Lingen

Woelki: Gott fordert Entscheidung zwischen Heil und Unheil

Entschiedeneres Handeln bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Kirche angemahnt.

Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz
Zweiter Tag bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Foto: Friso Gentsch (dpa)

An die Absolutheit des Anspruchs Gottes an die Menschen hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki erinnert. Vor den deutschen katholischen Bischöfen sagte Woelki am Dienstagmorgen in Lingen in einer Predigt, Gottes Wort sei "ein Wort der Güte, aber es steht nicht zur Wahl. Es richtet einen Anspruch an uns, der uns in die Entscheidung von Heil oder Unheil ruft." Woelki äußerte sich am zweiten Tag der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, die sich unter anderem mit den Themen sexueller Missbrauch in der Kirche sowie Populismus in der Politik befasst.

Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz

Im Kontrast zu Gottes Wort, das Orientierung schafft, steht laut Woelki die weit verbreitete Meinungsmache durch viele Millionen Worte, die täglich "gedruckt, gemailt, gesagt, getwittert und gepostet werden". Kardinal Woelki zitierte den Dichter Gottfried Benn: "Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird es nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort."

Worte schafften Wirklichkeit

Auch falsche Worte schafften eine Wirklichkeit, erklärte der Kardinal. "Aber im Unterschied zum Wort Gottes handelt es sich bei der Wirklichkeit der falschen Worte um Ideologie – oder wie Gottfried Benn es nennt: Propaganda", so Woelki. "Davon ist unsere Welt voll wie lange nicht mehr", fügte er hinzu. Zu den großen Herausforderungen der Gegenwart gehöre es, "in Anbetracht der Vertwitterung komplexer Sachverhalte auf Kurznachrichten-Niveau nicht die Orientierung zu verlieren".

Gottes Wort schenkt Orientierung

Gottes Wort schenke diese Orientierung, so der Kölner Erzbischof. "Es ist ein Wort der Güte, aber es steht nicht zur Wahl. Es richtet einen Anspruch an uns, der uns in die Entscheidung von Heil oder Unheil ruft. Es ist lebendig dieses Wort, aber es richtet auch – wie uns der Apostel später einmal an anderer Stelle erinnert – über die Regungen und Gedanken unseres Herzens (Hebr 4,12)". Die Tage der österlichen Bußzeit laden dazu ein, so Woelki, "uns Gottes Wort wie eine Speise anzueignen, es uns einzuverleiben. Denn so wie wir aus der Speise leben, die wir zu uns nehmen, so sollen wir als Christen in unserem Alltag aus dem Wort Gottes leben. Das bedeutet, dass wir uns immer wieder neu in das Wort Gottes hineinversenken müssen".

KNA / DBK / DT (jobo)

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