Wien: Studierende kritisieren Theologen

Antwort-Memorandum: Professoren missverstehen die Verantwortung der Theologie. Von Stephan Baier

Wien (DT) Enttäuscht von dem Theologen-Memorandum „Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch“ zeigen sich Theologiestudenten mehrerer Universitäten des deutschen Sprachraums. In einer von drei jungen Akademikern in Wien ausgehenden Antwort, die in den ersten drei Tagen bereits 43 Unterzeichner fand, werfen die Studierenden den Memorandums-Unterzeichnern „ein Missverstehen der Verantwortung der Theologie“ sowie „suggestive Rhetorik anstatt nüchterner Sachlichkeit und wissenschaftlicher Betrachtung“ vor. Weiter heißt es in der „Antwort von Studierenden und Absolventinnen der katholischen Theologie“ über das Theologen-Memorandum: „Das Kirchenbild, welches das Schreiben zeichnet, lässt uns die Kirche, wie wir sie wahrnehmen und erleben, nicht wiedererkennen.“ Die Sprache des Memorandums sei „wenig differenziert“, die Aussagen pauschal, die Art des Vorgehens befremdend. Die Studierenden werfen den betroffenen Theologen vor, verschiedene inhaltliche Ebenen unakademisch zu vermischen.

Das von zwei Wiener Theologiestudentinnen und einem Absolventen verfasste Antwortschreiben, das im Internet unter memorandumplusfreiheit.wordpress.com Unterzeichner und Kommentare sammelt, hält es für nicht angemessen, „immer wieder bestimmte Forderungen vorzubringen, ohne dass dafür wirklich neue oder tiefere Argumente beigebracht würden, und ohne Berücksichtigung universalkirchlich getroffener Entscheidungen“. Wörtlich heißt es zu den Theologen-Forderungen: „Aus unserer Sicht, aus der Sicht der jungen Generation, sind manche Themen schon längst nach allen Richtungen durchdiskutiert.“ Wahre Reform der Kirche finde statt, wo Menschen von Christus gerufen werden, umkehren und ihm nachfolgen. „Die Kirche ist ja nicht unsere Erfindung, sondern sie ist die Kirche Christi. Die Besinnung darauf haben wir in dem Memorandum vermisst“, so die Studierenden.

Das Theologen-Memorandum sei auch von einer „Einseitigkeit im Freiheitsverständnis“ gekennzeichnet, meinen die Autoren der „Antwort“ mit der Begründung, dass es keine Freiheit ohne Wahrheit gebe: „Freiheit und Wahrheit sind so wesentlich miteinander verbunden, dass bei der Vernachlässigung eines von beiden beide zugrunde gehen.“ Wörtlich heißt es weiter: „Wir finden es erstaunlich, dass einige Professoren, von denen wir als ihre Studenten theologische Orientierung und eigenständiges Theologie-Treiben erwarten, die Lehre der Kirche offenbar als Angriff auf ihre Freiheit empfinden.“ Theologie habe, als „eigene Berufung innerhalb der Kirche“, als auf der Offenbarung gegründete vernunftgemäße Rede von Gott eine Schönheit, einen Auftrag und eine Verantwortung, die es zu erhalten gelte.