"Wir dürfen Syrien im Elend nicht vergessen"

Nach einem Besuch in den syrischen Städten Homs und Aleppo ruft der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler zur verstärkten Hilfe für die Menschen vor Ort auf.

Syrien - Aleppo
19.01.2018: Syrien, Aleppo: Blick über das zerstörte Viertel Ramouseh im Osten Aleppos. Die Regierung hat ihre ersten organisierten Wiederaufbauprojekte begonnen. Trotz der UN-Forderung nach einer Feuerpause ist ein Ende des Kriegselends in Syrien nicht in Sicht. Hunderttausende ... Foto: Hassan Ammar (AP)

Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler war vergangene Woche gemeinsam mit Caritas-Auslandshilfechef Christoph Schweifer zu einem Lokalaugenschein in Syrien. In den Städten Homs und Aleppo besuchten sie kirchliche Einrichtungen und Hilfsprogramme für die Not leidende Zivilbevölkerung. "Wir dürfen Syrien im Elend nicht vergessen!", rief Glettler am Mittwoch in einem Interview mit der österreichischen Nachrichtenagentur "Kathpress" zur verstärkten Hilfe für die Menschen vor Ort auf. Er sprach von "apokalyptischen Eindrücken" und appellierte an die politisch Verantwortlichen in Österreich, gerade bei den Mitteln für internationale Nothilfe, Aufbauprogramme und Entwicklungszusammenarbeit nicht zu sparen.

Am stärksten präsent seien bei ihm nach wie vor die Bilder von den menschenleeren, komplett ausgebombten und niedergeschossenen Dörfern, sagte der Bischof. In Aleppo und Homs seien zudem ganze Stadtteile nur mehr Trümmerfelder und "geisterhafte Ruinen". Glettler wörtlich: "Diese Bilder sind schwer verdaulich. Aber ich habe auch deutlich Menschen vor Augen, die sich trotz allem und mit einer unglaublichen Leidenschaft für die am stärksten Leidenden einsetzen." Die am Krieg beteiligten und auch davon profitierenden Mächte würden sich allerdings in keiner Weise für die Mehrheit der Bevölkerung interessieren. Eine halbe Million Tote und sieben Millionen Menschen, die Syrien verlassen haben, zählten für diese offenbar nichts.

Er bete für eine "umfassende Versöhnung" in Syrien, so der Bischof weiter. Eine annähernd funktionierende Demokratie werde es in absehbarer Zeit wohl nicht geben. Eine gewisse Stabilität und auch einen gewissen Schutz der Christen vor dem gänzlichen "Aufgebrieben-werden" vielleicht schon. Notgedrungenerweise müssten deshalb viele ihre Resthoffnung auf Präsident Baschar al-Assad setzen, "weil die Gefahr der extremistischen Gruppen auch zu einer tödlichen Bedrohung für das Land wurde". Auch wenn der IS-Terror überwunden scheine, sei der von Saudi-Arabien und Katar geförderte "Feldzug der islamistischen Milizen" immer noch ein reales Schreckensgespenst. Kriegsverbrechen seien freilich von allen Seiten begangen worden.

DT/KAP