Warnung vor Propaganda-Effekt

Weißrussische Opposition kritisiert mögliche Audienz für Lukaschenko beim Papst

Minsk (DT/KNA) Die regimekritische Christlich-Demokratische Partei Weißrusslands warnt vor einem Propaganda-Effekt für Staatspräsident Aleksander Lukaschenko durch eine mögliche Papstaudienz. Mit einem Empfang durch Papst Franziskus im Vatikan wolle Lukaschenko sein Ansehen bei den Weißrussen steigern, sagte der Vize-Vorsitzende und ehemalige Präsidentschaftskandidat Wital Rymascheuski der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag in Minsk. Bereits in der Vergangenheit seien ähnliche Begegnungen „immer als internationale Anerkennung Lukaschenkos“ verkauft worden, so der 40-jährige orthodoxe Christ.

Zwar könne eine Audienz von Lukaschenko beim Papst dazu beitragen, Fragen der katholischen Pfarreien in Weißrussland lösen. „Aber gleichzeitig verliert die katholischen Kirche an Autorität bei denen, die für Freiheit und Demokratie in unserem Land und gegen das autoritäre Regime kämpfen“, sagte Rymascheuski, der wenige Monate nach der Präsidentschaftswahl vom Dezember 2010 zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe wegen angeblicher Organisation von Massenunruhen verurteilt worden war.

Lukaschenko will Ende des Jahres als Präsident wiedergewählt werden. Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hatte am Wochenende bei einem Besuch in Minsk gesagt, der Heilige Stuhl sei bereit, Alexander Lukaschenko zu empfangen. Eine Terminanfrage der Minsker Regierung liege allerdings noch nicht vor. Es wäre die zweite Papstaudienz des seit 1994 regierenden Präsidenten. 2009 war Lukaschenko von Papst Benedikt XVI. (2005–2013) empfangen worden. Rymascheuski zeigte sich enttäuscht, dass seit rund 20 Jahren kein Vertreter des Vatikan oder der weißrussischen Bischöfe bereit gewesen sei, sich mit der demokratischen Opposition des Landes zu treffen. Seine Partei, die nicht im Parlament vertreten ist, habe mehrmals erfolglos ein Gespräch über den Schutz von katholischen Gläubigen und Priestern vorgeschlagen, die vom Regime inhaftiert worden seien. Die Familien mehrerer politischer Gefangener in Weißrussland hatten sich 2012 allerdings bei Benedikt XVI. für seine Anteilnahme am Schicksal der Häftlinge bedankt. Die weißrussische Regierung hatte Anfang des Jahres öffentlich katholische Priester für politisches Engagement gerügt. 2011 verhängte die EU ein Einreiseverbot gegen Lukaschenko, weil nach den Präsidentenwahlen 2010 sechs Gegenkandidaten festgenommen wurden und Minsk den Urnengang massiv manipuliert haben soll. Konsequent gemieden wird er jedoch nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Francois Hollande trafen im Februar bei einem Gipfel zur Lösung des Ukraine-Konflikts mit Lukaschenko zusammen.