Weitere Proteste gegen Bischofs-Absetzung

Pressburg (DT/KAP) Nach der weiterhin rätselhaften Absetzung des populären Erzbischofs von Trnava, Robert Bezak, durch Papst Benedikt XVI. gehen in der Slowakei weiter die Wogen hoch. Einem Aufruf zum Boykott der Messfeier am Sonntag im Dom von Trnava kamen gut hundert Personen nach. Mit dem Verweilen vor dem Dom während des Hauptgottesdienstes wollten sie der Forderung nach Aufklärung der Absetzung Bezaks Nachdruck verleihen. Der vor einer Woche erfolgten Absetzung des Erzbischofs waren in der Vorwoche Proteste, Gebetsversammlungen und Unterschriftenaktionen gefolgt. Bereits beim Gottesdienst am 5. Juli, dem in der Slowakei als staatlicher Feiertag begangenen Cyrill-und-Method-Fest, hatten im Dom von Trnava die Ministranten gefehlt. Der von Benedikt XVI. eingesetzte Diözesanadministrator, Weihbischof Jan Orosch, der neben der Funktion des Generalvikars auch Bischofsvikar für die Ungarn war, sieht sich unter anderem auch mit Dechanten konfrontiert, die aufgebracht reagiert hatten. Orosch nahm den Amtsverzicht der Dechanten allerdings nicht an. Seine erste personelle Entscheidung galt der Ernennung eines neuen Pressesprechers der Erzdiözese. Dusan Kolencik, bisher Pfarrer in Majcichov in der Nähe von Trnava, folgte auf Lucia Drabikova. Der international renommierte slowakische Tenor Miroslav Dvorsky erntete lang anhaltenden Applaus, als er bei einem „Abend der Menschen guten Willens“ im Amphitheater von Trnava vor tausenden Anwesenden dem abgesetzten Erzbischof ein Lied widmete. Bezak sei ein Mensch, den er sehr schätze und der in der Vergangenheit Mitorganisator dieser Benefizveranstaltung gewesen sei. Am Dienstag um 19 Uhr soll nun auf dem Hauptplatz der Hauptstadt Bratislava ein Solidaritätskonzert mit prominenten Künstlern aus unterschiedlichen musikalischen Bereichen stattfinden. Mit diesem Konzert wollen die Veranstalter den Bürgern die Gelegenheit geben, Robert Bezak zu unterstützen, „der mit seinen Positionen nicht nur Gläubige, sondern auch Atheisten geeint“ habe. Indes hat der Sprecher der Slowakischen Bischofskonferenz, Jozef Kovacik, Forderungen nach Bekanntgabe der Gründe für die Absetzung des Erzbischofs zurückgewiesen. Die Menschen seien „hauptsächlich aufgrund der Medien überzeugt, ein Recht auf alle Informationen zu haben“. Dies sei jedoch „eine irrige Ansicht“, erklärte der Sprecher. Der Papst sei nämlich niemandem Rechenschaft schuldig, und seine wohlüberlegten Entscheidungen seien nicht in Frage zu stellen. Auch kritische Anmerkungen, dass sich weder die Bischofskonferenz als ganze noch einzelne Bischöfe hinter ihren Amtskollegen gestellt hätten, wies Kovacik zurück. Seit der Einsetzung von Bischof Orosch als Apostolischer Administrator seien allfällige Anfragen nur mehr an den Vatikan zu richten, dem die Erzdiözese Trnava bis zur Ernennung eines neuen Erzbischofs direkt unterstellt ist. Große Beachtung hat ein Interview mit dem früheren slowakischen Botschafter in Italien, Sekretär der Kommission der Slowakischen Bischofskonferenz „Iustitia et pax“ und nunmehrigen christdemokratischen Abgeordneten (KDH) zum slowakischen Nationalrat, Jozef Miklosko, gefunden. Die Absetzung Erzbischof Bezaks sei von langer Hand vorbereitet worden und einer Initiative aus den Reihen des hohen Klerus in der Slowakei zu verdanken. In Gesprächen mit slowakischen Bischöfen sei ihm klar geworden, dass diese Robert Bezak „einfach nicht gemocht“ hätten, sagte der Politiker.