Von duftend bis köstlich und hochprozentig

Anders shoppen: Rosenkränze, süße Verlockungen und Liköre dokumentieren die Kreativität in spanischen Klöstern. Von Andreas Drouve

Ob Kartäuser, Benediktiner oder Benediktinerinnen – in diversen Klöstern Nordspaniens sind sie unverändert ansässig und haben nicht nur den Glauben an Gott gemein. Manchmal floriert in ihren Klosterläden auch das Geschäft, wie eine Reise zu ausgewählten Stationen zeigt.

Kartäuser leben bekanntermaßen nach strengen Ordensregeln, sie selbst bekommt man bei Besuchen ihrer Kartause am Rand der Jakobswegstadt Burgos nicht zu Gesicht – wohl aber die Produkte der zurückgezogenen Gemeinschaft. Im Klostershop ihrer Cartuja de Miraflores, einem Juwel der späten Gotik, erwartet Besucher ein Unikat unter den Mitbringseln aus nordspanischen Klöstern. Es ist ein Rosenkranz (spanisch: rosario), aber kein gewöhnlicher, sondern ein echtes handgemachtes Kunstwerk, das sogar weniger Gläubige interessieren dürfte.

Um die 3 000 Rosenblätter werden in der Gesamtheit der Perlen eines jeden Rosenkranzes verarbeitet, dessen Kreuz aus sogenanntem Neusilber besteht. Die Rosen, das Basismaterial der Gebetsketten, kultivieren die Kartäuser in ihrer Anlage seit über 200 Jahren selbst. Nach der „Rosenblatt-Lese“ zu Sommerbeginn folgen lange, komplexe Prozesse des Mahlens und Pressens. In festen Formen bekommen die einzelnen Perlen ihre Rundstruktur, ehe sie von den Mönchen – Stück für Stück – fingerfertig mit einer Nadel durchstochen und schließlich aufgereiht werden. Ein solcher Arbeitsablauf erfordert Geduld, Geschicklichkeit, Erfahrung und Zeit. „Es sind viele, viele Stunden, bis ein Rosenkranz fertig ist“, versichert man seitens des Klosters auf Anfrage. Der Preis für den Rosenkranz – gegenwärtig 15 Euro – sei eher „symbolisch“, denn in Arbeitszeit könne man das Ganze nicht aufrechnen. Jeder Rosenkranz wird in einer kleinen Schatulle verkauft. Öffnet man sie, entsteigt dem Innern ein betörender Rosenduft. Je nach Lagerung kann sich der Wohlgeruch über Jahre erhalten. Manch einer hat schon einen Rosenkranz aus Burgos in der Hand gehabt, der nach drei Jahrzehnten immer noch duftete, aber eine Garantie darauf gibt man im Kloster nicht.

Rosenkränze sind nicht die einzigen Produkte im Klostershop der Cartuja de Miraflores. In unterschiedlichen Größen fertigen die Mönche Kerzen aus Bienenwachs, die beim Abbrennen angenehme Düfte abgeben; die Preise sind mit zwei bis drei Euro äußerst moderat. Darüber hinaus stehen – freilich nicht für jedermanns Geschmack – kleine Mönchsfiguren in den Modellen „knieend“ und „stehend“ für fünf Euro pro Stück im Angebot, ferner das „Elixier des langen Lebens“ und zwei Arten an Kräuterlikören. All das Flüssige stammt indes aus dem Mutterhaus des Kartäuserordens in Frankreich, der Grande Chartreuse.

Kräuterlikör „homemade“ in Nordspanien, den gibt es im Klostershop des Monasterio de Leyre in Navarra, wo Benediktiner ihrem „Ora et labora“ folgen und beim „Labora“ die alkoholischen Sphären einbeziehen. Der im Kloster produzierte Likör hat 33 Volumenprozent und beinhaltet Extrakte aus annähernd drei Dutzend Kräutersorten. Die genaue Zusammensetzung ist natürlich geheim!

Benediktiner sind es auch, die im riojanischen Bergkloster Nuestra Senora de Valvanera den exzellenten, um drei Volumenprozent stärkeren Kräuterlikör namens „Valvanera“ erzeugen. Hinein kommen unter anderem Kamille, Zitronenverbene, Minze und Gewürznelken. Am Empfang sind Flaschen und überdies Honiggläser aus der Eigenproduktion vorrätig.

Honig gibt es auch in der Benediktinerabtei von Santo Domingo de Silos im Süden der Provinz Burgos, aber weitaus bekannter sind dort die im Klostershop angebotenen Tonträger mit den gregorianischen Gesängen der Mönche. Zur Auswahl stehen mehrere CD-Titel, darunter „Meisterwerke des gregorianischen Gesangs“, Obras Maestras del Canto Gregoriano.

Allerdings: Was authentische Produkte anbelangt, wird man auf der Reise durch Nordspanien nicht in jedem Kloster mit Einkaufsmöglichkeit fündig! Die Weine aus dem Monasterio de La Oliva, einem traditionellen Zisterzienserkloster im Süden Navarras bei Carcastillo, mögen einen exzellenten Ruf genießen und werden dort auch verkauft – doch dahinter steht heute ein professioneller Betrieb, der den Klosternamen und die Ländereien des Klosters nutzt. Die Mönche selbst keltern nicht mehr, ihre vormalige Käserei haben sie sogar komplett geschlossen. Wenig erfolgreich verläuft auch mein Besuch im Kloster Santa Clara in Santiago de Compostela. Der handgeschriebene Hinweis „Seidentücher – 30 Euro“ macht mich neugierig, doch die Stücke werden, so erfahre ich von einer älteren, brüchigen Stimme hinter der Pforte, ausnahmslos aus China importiert. „Made in China“ – das möchte ich auch bei den Klarissinnen lieber nicht.

Versöhnlich stimmt in Santiago de Compostela das Benediktinerinnenkloster San Pelayo de Antealtares, ein Beispiel dafür, wie sehr noch mit Hingabe Backtraditionen gepflegt werden. Der riesige Klosterkomplex beginnt gleich gegenüber der Ostfassade der Pilgerkathedrale, doch der Zugang zur Verkaufsstelle der hauseigenen Produkte liegt einen Block weiter an der Rückfront zu einer unscheinbaren Gasse hin, der Calle de San Pelayo de Antealtares. Ein Schild? Angeschlagene Öffnungszeiten? Oder gar ein Werbehinweis? Fehlanzeige. Von der Gasse aus betrete ich durch ein Portal eine nüchterne Klostervorhalle und sehe links in der Ecke etwa auf Bauchhöhe ein Gitter mit einem Drehkreuz dahinter und einem Klingelknopf daneben. Wird dieser betätigt, taucht irgendwann – mit Glück – eine der Schwestern hinter dem Drehkreuz auf. Auslagen der Produkte gibt es nicht.

Wer zum Klostershopping hierher kommt, weiß vorab, was er will: Jakobuskuchen (tarta de Santiago) oder Gebäck, teils mit viel Mandeln (almendradas, pastas de té). Das Preisniveau ist durchaus weltlich. Eine kleine Kekspackung kostet fünf, ein 600-Gramm-Jakobuskuchen 10, 50 Euro. Die Verkaufserlöse fließen ausnahmslos ins eigene Kloster. „Bei uns gibt es immer etwas auszubessern, zu renovieren“, klärt mich eine kleine, freundliche Schwester auf. Marta, eine Galicierin aus Santiago, hat vor mir gerade zwei Plätzchenpackungen eingekauft. Warum? „Das mache ich schon seit Jahren“, sagt sie. „Das Gebäck ist immer lecker, immer frisch – und außerdem ein nettes Mitbringsel.“