„Zeichen der Liebe Christi“

Der Würzburger Bischof greift in einem Brief an die Priester die Debatte um den Zölibat auf

München/Würzburg (DT/KAP) Nachdem das Ausscheiden von drei Würzburger Diözesanpriestern in diesem Jahr, die sich für Ehe und Familie entschieden haben, im Bistum für Medienwirbel gesorgt hat, hat sich der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann kürzlich erneut gegen Unwahrheiten im Zusammenhang mit dem jüngsten Fall der Suspendierung des Hammelburger Pfarrers Michael S. gewandt. Die Suspendierung sei nicht aufgrund anonymer Denunziationen erfolgt. Solche Anzeigen würden „weder beachtet noch bearbeitet, sondern vernichtet“. Auch die bei dieser Gelegenheit wiederholte „Stammtischparole“, wonach bis zu drei Priesterkinder aus Kirchensteuermitteln alimentiert würden, sofern sie nur verschwiegen blieben, sei „unverschämt und unwahr“, so Hofmann.

In einem in dieser Woche veröffentlichten Brief des Bischofs an die Priester heißt es: „Mein erstes Ziel als Bischof von Würzburg ist es, den Glauben zu stärken. In der gegenwärtigen Stunde der Kirche von Würzburg drängt es mich, an Sie, liebe Mitbrüder, ein Wort des Dankes, des Trostes und der Ermutigung zu richten. In den vergangenen Wochen und Monaten ist vieles an Verunsicherung spürbar geworden. (...) Die Infragestellung der zölibatären Lebensform geht den Priester ganz existenziell an: Muss er sich bedauern lassen? Ist seine Lebensentscheidung unglaubwürdig? Geht sein Zeugnis ins Leere?“

Die Frage nach dem Zölibat sei „eine Frage nach der Liebe und eine Frage nach Gott“, schreibt Hofmann: „Sie ist eine Frage nach der Liebe: Wenn die römisch-katholische Kirche nach wie vor an der Angemessenheit der zölibatären Lebensform für die Priester festhält, wie das II. Vatikanische Konzil ausdrücklich betont, dann darf das nicht gegen die eheliche Liebe ausgespielt werden. Die eheliche Liebe ist Zeichen der Liebe Christi zu seiner Kirche, letztlich der Liebe Gottes zum Menschen und verwirklicht sich in der Liebe zu einem konkreten „Du“. Die Fruchtbarkeit dieser Liebe ist hineingestellt in die Schöpferliebe Gottes. So wird die Ehe zum Abbild der persönlichen Bejahung des Einzelnen durch Gott und der bleibenden Gegenwart Gottes in seiner Schöpfung durch die fruchtbare Liebe der Eheleute.“

Das Fehlen des menschlichen Du in der Ehe solle durch die ganzheitlich gelebte Gottesbeziehung aufgefangen werden, heißt es in dem Schreiben. Gerade durch ein überzeugendes eheloses Priesterleben werde den Mitmenschen die reale Nähe Gottes deutlich. „Sie erfahren im Priester“, so der Bischof, „dass er nicht nur von und über Gott spricht, sondern in dessen realer Gegenwart wurzelt und aus ihr lebt. Der Priester lebt diese Lebensform nicht nur für sich, sondern für das Volk Gottes.“ Die Verfügbarkeit für Gott sei Grundlage für eine große Einsatzfreiheit in der Gemeinde. Das II. Vatikanische Konzil hat das Tun des Priesters grundlegend als „Dienst an der Einheit“ bezeichnet. Seine Lebensform gibt Zeugnis für diese Offenheit Gottes für die vielen.

Christsein verwirkliche sich in der Lebensentscheidung für Ehe und Familie oder für die Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen“. Letztlich, so der Würzburger Bischof, gehe es hier um die Frage nach Gott und die Frage nach dem, wozu Gott den Einzelnen in seinem Leben berufe.