Wo die Botschaft auf fruchtbaren Boden fiel

Die Gemeinschaft von Taizé und und ihren Gründer Frere Roger verbindet eine eigene Geschichte mit Ostdeutschland. Von Bodo Bost

Berlin (DT) Beim ersten Europäischen Taizé-Treffen im wiedervereinigten Berlin werden viele Erinnerungen an die DDR und die Wendezeit wieder wach. Bereits zu DDR Zeiten 1986 gab es im damaligen Ostberlin ein beeindruckendes ostdeutsches Taizé-Treffen, das die Wende drei Jahre später mit vorbereitete. In der Ostberliner Marienkirche und der Hedwigs-Kathedrale kam das damals größte Taizé-Treffen mit Frere Roger im gesamten Ostblock zustande. Im Oktober 1989 trugen von Taizé begeisterte Christen in der Gethsemane-Kirche in Ostberlin bei Gebetsabenden ihren Anteil zur friedlichen politischen Wende bei. Die DDR gehörte mit zu den Hauptwirkungsländern von Taizé im Osteuropa, über die DDR wurden Treffen in der Tschechoslowakei, in Ungarn und in Polen organisiert.

Die ehemalige DDR spielte in der Versöhnungsperspektive der ökumenischen Bewegung von Taizé eine wichtige Rolle, die bislang kaum gewürdigt worden ist. Früher als in anderen osteuropäischen Ländern war die Botschaft von Taizé in der ehemaligen DDR auf fruchtbaren Boden gefallen. Die slawischen Sprachen waren in der Entstehungsgeschichte Taizés nicht so präsent, dagegen waren deutsche Versöhnungspioniere, seitdem die Aktion Sühnezeichen 1961 die große Versöhnungskirche in Taizé gebaut hatte, in dem kleinen Ort in Burgund immer anwesend. Die Aktion Sühnezeichen war damals noch eine gesamtdeutsche Initiative evangelischer Christen, erst seit 1962 entwickelte sich ein eigener DDR-Zweig.

Von 1962 an reisten Brüder und auch Jugendliche von Taizé aus immer wieder in die mittel- und osteuropäischen Länder, um dort unauffällig Menschen zu besuchen, die ihre Heimatländer nicht oder nur sehr begrenzt verlassen konnten. Erster Kontaktmann für Taizé in der DDR war der ehemalige evangelisch-lutherische Landesbischof Johannes Hempel von Sachsen, der sich als ein enger Freund Frere Rogers bereits seit 1974 um einen Besuch Frere Rogers in Dresden bemüht hatte. Sechs Jahre später ließen die damaligen Behörden überraschend die Reise zu. So war Dresden der erste Ort in der DDR, welchen Brüder aus Taizé besuchen konnten, gefolgt von Leipzig und Erfurt an den beiden folgenden Tagen. Mit im Gepäck für Dresden war das Glasfenster, das man heute noch in der Kreuzkirche in Dresden betrachten kann, ebenso eine Kopie der Kreuzikone aus Taizé, welche sich in fünf Teile zerlegen ließ. Von Dresden aus wurde die zerlegbare Kreuzikone in der gesamten damaligen DDR weitergegeben und bereicherte auch die Besuche Frere Rogers in Leipzig und Erfurt, in Schwerin 1981 und Magdeburg 1982. Unvergesslich ist der ökumenische Gebetsgottesdienst mit Roger Schutz in der überfüllten Dresdner Kreuzkirche und anschließend in der katholischen Hofkirche im Juni 1984. Zum letzten Mal weilte Frere Roger 1988 in der DDR, um den ökumenischen Prozess „Frieden in Gerechtigkeit“ voranzubringen.

Das Leitwort von Frere Roger und Taizé, „Kampf und Kontemplation“ miteinander zu verbinden, half vielen Christen in der DDR, aus den Kraftquellen des Glaubens in den harten Auseinandersetzungen des Alltags zu bestehen. Die Taizé-Treffen und halb illegalen Rundbriefe verbreiteten den Geist von Taizé unter Jugendlichen und Erwachsenen. In der atheistisch geprägten Umwelt machte Taizé Mut. Auf diesem Hintergrund ist es auch verständlich, dass beim jetzigen Berliner Taize-Treffen besonders die schwierige religiöse und soziale Lage der Christen in Nordkorea im Zentrum stehen wird. So führt Taizé schon seit Jahren humanitäre Hilfstransporte in dieses heute noch durch den längst überwundenen Ost-West Konflikt getrennte Land durch.

Heute ist Berlin, das in diesem Jahr ja auch den Papst empfangen hat, für viele in Ost und West Symbol für eine Stadt, deren Bevölkerung sich auch in schwierigen Verhältnissen nicht entmutigen lässt. Von diesen schwierigen Verhältnissen werden die Teilnehmer des Berliner Taizé-Treffens in den fünf Tagen sicher auch etwas mitbekommen. In den Berliner Bezirken und im Umland werden die Treffen-Teilnehmer „Orte der Hoffnung“ besuchen, wo sie Menschen begegnen, die versuchen, das Evangelium in den heutigen gesellschaftlichen Herausforderungen glaubwürdig zu leben. Auch Besuche in jüdischen und muslimischen Gotteshäusern sind vorgesehen. Die Gemeinschaft hofft, dass „beim Jugendtreffen in Berlin viele Menschen entdecken, dass es auch in unserer heutigen Gesellschaft möglich ist, Vertrauen zu wagen. Ein Vertrauen, das unser Leben prägen kann und Mut zu einer großen Offenheit macht.“