Was die Pädagogik Gottes lehrt

Der Herr schaut nicht so sehr auf die Eigenschaften der Berufenen, sondern auf ihren Glauben – Im Wortlaut die Ansprache des Papstes beim Angelus am 10. Februar

Liebe Brüder und Schwestern!

In der heutigen Liturgie berichtet das Evangelium nach Lukas über die Berufung der ersten Jünger und folgt dabei einer eigenen Version, die sich von den anderen beiden Synoptikern Matthäus und Markus unterscheidet (vgl. Mt 4,18–22; Mk 1,16–20). Denn der Berufung geht die Lehre Jesu vor der Menschenmenge sowie ein wunderbarer Fischzug voraus, der nach dem Willen des Herrn erfolgte (Lk 5,1–6).

Während sich die Menge am Ufer des Sees Genezareth drängt, um Jesus zu hören, sieht Er Simon, der entmutigt ist, weil sie die ganze Nacht nichts gefangen haben. Zunächst bittet Er ihn, in sein Boot einsteigen zu können, um zu den Menschen zu reden, die in der Nähe am Ufer stehen; dann, nach Seiner Rede, gebietet Er ihm, mit seinen Gefährten hinauszufahren und die Netze auszuwerfen (vgl. V. 5). Simon gehorcht und sie fangen eine unglaubliche Menge an Fischen. Auf diese Weise macht der Evangelist deutlich, wie die ersten Jünger Jesus folgten, indem sie Ihm vertrauten, sich auf Sein Wort verließen, das auch von wunderbaren Zeichen begleitet wurde. Beachten wir, dass sich Simon vor diesem Zeichen mit dem Namen „Meister“ (V. 5) an Jesus wendet, während er ihn anschließend „Herr“ (V. 7) nennt. Es entspricht der Pädagogik der Berufung Gottes, dass Er nicht so sehr auf die Eigenschaften der Erwählten blickt als vielmehr auf ihren Glauben, wie bei Simon, der sagt: „Wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen“ (V. 5).

„In den beiden Fischzügen ist die ganze Kirche dargestellt“

Das Bild des Fischens verweist auf die Sendung der Kirche. Dazu erklärt der heilige Augustinus: „Zweimal haben die Jünger auf das Gebot des Herrn hin zu fischen begonnen: einmal vor seinem Leiden und einmal nach seiner Auferstehung. In den beiden Fischzügen ist die ganze Kirche dargestellt: die Kirche, wie sie jetzt ist, und wie sie nach der Auferstehung der Toten sein wird. Jetzt nimmt sie eine unmöglich zu zählende Menge auf, die die Guten und die Bösen beinhaltet; nach der Auferstehung wird sie nur noch die Guten enthalten“ (Sermones, 248,1).

Die gewiss einzigartige Erfahrung des Petrus ist auch charakteristisch für die Berufung eines jeden Apostels des Evangeliums, der sich niemals entmutigen lassen darf, Christus allen Menschen bis an die äußersten Grenzen der Erde zu verkünden. Auf jeden Fall lässt uns der heutige Text über die Berufung zum Priestertum und zum geweihten Leben nachdenken. Sie ist Werk Gottes. Der Mensch ist nicht der Urheber seiner Berufung, sondern er antwortet auf den Vorschlag Gottes; und die menschliche Schwäche darf nicht ängstlich machen, wenn Gott ruft. Man muss auf Seine Kraft vertrauen, die gerade in unserer Armseligkeit wirkt; man muss immer mehr auf die Macht Seiner Barmherzigkeit vertrauen, die verwandelt und erneuert. Liebe Brüder und Schwestern, dieses Wort Gottes belebe auch in uns und in unseren christlichen Gemeinden den Mut, das Vertrauen und den Elan, das Evangelium zu verkünden und zu bezeugen. Misserfolge und Schwierigkeiten sollten nicht zur Entmutigung führen: Unsere Aufgabe ist es, mit Glauben die Netze auszuwerfen, der Herr besorgt den Rest.

„Unsere Aufgabe ist es, mit Glauben Netze auszuwerfen, der Herr besorgt den Rest“

Vertrauen wir auch auf die Fürsprache der Jungfrau Maria, Königin der Apostel. Auf den Ruf des Herrn hat sie im vollen Bewusstsein ihrer Geringheit mit vollkommenem Vertrauen geantwortet: „Hier bin ich“. Erneuern wir mit ihrem mütterlichen Beistand unsere Bereitschaft, Jesus, dem Meister und Herrn, zu folgen.

Die Pilger aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Papst mit den Worten:

Ganz herzlich grüße ich alle Brüder und Schwestern deutscher Sprache, und mein besonderer Gruß geht von hier aus auch zu allen Kranken und zu jenen, die sich morgen zum Weltkrankentag in Altötting im Gebet versammeln. Den Weltkrankentag begeht die Kirche jedes Jahr am 11. Februar, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau zu Lourdes. In Lourdes zeigte sich die Muttergottes dem armen Mädchen Bernadette Soubirous und wies auf eine Quelle hin, an der viele Kranke geheilt wurden. Maria will den Armen, Kranken und Bedürftigen aller Zeiten nahe sein und mit ihnen den Weg zu Christus, der Quelle des Lebens, gehen. Euch und eure Lieben, besonders die Kranken, empfehle ich der Fürsprache Mariens, Heil der Kranken und Mutter allen Trostes. Gott segne euch alle!

Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller