetzung mit Ungläubigen, verschiedenen Religionen und Weltanschauungen. Und auch die Häretiker in den eigenen Reihen forderten die Theologen wie etwa Irenäus von Lyon im zweiten Jahrhundert heraus. Den Apologeten verdanken wir nicht nur die erfolgreiche Evangelisation in den ersten Jahrhunderten, sondern auch viele berühmte Bücher, die Zusammenstellung des biblischen Kanons und der großen Glaubensbekenntnisse im vierten Jahrhundert.

Hierzulande brauchte man die Apologetik in der Monopolsituation der Kirche kaum. Die riesige Mehrheit der Menschen war Mitglied in den Kirchen, die Landesfürsten oder Könige legten die Konfession ihrer Untertanen fest. Ganz anders die Situation in Amerika. Hier wanderten Menschen verschiedenster christlicher Konfessionen ein und schufen sofort eine Konkurrenzsituation; Christen mussten erklären, warum sie lutherisch, calvinistisch, baptistisch, presbyterianisch oder katholisch waren. Ganz zu schweigen von Mitgliedern anderer Religionen oder atheistischer Weltanschauungen. Diese Situation haben wir nun auch im „alten Europa“ im 21. Jahrhundert. Daher lohnt es sich, die Kunst der Apologetik neu zu erlernen. Dazu bietet Hahns mittlerweile achtes Buch in deutscher Übersetzung eine ausgezeichnete Grundlage. Denn man muss nicht nur sein Gefühl, sondern gute Argumente bereithalten, wenn man heute in Alltagsgesprächen dem Gespräch über Religion und Glauben nicht ständig ausweichen will. Wer hier mit seinem „Latein“ aus Religions- oder Firmunterricht hantieren will, kommt schnell ans Ende. Aggressiv bringen unsere Bekannten und Verwandten oder Kollegen ihre Argumente gegen Gott, die Kirche, den Papst oder die vermeintlich rückständige Sexualmoral zur Sprache. Und soll die Welt tatsächlich in sieben Tagen geschaffen worden sein?

Dadurch, dass Scott Hahn als ursprünglich calvinistischer Prediger die evangelische Christenheit in Amerika in all ihrer Vielschichtigkeit gut kennt, kann er Katholiken ausgezeichnete Gründe für die Argumentation mit Evangelischen liefern. Mit einer tiefgründigen Schlagfertigkeit bringt er das Gegenüber in eine Nachdenklichkeit und Offenheit für die eigenen Argumente. Zunächst empfiehlt der Autor, sich auf die jeweilige Sprach- und Lebenswelt des Gegenübers einzustellen. Einen Agnostiker etwa solle man anders behandeln als einen bibelkundigen Evangelikalen oder einen philosophisch Interessierten. So sind die „Gründe für den Glauben“, die Hahn hier vorstellt, sehr konkret. Es geht nach den philosophischen Grundklärungen am Anfang des Buches um die Autorität der Bibel, die Stellung des Papstes, die Wesensmerkmale der Kirche oder die Verehrung Marias und der Heiligen. Das Buch lässt sich für eine ausgezeichnete Katechese der in diesen Bereichen doch recht ungebildeten Katholiken gut nutzen.

Die frühchristlichen Apologeten behandelten im Wesentlichen drei Bereiche. Erstens versuchten sie durch logische Argumente, wissenschaftliche und historische Beweise für die Wahrheit des Glaubens einzutreten. Zweitens verteidigten sie den christlichen Glauben gegen Angriffe von Kritikern verschiedenster anderer Weltanschauungen und drittens setzten sie sich mit entgegengesetzten Glaubensrichtungen in den eigenen Reihen auseinander. Genau dies versucht Scott Hahn in seinen Büchern. Ähnlich wie Papst Benedikt in seinem Jesus-Buch bringt der Autor dabei dem Leser bestimmte Grundlinien der Bibel nahe, die leicht verständlich sind. Es geht hier nicht um die Auslegung einzelner Texte oder Bibelstellen, sondern vielmehr um bestimmte Grundthemen, die sich durch die gesamte Heilige Schrift ziehen und für das Verständnis des Glaubens zentral sind. Der Leser ist bei Hahn nicht gezwungen, die Diskussion von achtheologen zu kennen, sondern bekommt griffige Argumentationsmuster an die Hand.

Eine dieser Grundlinien in Hahns Buch, ist die Beschreibung der Königsherrschaft Gottes beziehungsweise des Menschen. Angefangen von Adam und Eva, denen die (Königs-)Herrschaft über die Erde anvertraut wird, geht der Bogen über den König David bis zu Jesus Christus, dem Sohn Davids und König der Juden, wie über dem Kreuz des Heilands dann steht. Wer diese Linie kennt, kann verstehen, warum der Kirche und damit allen Christen das königliche und priesterliche Amt anvertraut wurde und welche königliche Vollmacht Gott der Kirche durch das Erlösungshandeln Jesu Christi gegeben hat.

Natürlich haben solche Bücher auch ihre Schwächen. Sie liegen vielleicht in der allzu gradlinigen Darlegung der Sachverhalte. So einleuchtend sich vieles liest, so leise beschleicht den Leser das Gefühl, dass es doch nicht so einfach sein kann. Das ist die Crux nahezu jeder Darstellung des Glaubens, die elementar sein will. Was der Autor im Brustton der Überzeugung und eines glücklichen Entdeckers schreibt, ist so neu nicht. Hahn räumt dies am Ende des Buches glücklicherweise auch recht selbstkritisch und humorvoll ein. Das ist befreiend und schafft die Motivation, das Buch auch ein zweites oder drittes Mal zu lesen, um das Gespräch mit unseren Zeitgenossen über die Gründe für den Glauben aufzunehmen, der mehr ist als ein Gefühl.