„Zeichen der Heilsbotschaft“

Theologe: Jesus mahnt zu Offenheit gegenüber Fremden

Eichstätt (DT/KNA) Gastfreundschaft gehört nach den Worten des Eichstätter Theologen Lothar Wehr zu den zentralen Bestandteilen der christlichen Botschaft. Im Wirken Jesu Christi habe die Forderung, Fremde und Flüchtlinge bei sich aufzunehmen, außerordentliches Gewicht, sagte Wehr am Mittwoch in Eichstätt. „Wenn man es nicht tut, stellt man sich gegen Christus und letztlich gegen Gott.“ Dementsprechend sei in den frühen christlichen Gemeinden die Pflicht zur Gastfreundschaft fest verankert gewesen.

Der Neutestamentler äußerte sich bei der Eichstätter Tagung „Flucht, Migration und Tourismus. Brauchen wir eine neue Gastfreundschaftskultur?“ Jesus lenke die Aufmerksamkeit grundsätzlich auf die Notleidenden und Benachteiligten, unterstrich Wehr. Indem er etwa gemeinsam mit Zöllnern und Sündern Mahl halte, erkläre er sie für rein. Gastfreundschaft sei für den Sohn Gottes ein „wichtiges Zeichen der Heilsbotschaft“, sagte der Theologe von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Gastfreundschaft gelte im Neuen Testament allen Menschen und werde mit dem Liebesgebot begründet. Mit Blick auf die gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen ergänzte Wehr: „Christliche Nächstenliebe kann sich nicht auf kurzfristige, spontane Hilfe beschränken, sondern muss den Flüchtlingen dauerhaft beistehen und ihnen eine Zukunft eröffnen.“

An der Tagung im Eichstätter Landratsamt nahmen gut hundert Fachleute teil. Konferenzleiter Harald Pechlaner vom Touristik-Lehrstuhl an der KU sagte, Flucht und Tourismus hätten eine „gemeinsame Wurzel“. Kommerzielle Gastfreundschaft werde als unecht empfunden, wenn sie nicht an Werte gebunden sei. Diese wiederum kämen auch im Umgang einer Gesellschaft mit Migranten und Flüchtlingen zum Ausdruck. Zu Beginn der Konferenz hatte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke auf die vielfältigen Aktivitäten in seiner Diözese für Flüchtlinge verwiesen.