„Wir sagen Gott Dank für das Geschenk dieses Papstes“

Benedikt würdigt Paul VI. – Im Wortlaut die Ansprache beim Angelus am 3. August 2008

Zunächst sprach der Papst auf deutsch:

Liebe Brüder und Schwestern, ein herzliches „Grüß Gott“ Euch allen!

Es drängt mich vor allen Dingen, ein Wort ganz herzlichen Dankes zu sagen, an erster Stelle Ihnen, lieber Bischof Egger: Sie haben hier dieses Fest des Glaubens möglich gemacht. Sie haben es möglich gemacht, dass ich noch einmal gleichsam in meine Vergangenheit zurückwandern und zugleich in die Zukunft vorauswandern kann; noch einmal im schönen Brixen, diesem Land, wo Kunst und Kultur und die Güte der Menschen sich miteinander verbinden, Urlaub zu verbringen: Herzlichen Dank für alles!

Und natürlich danke ich allen, die mit Ihnen dazu beitragen, dass ich Tage der Ruhe und des Friedens hier verbringen darf: Dank allen, die dieses Fest mitgestaltet haben. Ich möchte den Autoritäten der Stadt, des Landes, der Region, des Staates von Herzen danken für alles, was sie getan haben für die Organisation; den Freiwilligen, die mithelfen, den Ärzten, so vielen, die da nötig waren, besonders auch den Sicherheitskräften, dem Zusammenwirken aller.

Ich habe bestimmt viele vergessen! Ein ganz herzliches „Vergelt's Gott“ allen: Sie sind alle in meinem Gebet. Das ist die Weise allein, wie ich Ihnen danken kann und versuchen kann, „Danke“ zu sagen.

Und natürlich, vor allem danken wir dem gütigen Gott selber, der uns dieses Land geschenkt hat, der uns diesen heutigen strahlenden Sonntag schenkt. Und dabei sind wir eigentlich auch schon bei der Liturgie dieses Tages angelangt. Die erste Lesung erinnert uns daran, dass die größten Dinge dieses unseres Lebens nicht gekauft, nicht bezahlt werden können, sondern dass wir die wichtigsten, elementarsten Dinge des Lebens nur geschenkt bekommen können: Die Sonne und ihr Licht, die Luft, die wir atmen, das Wasser, die Schönheit der Erde, die Liebe, die Freundschaft, das Leben selber.

All diese eigentlichen zentralen Güter können wir nicht kaufen, sondern nur geschenkt bekommen. Und die zweite Lesung fügt dann hinzu, dass das dann auch bedeutet, dass es Dinge gibt, die uns niemand wegnehmen kann, die keine Diktatur, keine zerstörerische Macht uns rauben kann.

Das Geliebtsein von Gott, der in Christus jeden von uns kennt und liebt, kann uns niemand nehmen, und solange wir dies haben, sind wir nicht arm, sondern reich.

Das Evangelium fügt einen dritten Schritt hinzu. Wenn wir so von Gott Beschenkte sind, müssen wir auch selber Schenkende werden: im geistigen Bereich, indem wir Güte, Freundschaft, Liebe geben, aber auch im materiellen Bereich – das Evangelium spricht vom Teilen des Brotes.

Beides soll uns heute in die Seele dringen: dass wir schenkende Menschen sein sollen, weil wir empfangende sind; dass wir die Gabe der Güte und der Liebe und der Freundschaft weitergeben, aber dass wir allen, die unserer bedürfen und denen wir helfen können, auch die materiellen Gaben geben und damit versuchen, die Welt menschlicher – das heißt, gottnäher zu machen.

In italienischer Sprache sagte der Papst vor dem Angelusgebet:

Nun liebe Freunde lade ich Euch dazu ein, gemeinsam mit mir in kindlicher Ergebenheit des Dieners Gottes, Papst Paul VI., zu gedenken, dessen dreißigsten Todestag wir in drei Tagen begehen.

Am Abend des 6. August 1978 ist er gestorben; der Abend des Festes der Verklärung Jesu, Geheimnis des göttlichen Lichts, das immer einen besonderen Reiz auf ihn ausgeübt hat.

Als oberster Hirte der Kirche hat Paul VI. das Volk Gottes zur Betrachtung des Antlitzes Christi, des Erlösers des Menschen und Herrn der Geschichte, angeleitet.

Und gerade die liebevolle Ausrichtung des Geistes und des Herzens auf Christus war einer der Angelpunkte des Zweiten Vatikanischen Konzils, eine Grundhaltung, die mein verehrter Vorgänger Johannes Paul II. übernommen und im großen Jubiläum des Jahres 2000 erneut gefördert hat. Im Zentrum von allem, immer und nur Christus: im Zentrum der Heiligen Schrift und der Tradition, im Herzen der Kirche, der Welt und des ganzen Universums. Die göttliche Vorsehung hat Giovanni Battista Montini im schwierigsten Augenblick des Konzils – als die Intuition des seligen Johannes XXIII. keine Gestalt anzunehmen drohte – vom Bischofssitz in Mailand auf den Bischofssitz in Rom berufen.

Wie sollte man für sein fruchtbares und mutiges pastorales Wirken dem Herrn nicht danken? Während unser Blick auf die Vergangenheit allmählich weiter und bewusster wird, erscheint der Verdienst Pauls VI., der der Konzilsversammlung vorgesessen ist und sie zu einem glücklichen Ende geführt sowie die bewegte nachkonziliäre Phase geleitet hat, immer größer, ja nahezu übermenschlich.

Wir könnten wirklich mit dem Apostel Paulus sagen, dass die Gnade Gottes in ihm „nicht ohne Wirkung geblieben“ ist (vgl. 1 Kor 15, 10): sie hat seine ausgeprägten Geistesgaben und seine leidenschaftliche Liebe zur Kirche und zum Menschen zur Geltung kommen lassen. Während wir Gott für das Geschenk dieses großen Papstes Dank sagen, bemühen wir uns darum, seine Lehren zu beherzigen.

In der letzten Konzilsperiode wollte dann Paul VI. der Muttergottes eine besondere Ehre erweisen und hat sie feierlich als „Mutter der Kirche“ ausgerufen. Zu ihr, der Mutter Christi, der Mutter Kirche, unserer Mutter, beten wir jetzt im Angelus.

Nach den Grüßen in verschiedenen Sprachen verabschiedete sich der Papst von den Pilgern deutscher Sprache mit den Worten:

Am Ende auch noch ein herzlicher Gruß an alle Deutschsprachigen die hier sind! Mein Segen und mein Gebet gilt Euch allen und Euren Lieben! Allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag und eine schöne Woche und eine schöne Ferienzeit, so Gott will! Vergelt's Gott!