Vorwürfe „gut begründet“

Bistum Roermond räumt Missbrauch durch früheren Bischof ein

Roermond (DT/KNA) Das niederländische Bistum Roermond hat pädophile Vergehen durch seinen früheren Bischof Joannes Baptist Gijsen (1932–2013) eingeräumt. Vorwürfe, Gijsen habe als Kaplan und Lehrer an einem Priesterseminar zwischen 1958 und 1961 zwei Jungen sexuell missbraucht, seien „gut begründet“, erklärte Bischof Frans Wiertz am Wochenende. Wiertz bedauerte „den Missbrauch und das Leid, das den Opfern zugefügt wurde“. Zudem seien die spätere kirchliche Stellung und Vorbildrolle Gijsens beschädigt.

Das Bistum Roermond antwortete am Freitagabend auf eine Stellungnahme der Beschwerdekommission für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche der Niederlande. Diese hatte die Anschuldigungen gegen Gijsen als plausibel bewertet. Das Bistum erklärte, der amtierende Bischof Wiertz habe die Behörden über die Vorwürfe informiert und den Opfern empfohlen, dies ihrerseits zu tun. Die Missbrauchskommission hatte bereits Ende 2011 Aussagen eines früheren Internatsschülers als glaubwürdig eingestuft, Gijsen habe ihn Ende der 50er Jahre regelmäßig bei intimen Handlungen beobachtet. Gijsen, zu dem Zeitpunkt schon emeritiert, bestritt laut Medienberichten den Vorwurf. Er habe damals den Schlafsaal nicht überwacht. Eine zweite Klage wegen missbräuchlicher sexueller Handlungen war 2011 bereits anhängig. Gijsen war von 1972 bis 1993 Bischof von Roermond. „Aus Gründen der Gesundheit“ nahm Papst Johannes Paul II. 1993 Gijsens Rücktritt in Roermond an. Nach seiner Demission zog sich der Bischof in ein österreichisches Frauenkloster zurück. Im April 1994 ließ er den Vatikan wissen, dass er sich wieder gesund fühle. Er wurde daraufhin 1995 zum Bischof von Reykjavik ernannt und war bis 2007 Bischof in Island, einer der kleinsten Diözesen der Welt.