Wo die wahre Freude zu finden ist

Im Wortlaut die Ansprache des Heiligen Vaters beim Angelus am 15. Dezember

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute ist der dritte Adventssonntag, der auch der „Gaudete“-Sonntag genannt wird, also der Sonntag der Freude. In der Liturgie erklingt mehrfach die Aufforderung, sich zu freuen, fröhlich zu sein. Warum? Weil der Herr nahe ist. Die Weihnacht ist nahe. Die christliche Botschaft heißt „Evangelium“, also „frohe Botschaft“, eine Verkündigung der Freude für das ganze Volk; die Kirche ist kein Zufluchtsort für traurige Menschen, die Kirche ist das Haus der Freude! Und diejenigen, die traurig sind, finden in ihr die Freude, finden in ihr die wahre Freude!

Doch die Freude des Evangeliums ist nicht irgendeine Freude. Sie gründet in dem Wissen, dass wir von Gott angenommen und geliebt sind. Wie uns heute der Prophet Jesaja in Erinnerung ruft (vgl. 35, 1–6a.8a.10), ist Gott derjenige, der uns erretten kommen wird und vor allem denen Hilfe leistet, deren Herz sich verirrt hat. Dass er zu uns kommt, stärkt uns, macht standfest, verleiht Mut, lässt die Wüste und die Steppe jubeln und blühen, das heißt unser Leben, wenn es verdorrt. Und wann verdorrt unser Leben? Wenn ihm das Wasser des Wortes Gottes und seines Geistes der Liebe fehlt. So groß unsere Grenzen auch sein und so sehr wir uns auch verirrt haben mögen, es ist uns nicht erlaubt, angesichts von Schwierigkeiten sowie unserer eigenen Schwächen zu erschlaffen und wankend zu werden. Im Gegenteil, wir sind aufgefordert, die Hände stark und die Knie fest zu machen, Mut zu haben und uns nicht zu fürchten, weil unser Gott uns immer die Größe seiner Barmherzigkeit zeigt. Er gibt uns die Kraft, um voranzugehen. Er ist immer bei uns, um uns zu helfen, voranzugehen. Er ist ein Gott, der uns gerne hat, der uns liebt und daher bei uns ist, um uns zu helfen, um uns zu stärken und voranzugehen. Habt Mut! Immer voran! Dank Seiner Hilfe können wir immer von vorne anfangen. Wie? Von vorne anfangen? Jemand könnte mir jetzt sagen: „Nein, Pater, ich habe zu viel angestellt... Ich bin ein großer Sünder, eine große Sünderin... Ich kann nicht von vorne anfangen!“ Du irrst Dich! Du kannst von vorne anfangen! Warum? Weil Er Dich erwartet, Er ist Dir nahe, Er liebt Dich, Er ist barmherzig, Er vergibt Dir, Er gibt Dir die Kraft, von vorne anzufangen! Allen! Dann sind wir fähig, die Augen wieder zu öffnen, die Traurigkeit und den Kummer zu überwinden und ein neues Lied anzustimmen. Und diese wahre Freude bleibt auch in der Prüfung, auch im Leid, weil es keine oberflächliche Freude ist, sondern weil sie in das Innerste der Person eindringt, die sich in Gottes Hand gibt und Ihm vertraut. Die christliche Freude gründet – wie die Hoffnung – auf der Treue Gottes, auf der Gewissheit, dass Er seine Versprechen immer hält. Der Prophet ruft diejenigen, die vom Weg abgekommen und verzagt sind, dazu auf, auf die Treue des Herrn zu vertrauen, weil Sein Heil bald in ihr Leben strömen wird. Alle, die Jesus auf ihrem Weg begegnet sind, erfahren in ihrem Herzen eine Ruhe und eine Freude, die nichts und niemand ihnen nehmen kann. Unsere Freude ist Jesus Christus, Seine treue, unerschöpfliche Liebe! Wenn ein Christ traurig wird, bedeutet das daher, dass er sich von Jesus entfernt hat. Doch dann darf man ihn nicht allein lassen! Wir müssen für ihn beten und ihn die Wärme der Gemeinschaft spüren lassen.

Die Jungfrau Maria helfe uns, unseren Schritt nach Bethlehem schneller werden zu lassen, um dem Kind zu begegnen, das für uns geboren wurde, für das Heil und die Freude aller Menschen. Ihr sagt der Engel: „Sei gegrüßt [Freue dich], du Begnadete, der Herr ist mir dir“ (Lk 1,28). Möge sie für uns erwirken, die Freude des Evangeliums in der Familie, bei der Arbeit, in der Gemeinde sowie in allen Bereichen zu leben. Eine tiefe Freude, die aus Staunen und Zärtlichkeit besteht. Die Freude, die eine Mutter empfindet, wenn sie ihr soeben geborenes Kind betrachtet und spürt, dass dies ein Geschenk Gottes ist, ein Wunder, für das man nur danken kann!

Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller