Wiederbelebung eines „abgebrochenen Dialogs“

Regensburger Künstler stellen in Rom zur Ehre Papst Benedikts moderne Werke aus. Von Guido Horst

Rom (DT) Es ist, wie es ist, wenn moderne Kunst auf religiöse Themen und Motive des christlichen Glaubens trifft: Eine begehbare Lochkamera, wo in einer kleinen abgedunkelten Kabine durch ein millimeterkleines Loch das auf dem Kopf stehende, leicht unscharfe Bild des Außenraums aufscheint – wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Eine Lithographie mit einer „bloody Mary“, das Kind im Arm – der kleine Jesus? – steckt dem Betrachter die Zunge heraus. Viel Experimentelles wie Schlagmetall auf Leinwand oder heller Auerkalk und immer wieder der Versuch, Christliches wie Engelsflügel oder den Torso eines Gekreuzigten in völlig neue Darstellungsformen zu gießen. Moderne Kunst eben, die der Kirche noch nicht vollends den Rücken zugewandt hat und noch bis zum 15. Mai in der römischen Kirche Santa Maria degli Angeli e dei Martiri zu sehen sein wird.

Das ist der barock ausgestaltete Kirchenbau unweit des Bahnhofs Termini an der Piazza della Repubblica, den das Genie Michelangelos vor 450 Jahren in die gewaltigen Ruinen der Termen des Christenverfolgers Diokletian eingepasst hat. Das Besondere der Ausstellung: Es sind Kunstwerke von dreizehn Künstlern aus der Diözese Regensburg, die die Schau „ihrem“ Papst, dem Regensburger Joseph Ratzinger, zum Geschenk machen wollten: zum 84. Geburtstag, zum sechzigsten Jahrestag der Priesterweihe und zum Abschluss des sechsten Jahrs des Pontifikats Benedikts XVI.

Deshalb waren es der Regensburger Bischof Gerhard Müller und der Präsident des Päpstlichen Kulturrats, Kardinal Gianfranco Ravasi, die die Ausstellung am Dienstagabend eröffnet haben.

Verbindung zwischen Rom und der Heimat

Mit dabei Heinrich Pfeiffer SJ, der Kunsthistoriker, Grabtuch-Forscher und Entdecker des „Volto santo“ in Manoppello, der der Ausstellung den Namen gegeben hatte: „Veritas + Vita = Ars“, zu deutsch „Wahrheit + Leben = Kunst“. Dieser Titel schmückt auch den von Schnell und Steiner sehr informativ und anspruchsvoll gestalteten Ausstellungskatalog.

Ravasi, der auch die Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche leitet, erinnerte sogleich an die Begegnung mit den Künstlern, zu der Benedikt XVI. im November 2009 in die Sixtinische Kapelle eingeladen hatte, wo der Papst den „Weg der Schönheit“ gepriesen hatte, der „gleichzeitig ein künstlerischer, ästhetischer Weg ist und ein Weg des Glaubens, eine theologische Suche“. Die Ausstellung von etwa fünfzig Werken der Regensburger Künstler sei eine Anregung von Bischof Müller gewesen, sie solle die Verbindung zwischen Rom und der Heimatdiözese des bayerischen Papstes stärken und sei eine Art symbolisches Geschenk an Benedikt XVI. Die Beziehung zwischen Kirche und Kunst sei ein „abgebrochener Dialog“ gewesen, so Ravasi. Paul VI. habe ihn mit einer Begegnung mit Kunstschaffenden ebenfalls in der Sixtinischen Kapelle im Jahr 1964 wieder aufnehmen wollen, Johannes Paul II. tat es ihm gleich mit dem „Brief an die Künstler“ von 1999 und schon Kardinal Joseph Ratzinger habe hier stets ein Anliegen gesehen.

In seinen Schriften zur Liturgie habe dieser immer wieder versucht, das „numen“, das göttliche Mysterium, mit dem „lumen“, dem Licht der Schönheit, im christlichen Glauben zu verknüpfen. „Schönheit verwundet, aber gerade so erweckt sie den Menschen zu seiner höchsten Bestimmung“, zitierte Ravasi einen Satz des damaligen Glaubenspräfekten aus dem Jahr 2002.

Und weiter: „Schönheit ist Erkenntnis, ja, eine höhere Art des Erkennens, weil sie den Menschen mit der ganzen Größe der Wahrheit trifft. Das Getroffensein vom Strahl der Schönheit, das den Menschen verwundet, ist das eigentliche Erkennen.“

Für Bischof Müller ist die Ausstellung nicht nur eine Ehrung des Heiligen Vaters, sondern auch eine Anknüpfung an das Zweite Vatikanische Konzil, das in der Konstitution über die Liturgie der Kunst in der Kirche freie Ausübung zugesprochen habe, sofern diese „den Gotteshäusern und den heiligen Riten mit der gebührenden Ehrfurcht und Ehrerbietung dient, so dass sie einstimmen kann in den wunderbaren Chor, den die größten Männer in den vergangenen Jahrhunderten des christlichen Glaubens angestimmt haben“. Die Künstler aber, so zitierte Müller weiter dieses Konzilsdokument, „die angetrieben von ihrer schöpferischen Begabung danach trachten, der Herrlichkeit Gottes in der heiligen Kirche zu dienen, mögen sich alle immerdar bewusst sein, dass es dabei um ein Stück heiliger Nachahmung des Schöpfergottes geht.“

Kunst in dienender Funktion

In dieser dienenden Funktion würden „unsere Künstler“, wie Müller die dreizehn Regensburger Kunstschaffenden nannte, ihre Werke sehen, „durch die sie in die Tradition der zweitausendjährigen Beziehung von Kunst und Kirche eintreten wollen zur Ehre des Allerhöchsten und zur Freude seines Stellvertreters auf Erden“. Acht der dreizehn ausstellenden Künstler, die im Bistum Regensburg aktiv im Raum der Kirche tätig sind, hatten es sich nicht nehmen lassen, bei der Ausstellungseröffnung anwesend zu sein, die Organisation der Schau hatten die Kunstkommission im Bistum Regensburg sowie das dortige Diözesanmuseum übernommen.