Weitere Vorwürfe gegen Kardinal Danneels

Brüssel (DT/KNA) Neue Entwicklungen im belgischen Missbrauchsskandal: Die Justiz soll laut einem Bericht des TV-Senders VTM die Beschlagnahmung kirchlicher Akten von Ende Juni für unrechtmäßig erklärt haben; eine Bestätigung der Brüsseler Justizbehörden war am Wochenende nicht zu erhalten. Sollte sich der Bericht bewahrheiten, müssten die Akten, darunter Zeugenberichte von Missbrauchsopfern, an die Kirche zurückgegeben werden. Justizminister Stefaan De Clerck sprach sich bereits für die Einrichtung einer neuen, innerkirchlichen Untersuchungskommission aus. Das Vorgängergremium war nach der Polizeirazzia, die in belgischen Medien als „Operation Kelch“ bezeichnet wird, aus Protest zurückgetreten. Unterdessen wurden neue Vorwürfe gegen den früheren Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Kardinal Godfried Danneels (77), laut. Die flämischen Zeitungen „Het Niewsblad“ und „De Standaard“ (Samstag) zitierten aus einem Tonbandmitschnitt, den der Neffe des zurückgetretenen Bischofs von Brügge, Roger Vangheluwe (73), veröffentlicht hatte. Demnach habe Danneels den Neffen, der von Vangheluwe als Jugendlicher über lange Zeit missbraucht worden war, in einem vertraulichen Gespräch gebeten, dem Bischof zu verzeihen oder aber zumindest bis zu dessen Pensionierung zu schweigen. Wörtlich heißt es dort: „Vielleicht wäre es besser, dass wir bis zu einem Zeitpunkt im kommenden Jahr warten.“ Die Zeitungen berichten, aus der Aufnahme gehe die Absicht einer Vertuschung zweifellos hervor. Der Kardinal widersprach dieser Darstellung. Danneels' Sprecher Toon Osaer teilte mit, Ziel des strikt privaten Gesprächs im Haus der Familie sei gewesen, die Chancen für eine Versöhnung zwischen Täter und Opfer auszuloten. Als der Neffe den Rücktritt seines Onkels vom Bischofsamt gefordert habe, habe der Kardinal ihm erklärt, dass dies nicht sein Metier sei. Zum Vorwurf, dass Danneels diese Unterredung niemals öffentlich erwähnt habe, sagte der Sprecher, er habe dies als eine strikt familiäre Angelegenheit betrachtet. Zudem habe er die Anonymität des Opfers wahren wollen. Der Kardinal sehe aber ein, dass er das informelle Gespräch hätte ablehnen müssen.