Wissen, Wissenschaft und Weisheit

Im Dienst akademischer Bildung: Zwanzig Jahre Hochschule Trumau. Von Christine Wiesmüller

Trumau (DT) Das Internationale Theologische Institut (ITI)/ Hochschule Trumau hat kürzlich sein 20-jähriges Bestehen begangen. An den Feierlichkeiten nahmen ITI-Großkanzler Kardinal Christoph Schönborn, Nuntius Peter Zurbriggen sowie Bischöfe aus England, Frankreich, Rumänien und Österreich teil. Dem internationalen Charakter der Hochschule entsprechend, kamen viele Freunde und Förderer aus der ganzen Welt nach Trumau bei Wien. Die mit einem „Ad-fontes-Schwerpunkt“ verbundene Unterrichtsform wurde durch den ersten Rektor der Hochschule, Michael Waldstein, aus den USA mitgebracht und habe sich bis heute bewährt, so der ITI-Großkanzler. Speziell das Studium von Originaltexten sei ein wesentliches Prinzip der Lehrmethode. Die großen Meister der Theologie werden nach der Seminarmethode in kleinen Gruppen gelesen und analysiert. Die etwa 80 Studenten an der Hochschule kommen aus verschiedenen Ländern. Unterrichtssprache ist Englisch.

Offiziell gegründet wurde die Hochschule Trumau am 1. Oktober 1996 auf Initiative des heiligen Papstes Johannes Paul II., der, so Kardinal Schönborn, „immer ein Institut in Österreich wollte“. Rektor Christiaan Alting von Geusau ging in seinen Reden auf die wechselvolle Geschichte des Hauses ein, das 2008 aus der niederösterreichischen Kartause Gaming nach Trumau bei Wien übersiedelte. Alting von Geusau unterstrich, dass das Potenzial der Hochschule noch lange nicht ausgeschöpft sei. Neben einem staatlich anerkannten Theologiestudium liege der Schwerpunkt der Hochschule auf dem Thema „Ehe und Familie“. Der internationale Campus sei ein Ort des Austausches verschiedener Kulturen und gelebter Weltkirche. Gerade in Zeiten tiefer gesellschaftlicher und politischer Krisen gewinne ein ganzheitlicher Bildungsansatz, auf dem die Hochschule aufbaue, immer mehr an Bedeutung. Das Wirken dieser kleinen Hochschule, die durch ihre Absolventen Großes leiste, strahle in die ganze Welt aus. Mit Programmen wie dem bewährten „Studium Generale“ (ein Jahr der Lebensorientierung für Abiturienten), einem zukünftigen „Bachelor of Arts“ und maßgeschneiderten Kursen für Manager und Politiker versuche die Hochschule, den Herausforderungen der Zeit angemessen zu begegnen.

Aber dieses Jubiläum stehe vor allem im Zeichen der Dankbarkeit all den vielen Menschen und treuen Weggefährten gegenüber, die mit ihrer Unterstützung und Großzügigkeit dieses private Bildungsprojekt überhaupt erst ermöglichen. Speziell für diese Freunde und Sponsoren der Hochschule richtete das ITI im neu adaptierten Festsaal ein Abendessen aus. Unter den über hundert Gästen waren auch Altabt Gregor Henckel-Donnersmark, Stift Heiligenkreuz, und Otto Pendl, Abgeordneter zum Nationalrat sowie ehemaliger Bürgermeister von Trumau, beide hatten zusammen mit dem Landeshauptmann von NÖ, Erwin Pröll, wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Hochschule hier ansiedeln konnte. Ein Glanzpunkt stellte die Altarweihe in der fertiggestellten byzantinischen Kapelle des Schlosses dar. Das ITI vereint Ost- und Westkirche, ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt der Hochschule, der, so ein weiteres ITI-Prinzip, eine authentische Erfahrung der universalen Kirche erlaube. Es war ein erklärter Wunsch des heiligen Johannes Paul II., dass die Kirche „mit beiden Lungen atmen soll“.

Am 1. Oktober, dem eigentlichen Gründungstag, nahm Kardinal Schönborn in seiner Predigt Bezug auf die Patronin der Hochschule, Therese von Lisieux. Der Großkanzler verwies auf das „erste Kind“ der Heiligen, auf einen Mörder, für dessen Bekehrung sie gebetet habe. Im Anschluss an das Pontifikalamt zog die gesamte Festgemeinde in Prozession in den neuen Festsaal ein, der feierlich gesegnet wurde. Den Abschluss des Festaktes bildete die Rede des Religionsphilosophen Jörg Splett – „Im Dienst akademischer Bildung“. „Diesen Titel könne man auch als Denkaufgabe formulieren: Wie steht es um das Wesen und das Verhältnis dreier Grundwirklichkeiten von Bildung, erst recht akademischer, der solche Schulen zu dienen haben? Gemeint sind die Bildungsziele Wissen, Wissenschaft und Weisheit“, so Splett. Das eigene Tun und Erleiden lasse sich nicht, wie vielleicht junge Wissenschaftler, jedenfalls Studenten und wohl auch Berufs-Diskutanten zu denken versucht seien, durch „rationalen Diskurs“ ersetzen. Aristoteles habe es als Sache philosophischer Bildung bezeichnet, zu wissen, wo man und wo nicht zu argumentieren, also zu diskutieren und vernünftig zu begründen habe.