Wertvolle Katechesen

Gelungener Beitrag zum „Credo“ aus der Feder des Bamberger Erzbischofs. Von Klaus-Peter Vosen

Das Jahr 2012/2013 zum „Jahr des Glaubens“ zu erklären, war eine großartige Initiative des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Sie war Anstoß zu einer Fülle von Publikationen, die das katholische Credo den Menschen nahebringen und erklären sollten, um sie so für das Leben in dieser Welt zu stärken und für das Geschenk des ewigen Lebens bereit und empfänglich zu machen. Das von Erzbischof Schick aus Fulda im Benno-Verlag publizierte Buch ist ansprechend gestaltet und bebildert, in einer Zweitauflage sollte es allerdings in größeren Drucktypen erscheinen.

Die Lektüre von Erzbischof Schicks „Glaubensermutigung“ ist eine wahre Freude. In kurzen Betrachtungen beleuchtet der Verfasser die zwölf Artikel des Glaubensbekenntnisses, die er in die Großunterteilungen „Vater“, „Sohn“ und „Heiliger Geist“ fasst. Der Fuldaer Erzbischof bringt seine Ausführungen in einer klaren, verständlichen Sprache und ist um Gegenwartsbezug bemüht. Was er vorträgt, ist – wie nicht anders zu erwarten – gesicherte katholische Doktrin. Insofern darf man sein Buch als einen sicheren Leitfaden durch das Credo ansehen. Der bischöfliche Verfasser ist überzeugt: „Wer glaubt, nimmt mehr wahr, versteht tiefer, erfährt mehr Freude, hat mehr Hoffnung und Kraft, spürt die Fülle des Lebens.“ Die Vermittlung eines „lebensdienlichen“, „alltagstauglichen“ Glaubens ist sein ausdrückliches seelsorgliches Anliegen, und die Art, wie er das Glaubensbekenntnis präsentiert, ist in dieser Hinsicht sicher verheißungsvoll. Man wird sein Buch also gerne verbreiten, an junge Menschen verschenken.

Erzbischof Schick ist sich bewusst, dass es für jeden darauf ankommt, sich dem Credo nicht nur interessehalber, sondern mit offenem Herzen zu nähern, das Glaubensbekenntnis nicht nur zu untersuchen, sondern es zu meditieren, schließlich auch ins Gebet zu nehmen und zu leben: „Dem Außenstehenden, dem nur interessierten, aber passiven Beobachter, erschließt sich der Glaube nicht. Das Glaubensbekenntnis verweist auf den Glauben Jesu und ist eine Kurzfassung der Bibel, wie die Kirchenväter sagen. Der christliche Glaube ist Teilhabe am Glauben Jesu. Er wird uns durch sein Leben, seine Botschaft, sein Leiden, Sterben und Auferstehen, wie sie in den Evangelien überliefert sind, nahegebracht. Die Betrachtungen, die ich zu den Artikeln des Glaubensbekenntnisses verfasst habe, möchten einladen, den Glauben Jesu Christi zu entdecken, zu meditieren und zu beten. Das soll zum Leben mit Jesus Christus führen. Je mehr wir mit Jesus leben und wirken, umso tiefer und stärker ist unser Glaube.“

Teilhabe am Glauben Jesu Christi

Vielleicht wäre hier statt vom Glauben Jesu noch glücklicher von seiner Verkündigung oder seiner Vaterbeziehung die Rede, denn seine Kunde vom himmlischen Vater und vom Reich Gottes fußt auf seinem unverwechselbaren Gottesverhältnis. Zwar ist der Sohn Gottes wahrer Mensch geworden, aber er schöpft aus viel mehr als einem bloß menschlichen Glauben: „Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“ (Joh 1, 18). Doch Erzbischof Schicks Hinweis auf die Einübung des Glaubens durch die Weggemeinschaft mit Christus ist in hohem Maße bedeutsam. Früher ließ man den Katechismus auswendig lernen, hat so ein sicheres Glaubenswissen vermittelt, und ein wenig mehr von solcher Glaubensschulung könnte auch heute zum Beispiel der Firmkatechese und anderen kirchlichen Initiativen mit Rückwirkung auf die Jugend guttun. Andererseits ist Glaubensvermittlung mehr als bloße Wissensvermittlung. Sie geschieht durch das alltägliche Verwachsen mit dem lebendigen Herrn. Der Blick auf Christuszeugen, Eltern vielleicht, große Heilige, spielt vielleicht eine wichtige Rolle.

Ein mittlerweile verstorbener Priester pflegte das Ziel der Glaubenseinübung etwa so zu charakterisieren: „Dass ich Sonntags meinen Glauben an einen Gott bekenne, der die Toten aus den Gräbern rufen kann, muss die Woche über an meiner Gelassenheit, Ruhe und Freude, die ich als Christ deswegen in den Bedrängnissen dieser Zeit empfinden und ausstrahlen kann, sichtbar werden.“

Erzbischof Schick hat ein wertvolles Buch vorgelegt, das Zeugnis von seinem Mut gibt, auch das heute nicht Gängige, gar Unpopuläre auszusprechen. An einer Stelle wäre vielleicht noch eine Verdeutlichung gut gewesen. Der Bamberger Oberhirte lehrt klar die Historizität der Auferstehung Jesu, wenn auch der Hinweis auf das leere Grab fehlt. Eine Auseinandersetzung mit der heute verbreiteten Tendenz, Ostern zu spiritualisieren und einen bloß geistigen Vorgang daraus zu machen („Die Sache Jesu ging weiter“) sowie eine ausdrückliche Abweisung einer solch falschen Sichtweise hätte hier eine wachrüttelnde Funktion. Die Sorge, dass der Glaube an zentralen Stellen Einbußen erleiden kann, wenn Irrtümer nicht als solche explizit aufgezeigt werden, ist heute zweifellos begründet.

Ferner ist der Hinweis: „Dass die Konfessionen immer mehr aufeinander zugehen, ist sicher das Gebot der Stunde“ bei Schick ein wenig plakativ. Gut, dass bei dem Bamberger Erzbischof auch „Gebet und Bekehrung, Besinnung auf die Tradition und theologische Gespräche“ als „Grundlagen der ökumenischen Bewegung“ (ebd.) genannt werden, denn die Einheit der Kirche lässt sich nicht durch ein menschlich-joviales Aufeinanderzu in einem bestehende theologische Unterschiede nivellierenden Goodwill-Verfahren herstellen, wie heute sehr viele innerhalb und außerhalb der Kirche glauben. Ökumene ist eine den Christen vom Herrn selbst im 17. Kapitel des Johannesevangeliums gestellte, anspruchsvolle und wohl auch langwierige Aufgabe.

Ludwig Schick: Glaubensfreude. Ermutigungen zum Credo, Benno-Verlag, Leipzig, 133 Seiten, EUR 3,95