Woelki verzichtet auf Pater Christen

Kölner Erzbischof nimmt Nominierung des Bonner Priesterausbilders für DBK-Arbeitsgruppe zurück. Von Kilian Martin

Kardinal Rainer Maria Woelki verzichtet auf die geplante Mitarbeit durch Pater Romano Christen in einer Arbeitsgruppe des „synodalen Weges“. Wie die Erzdiözese Köln am Montag mitteilte, habe Woelki der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) die Rücknahme der Nominierung mitgeteilt. Der Kardinal habe den Ordensmann demnach bereits vor einigen Wochen als Experten benannt.

Als Grund für den Verzicht auf Christens Mitarbeit gilt ein Vortrag, den der Direktor des Bonner Collegium Albertinum bereits Anfang des Jahres gehalten hatte. Laut dem Anfang des Monats bekannt gewordenen Manuskript hatte Christen dabei unter anderem erklärt, Homosexualität sei nicht angeboren, sondern „die Folge einer psychologischen (Fehl)Entwicklung“. Die Erzdiözese hatte sich später von den Aussagen des Vortrags distanziert, Christen selbst bezeichnete seine Formulierungen als „unzulänglich“. Nach einem persönlichen Gespräch hatte Woelki seinem Mitarbeiter das Vertrauen ausgesprochen. „Wir alle machen Fehler, ich auch, und es ist wichtig, dass ein einzelner Fehler nicht alles andere überschattet. Pater Romano leistet im Collegium Albertinum wertvolle Arbeit, für die ich ihm ausdrücklich gedankt habe“, erklärte der Kardinal am vergangenen Montag. Der Katholikenausschuss in der Stadt Köln hatte daraufhin die Abberufung Christens gefordert. Es sei „nicht vermittelbar, dass jemand, der eine solche Einstellung hat wie Pater Romano, für die Ausbildung von jungen Priestern verantwortlich bleiben kann“, hieß es in einer Stellungnahme.

Medienberichten zufolge hatte Woelki den Priesterausbilder Christen vor einigen Wochen auf eine Liste mit Personalvorschlägen für eine DBK-Arbeitsgruppe gesetzt. Damals habe er noch keine Kenntnis über den vielfach kritisierten Vortrag Christens gehabt, hieß es vom Erzbistum. Die Arbeitsgruppe soll sich laut den Berichten mit Fragen der priesterlichen Lebensform befassen und dient der Vorbereitung des „synodalen Weges“. Diesen Prozess hatte die Bischofskonferenz im Februar bei ihrer Vollversammlung in Lingen beschlossen. Erwartet wird, dass dabei auch über Reformen etwa des Pflichtzölibats diskutiert werden soll. Mit der Rücknahme der Nominierung kritisierte das Erzbistum zugleich Berichte, in denen Christen als „homophob“ bezeichnet wurde. „Pater Romano hat einen Fehler gemacht und er hat sich dafür entschuldigt“, erklärte Generalvikar Markus Hofmann. „Ihn nun als homophob zu verunglimpfen, ist ungerecht und geht über das verständliche Maß an Kritik zu seinem Vortrag weit hinaus.“

Unterdessen hatten Kölner Katholiken am Wochenende erneut ihren Protest gegen Christen zum Ausdruck gebracht. Vor der Pfarrkirche St. Theodor in Köln-Vingst hissten demonstrierende Laien nach dem Sonntagsgottesdienst die Regenbogenflagge der Schwulen- und Lesbenbewegung. Damit wollten die Gläubigen zeigen, „dass wir der Meinung sind, dass Homophobie, Ausgrenzung und Diffamierung homosexueller Menschen, von Lesben, Schwulen und Transgender in unserer Kirche keinen Platz haben“, sagte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Michael Paetzold laut dem Kölner „Express“. Der überregional bekannte Pfarrer der Gemeinde, Franz Meurer, kommentierte den Flaggenaufzug demnach mit den Worten: „Ich bin stolz auf meine Leute!“