Weber: Familienpapier nicht überbewerten

Mülheim (DT/KNA) Das umstrittene Familienpapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sollte nach Ansicht des evangelischen Landesbischofs von Braunschweig, Friedrich Weber, nicht überbewertet werden. Das Dokument sei keine offizielle Stellungnahme der EKD, auch wenn es mitunter als solche wahrgenommen worden sei, sagte Weber am Montagabend in Mülheim. Die im Juni veröffentlichte „Orientierungshilfe“ geht von einem „erweiterten Familienbegriff“ aus. Er umfasst auch Patchwork-Lebensgemeinschaften und homosexuelle Paare. Dies löste eine heftige innerprotestantische Diskussion und deutliche Kritik von anderen Kirchen aus, weil der Wert der Ehe nicht genügend gewürdigt werde. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hatte das Papier auf einer Diskussionsveranstaltung Ende September in Berlin verteidigt und angekündigt, es werde auch auf der EKD-Synode Anfang November in Düsseldorf eine wichtige Rolle spielen. Weber, der bis März Vorsitzender des Arbeitskreises Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) war, bezeichnete die Orientierungshilfe als in weiten Teilen zutreffende Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Realität von Familie. Zugleich warf er jedoch den Autoren eine „mangelhafte exegetische Durchdringung“ des Themas vor. Weber weiter: „Die Ehe zwischen Mann und Frau ist nach wie vor das Leitbild der EKD.“ Ähnlich äußerte sich der katholische Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck. Die Ehe als Bund von Mann und Frau sei in der Bibel zugrunde gelegt und besitze deswegen eine besondere Verbindlichkeit. Dessen ungeachtet sei die Orientierungshilfe „in vielen Abschnitten ein sehr lesenswertes und beachtenswertes Papier“, dessen umstrittene Passagen möglicherweise helfen könnten, Grenzen auszuloten und abzustecken. Weber und Overbeck sprachen bei einer Diskussionsveranstaltung in der „Wolfsburg“, der Katholischen Akademie des Bistums Essen. Titel der Veranstaltung war „Was können wir in der Ökumene noch erreichen?“ Daran nahm auch Bundestagspräsident Norbert Lammert teil.