Williams unterstützt homosexuelle Bischöfe

Erzbischof von Canterbury verweist auf Tradition des Zölibats

London (DT/KNA) Der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, hat sich erstmals öffentlich für die Weihe homosexueller Bischöfe in der anglikanischen Kirche von England ausgesprochen. In einem Interview der „Times“ (Samstag) sagt Williams, er habe „kein Problem“ mit schwulen Bischöfen, solange sie zölibatär lebten. Dies verlange die Tradition, so der Anglikanerprimas. Bislang habe er in der innerkirchlichen Debatte den konservativen Flügel gegen schwule Bischöfe unterstützt, weil „der Preis für die Kirche zu groß“ gewesen sei, erklärte Williams gegenüber der Zeitung. Das gelte etwa im Fall von Jeffrey John, der wegen einer homosexuellen Beziehung 2003 nicht zum Bischof von Reading ernannt wurde und später von der engeren Auswahlliste für das Bischofsamt in Southwark gestrichen wurde.

Unterdessen meldete die katholische Wochenzeitung „The Catholic Herald“ in ihrer Online-Ausgabe, dass noch in diesem Jahr in Großbritannien ein eigenes Ordinariat für Anglikaner errichtet werden könnte, die in Gemeinschaft mit dem Papst treten wollen, ohne ihre Tradition aufzugeben. Mit der Konstitution „Anglicanorum coetibus“ hatte Papst Benedikt XVI. im November 2009 eine solche Möglichkeit für anglikanische Christen geschaffen. Bischof Andrew Burnham von Ebbsfleet, einer der für konservative Gläubige zuständigen anglikanischen Bischöfe, erklärte laut der Zeitschrift, dass sich kleine Gruppen von etwa 30 Personen, die keine Frauen als Priester akzeptierten, zu einem solchen Ordinariat zusammenschließen können.

Eine Schwierigkeit bestehe allerdings darin, dass Kleriker, die sich ihnen anschließen wollten, ihre Bezüge und ihre Wohnungen verlören. Die neuen Gemeinschaften müssten sich finanziell selbst tragen. Sich einem neuen Ordinariat anzuschließen, sei keine leichte Angelegenheit, schrieb Burnham in einem Pastoralbrief. In einigen Fällen könne aber die Stimmung unter den Laien so enthusiastisch sein, dass ganze Gemeinden zusammen mit ihrem Pfarrer überträten. Allerdings sei nicht jeder in der Lage, ein solches Risiko einzugehen, warnte der Bischof. „Wir alle müssen unsere Verantwortung gegenüber unseren Familien mit der radikalen Forderung des Evangeliums abwägen.“