„Wir werden Sie als unseren Bischof vermissen“

Bischof Reinhard Lettmann wurde in Münster mit einem Fest-Wochenende verabschiedet

Münster (DT) Er kam als jüngster und geht als dienstältester Diözesanbischof Deutschlands: Mit einem Fest-Wochenende ist Reinhard Lettmann als Oberhirte des Bistums Münster verabschiedet worden. Papst Benedikt XVI. hatte kürzlich den Rücktritt Lettmanns angenommen, der am vergangenen Sonntag 75 Jahre alt wurde und 28 Jahre an der Spitze der drittgrößten deutschen Diözese stand. Die Feierlichkeiten begannen am Samstag mit einer Pontifikalvesper im Dom von Münster, an der hochrangige Vertreter von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie 44 Bischöfe aus dem In- und Ausland teilnahmen.

Ein Kirchenmann mit festen Grundsätzen

Als Metropolit der Kölner Kirchenprovinz, zu der Münster gehört, bescheinigte Joachim Kardinal Meisner dem Jubilar: „Es waren keine Schonstellen, die er innehatte, und die vergangenen 45 Jahre waren auch keine Schonzeiten in der Kirche.“ Oft „schweren Herzens“ habe Bischof Lettmann eine schwere Aufgabe nach der anderen übernehmen müssen; wieviel Sorge, Mühe und Enttäuschung, aber auch Erfüllung damit verbunden gewesen sei, könne nur er selbst ermessen. Ausdrücklich warnte Meisner vor einem „immer und überall gegenwärtigen Murren“ in der Kirche. Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, lobte den Dattelner Bergmannssohn als „menschlich warmen, bodenständigen und kernigen Mitbruder“. In den langen Jahren seines Hirtendienstes sei in der Kirche von Münster vieles gewachsen und aufgebrochen, hob der Freiburger Erzbischof anerkennend hervor. „Dafür steht der Name Reinhard Lettmann, der Name eines Mannes, der sich und seinen Grundsätzen stets treu geblieben ist.“ In der Bischofskonferenz habe Lettmann pointiert Position bezogen und manche Diskussionen mit klaren Worten zum guten und entscheidenden Abschluss geführt, so Zollitsch.

Für das Land Nordrhein-Westfalen dankte dessen Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) Lettmann für seine „Treue zu den Menschen und die Verbundenheit mit dem Land“. „Prinzipienfest und menschenfreundlich“ habe er sich zu Fuß und mit dem Fahrrad zu den Menschen aufgemacht und Gemeinde um Gemeinde besucht. „Auf Westfalen Art – wortarm, im Herzen bei den Menschen“ habe der langjährige Bischof von Münster nicht Beliebigkeit, sondern Freiheit gepredigt. „Sie sind einer der Großen in der langen Reihe der großen Bischöfe von Münster“, versicherte Rüttgers dem scheidenden Bischof. „Wir brauchen Sie auch in Zukunft.“

An die minutiös geplante und vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) live im Fernsehen übertragene Vesper schloss sich ein Empfang im Festsaal des Rathauses an, den Generalvikar Norbert Kleyboldt moderierte. Kleyboldt verlas zu Beginn eine Grußbotschaft des früheren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, der sich ursprünglich ebenfalls für die Abschiedsfeierlichkeiten angesagt hatte. Immer wieder habe Lettmann großzügig Priester und Laien zur Verfügung gestellt, die als große, vorbildliche Führungspersönlichkeiten im Dienst der deutschen Kirche gestanden hätten, so der Mainzer Bischof. Lehmann dankte Lettmann, mit dem er 25 Jahre lang zusammen in der Bischofskonferenz tätig war, vor allem für „seine konkrete Klugheit im Blick auf das kirchliche und seelsorgliche Handeln“, sowie seine Unabhängigkeit und große Standfestigkeit“ nach innen und außen. „Er hat sich nicht dem Zeitgeist gebeugt und ist ihm entgegengetreten, wo es notwendig wurde“, würdigte der langjährige DBK-Vorsitzende seinen Mitbruder.

Mehrere Redner im Rathaus-Festsaal hoben hervor, dass man sich das Bistum Münster ohne Bischof Lettmann an der Spitze eigentlich nicht vorstellen könne. Münsters Oberbürgermeister Berthold Tillmann meinte sogar, mit Lettmanns Abschied gehe nicht nur eine Amszeit zu Ende, sondern eine Ära.

Als „mit praktischer Vernunft begabter Intellektueller“ habe Lettmann Grundsatztreue und Liberalität, Bodenständigkeit und Weltoffenheit, Volksnähe und Intellektualität miteinander vereint. Dadurch sei er zu einem beliebten und populären Oberhirten mit einer ebenso ereignis- wie erfolgreichen Amtszeit geworden. „Sie werden uns als unser Bischof fehlen“, versicherte Tillmann. Für die lange ökumenische Weggemeinschaft dankte der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß. Die Kirchen seien zum gemeinsamen Zeugnis und Handeln verpflichtet, erklärte Buß. „Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren!“ Die Vertreter der Gremien des Bistums erwähnten besonders Lettmanns Einsatz für das geborene und ungeborene Leben, seine ausgeprägte Liebe zum Heiligen Land und sein enges Verhältnis zu Papst Johannes Paul II.

Eine ganz andere Stimmung als bei der hochoffiziellen, nur geladenen Gästen vorbehaltenen Vesper herrschte im Dom von Münster beim großen „Geburtsgottesdienst“ am Sonntag. 3 000 Gläubige drängelten sich in der Kirche und begrüßten ihren scheidenden Oberhirten bereits beim Einzug mit starkem Applaus. Lettmann stellte den Gottesdienst, den er in Konzelebration mit allen münsterischen Weihbischöfen feierte, unter seinen bischöflichenWahlspruch: „Christo tuo venienti occurrentes“ („lass uns deinem kommenden Christus entgegengehen“). „28 Jahre sind wir gemeinsam den Weg der Kirche gegangen“, wandte der Jubilar sich an die vielen Gläubigen im Dom und bedankte sich bei allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern im kirchlichen Dienst. Auch der Bischof sei auf das Glaubenszeugnis seiner Schwestern und Brüder angewiesen. „Vom Glauben der Gemeinde getragen: Das durfte ich in den langen Jahren meines bischöflichen Dienstes erfahren, dafür danke ich allen“, erklärte Lettmann mit bewegter Stimme. „Lasst uns unseren gemeinsamen Weg in Mut und Zuversicht weitergehen, dem kommenden Christus entgegen.“

Amtszeit endet in der Osterwoche

Nach dem Pontifikalamt wurde der Bischof, begleitet vom Beifall der 3 000 Gläubigen, in langer Prozession zum Bischofshaus zurückgeleitet, wo ihm spontan ein Ständchen dargebracht wurde. Beim anschließenden Festakt in der Halle Münsterland erwartete ihn ein buntes Programm mit Überraschungen, Talkrunden und Einspielfilmen. Als Überraschungsgast hielt der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl einen persönlich gehaltenen Festvortrag, in dem er Lettmann bescheinigte, er habe nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil „gelebt und gehandelt“: „Er hat das lebendig interpretiert, was das Konzil unter der Kollegialität der Bischöfe verstand“, lobte Krätzl. „Wir haben noch eine besondere Aufgabe gemeinsam vor uns: Weiterhin Zeugen des Konzils zu sein.“ Mit einer „Standing ovation“ und einem erneuten Ständchen bedankten sich die 2 000 Gäste bei ihrem Bischof, dessen Amtszeit am 28. März, endet.