„Wir möchten Mädchen helfen, Christinnen zu werden“

Katholische Bildungseinrichtungen (13) – Die Schulen der Zisterzienserinnen von Seligenthal haben in Landshut ein hohes Renommee

In Landshut und darüber hinaus hat der Name „Seligenthal“ einen besonderen Klang. Es ist der Inbegriff einer lebensnahen christlichen Bildung, die in den Einrichtungen der Schulstiftung Seligenthal vermittelt wird. Die Stiftung umfasst eine Grundschule, ein Gymnasium, eine Wirtschaftsschule, eine Fachakademie für Sozialpädagogik, einen Kindergarten und einen Hort. Zunächst aber steht der Name Seligenthal für das Zisterzienserinnenkloster selbst, von dem die Schulstiftung im Jahr 2000 ins Leben gerufen wurde.

Ludmilla von Böhmen, Witwe Ludwigs I. des Kelheimers, des Herzogs von Bayern, hatte das Kloster Seligenthal im Jahr 1232 gestiftet, nachdem Ludwig die Stadt Landshut erst kurz zuvor gegründet hatte. Die Schultradition des Klosters ist demgegenüber vergleichsweise jung. 1782 eröffneten die Zisterzienserinnen eine erste Mädchenschule. Bei aller Geschichtsträchtigkeit geht es ihnen darum, die Tradition jeweils durch persönliche Kontakte lebendig zu machen. Häufig kommt es vor, dass bereits mehrere Generationen der Familie einer Schülerin die altehrwürdige Institution unweit des Stadtzentrums besucht haben. Mit dem Renommee, an dem Generationen von Schwestern mitgewirkt haben, gehen die Zisterzienserinnen sehr sorgsam um. „Die Verbundenheit mit vielen Frauen in der Region ist ein Pfund, mit dem wir auch in Zukunft wuchern möchten“, sagt Schwester Christiane M. Hansen, die junge Direktorin des Gymnasiums.

Intensiv in das Kirchenjahr eingebunden

Den Verantwortlichen ist bewusst: Das von gegenseitigem Vertrauen geprägte Miteinander in einer unübersichtlichen säkularen Welt ist der Humus, auf dem die Vermittlung christlicher Bildung gedeiht. Hinter dem besonderen Geist an den Schulen steht, wie die Direktorin sagt, der Wunsch der Schwestern, „den Mädchen und jungen Frauen zu helfen, Christinnen zu werden“. Sichtbar wird das christliche Grundanliegen an vielen Details: am Kalender im Flur, der monatlich wichtige Passagen aus der Benediktsregel zitiert, an den Besuchen der Äbtissin in den Schulklassen, an den Veranstaltungen zum Paulusjahr, den wöchentlichen Schulgottesdiensten, den Morgenandachten, die die Fünftklässlerinnen gestalten, am Angebot der Beichte vor den Hochfesten sowie am Gebet für die verstorbenen Schülerinnen und Lehrer, um nur einige zu nennen.

Äbtissin Petra Articus sagt: „Wir binden unsere Schülerinnen intensiv ins Kirchenjahr ein.“ Für die Grundschule, eine Konfessionsschule, gilt die Maßgabe, dass die Schülerinnen getauft sind. Seit dem Jahr 2000 trägt eine Schulstiftung alle Bildungseinrichtungen des Klosters. Hier wird den knapp 2 000 Kindern, Jugendlichen und jungen Frauen im Alter zwischen drei und dreißig Jahren Wissen, Erziehung und Bildung vermittelt. Gymnasium und Wirtschaftsschule besuchen Mädchen und junge Frauen, Kindergarten, Grundschule, Fachakademie und Hort sind gemischt. Der Stiftungsrat trifft alle wesentlichen Entscheidungen. Die Äbtissin ist die Vorsitzende des Gremiums und trägt die Bürde der letzten Verantwortung mit einer Mischung aus sorgendem Realismus und freundlicher Heiterkeit. Die Abtei hat das Stiftungskapital zur Verfügung gestellt. Zum Stiftungsrat gehören weitere Mitglieder des Schwesternkonvents, Vertreter von Landkreis und Stadt sowie Angestellte der Schulen. Laut Geschäftsführer Carsten Riegert sichert die gemeinnützige öffentlich-rechtliche Stiftung die Eigenständigkeit der Bildungs- und Betreuungseinrichtungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die staatlichen Zuschüsse decken allein einen Teil der Kosten, die aus dem Personal- und Sachaufwand entstehen. Für das Gymnasium etwa werden 70 bis 80 Prozent der Kosten staatlicherseits refinanziert, den Rest hat die Stiftung aufzubringen. Personalkosten machen den größten „Brocken“ aus, gibt Riegert zu bedenken. Monat für Monat sind hunderttausende Euro auszubezahlen. Zum Lehrerkollegium des Gymnasiums und der Wirtschaftsschule allein gehören 80 Personen.

Die Eltern der Schülerinnen in Gymnasium und Wirtschaftsschule werden um einen festen monatlichen Beitrag in Höhe von 40 Euro gebeten. „Das bewegt sich für die meisten in einem vertretbaren Bereich“, sagt Geschäftsführer Riegert: „Wir wissen aber auch, dass der Betrag für manche Familien eine erhebliche Last bedeutet. Es soll nicht sein, dass jemand wegen des Geldes nicht zu uns kommt.“

Aus sozialen Gründen zahlen ein Viertel der Familien den halben Betrag oder sie sind ganz davon befreit. „Um auch zukünftig das umfassende Angebot halten zu können“, so die Äbtissin, „bemühen wir uns um Fundraising, um Spender, Sponsoren und Zustifter.“ Kürzlich erst ging eine Spende in Höhe von 50 000 Euro ein. „Das Geld dient als Anschubfinanzierung für unseren neuen musischen Bereich, der instrumentale Bereich wird deutlich aufgestockt“, erklärt Riegert. Bereits in der Vergangenheit setzte Seligenthal Maßstäbe in diesem Bereich. Auf einem beachtlichen Niveau singen hier gleich mehrere Schulchöre, es gibt ein großes Orchester und zahlreiche Instrumentalkreise. Auf solchen bisher sehr guten Erfahrungen wird nun der erste musische Zweig an einem Gymnasium in Landshut überhaupt eingerichtet. „Wir werden auch in Zukunft attraktiv bleiben“, sagt Riegert. Die Attraktivität der Schulen im Umfeld des Klosters zeigt sich an weiteren Punkten. „Eine unserer zunächst weniger sichtbaren, aber ganz erheblichen Stärken ist die Tatsache, dass wir wertorientierte Entscheidungen bei uns treffen oder doch sehr deutlich beeinflussen können“, sagt die Äbtissin. Auch praktische, handgreifliche Vorteile in Zusammenhang mit der Klostergemeinschaft sind erst auf den zweiten Blick sichtbar. „Bei uns fallen Stunden nicht aus, denn es gibt immer einen ganzen Pool aus Schwestern, die spontan einspringen, wenn eine Lehrkraft erkrankt ist“, stellt Schwester Christiane fest. Auch dass die Schwestern eine Gebetsgemeinschaft für die jungen Menschen bilden, bleibt unsichtbar. Haben Schülerinnen einmal Schwierigkeiten, wird innerhalb des Konvents am Schwarzen Brett auf die Notwendigkeit des Fürbittgebets diskret aufmerksam gemacht. „Wohl und Wehe, Schicksale, Nöte, Perspektiven und Erfolge unserer Schülerinnen, all das ist natürlich auch Gesprächsstoff für die Rekreation“, sagt die Äbtissin. „Wir haben viele Verbindungen zu unseren ehemaligen Schülerinnen“, fasst Priorin Sr. Seraphina Dietz zusammen, die vor Schwester Christiane das Gymnasium leitete. Die intensiven Verbindungen stehen in Zusammenhang mit der langen Ausbildungszeit, die viele in Seligenthal verbringen, manchmal von der Grundschule bis zur Fachakademie. In Zeiten des Lehrermangels und der Konkurrenz mit den besser bezahlenden staatlichen Schulen finden „Seligenthalerinnen“ immer wieder den Weg ins Lehrerkollegium. Ihr überdurchschnittlich hohes Arbeitsethos und ihr persönliches Eingebundensein sind ein weiterer Baustein für die Qualität der Schulen. Geht es den Schwestern um die Zukunft der ihnen anvertrauten jungen Menschen wie auch um die Zukunft der christlichen Botschaft, so weiß die Politik die Bedeutung des Klosters sehr wohl zu schätzen. Erst kürzlich sagte ein hochrangiger Politiker aus Niederbayern: „Alle unsere Frauen sind aus Seligenthal.“

Vierzehn Schwestern sind noch im Schuldienst tätig

„Seligenthal“ ist ein typisch zisterziensischer Name. Häufig tragen die Klöster Namen, die auf ihre traditionelle Lage im Tal sowie auf einen hoffnungsvollen Aspekt des christlichen Lebens verweisen: Heiligenthal, Lichtenthal, Marienthal – und Seligenthal. Die Abtei liegt in der Diözese Regensburg, nahe der Isar, auf deren südlicher Seite die Erzdiözese München und Freising beginnt. Beide Bistümer, aus denen ja die allermeisten Schülerinnen kommen, unterstützen die Abtei großzügig, etwa bei der aktuellen Generalsanierung der historischen Gebäude. In diesem größten Zisterzienserinnenkonvent nördlich der Alpen leben 54 Schwestern. Davon sind vierzehn Schwestern in den Bildungseinrichtungen im Einsatz, allein fünf am Gymnasium. Im Zuge der Säkularisation war das Kloster 1803 aufgelöst worden. König Ludwig I. von Bayern ließ es bereits 1836 wiedererrichten, 1925 wurde Seligenthal erneut Abtei. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Oberrealschule in ein Gymnasium umgewandelt.

Bis heute unterstreichen die Schwestern, dass die Wertorientierung der Bildungseinrichtungen sehr wichtig, aber nicht alles sei. Auch in profanen Dingen ist Seligenthal traditionell Vorreiter. Es war eines der ersten Gymnasien, das die Kollegstufe einführte, lange bevor dies verpflichtend wurde. Dass die Schulen über eine moderne EDV-Ausstattung verfügen, ist selbstverständlich, kürzlich erst wurde das Zertifizierungssystem „Europäischer Computerführerschein“ eingeführt, das Schülerinnen eine unabhängige und anerkannte Computerqualifikation bescheinigt. „Seit 30 Jahren sind wir ganzheitlich in dem Sinne, dass die Kinder, wenn dies gewünscht wird, ganztags bei uns sein können“, so Schwester Christiane. Auch gibt es zahlreiche Kontakte des Gymnasiums zu den Schulen der Seligenthaler Klostergründungen in Bolivien und Ecuador. Die Verbindungen werden mit der Selbstverständlichkeit gepflegt, mit der man hier überhaupt katholisch ist.