Von Berufung zu Mission

Die Worte Berufung und Mission sind eng miteinander verbunden. Wo es bei dem Einen noch um das Erkennen eines Weges im eigenen Leben geht, beginnen wir bei dem Anderen schon aktiv diesen Weg zu gehen.

Mission und Berufung
Bei aller Umstrukturierung darf nicht die Feier der Heiligen Messe und die wahre Katechese vergessen werden. Foto: KNA

Die Worte Berufung und Mission sind eng miteinander verbunden. Wo es bei dem Einen noch um das Erkennen eines Weges im eigenen Leben geht, beginnen wir bei dem Anderen schon aktiv diesen Weg zu gehen. In beiden Fällen ergeht an uns ein Auftrag: Im Gebet unsere Ohren zu spitzen, Gottes Ruf zu hören, ihn zu erkennen und schließlich uns von ihm senden zu lassen. Mein Erzbistum Hamburg hat im Zuge seines Erneuerungsprozesses einen schönen Leitfaden gewählt: „Herr, erneuere deine Kirche und fange bei MIR an.“

Es muss zuerst eine persönliche Erneuerung stattgefunden haben, bevor das Umfeld durch mich erneuert werden kann. Die allseits bekannten Ausreden „Die Kirche muss sich anpassen und zeitgemäßer werden“ oder „Was kann ich schon verändern, ich bin doch sowieso nur ein einsamer Katholik“ bringen nichts, denn wie kann das Feuer der Begeisterung überspringen, wenn wir selbst unverantwortliche und bequeme Kirchengänger bleiben. Wenn wir als lebendige Steine Kirche sind (vgl. 1 Petr 2,5), dann tragen wir auch offensichtlich eine Verantwortung, am Wohl dieser Kirche mitzuwirken. Erst im Bewusstsein dieser Verantwortung wächst dann eine Freude miterneuern zu dürfen.

Dabei geht es aber nicht um eine oberflächliche „Innovation“ im Sinne der liberalen Modernisten wie die „Maria 2.0– Bewegung“ oder Ähnliche, sondern es geht um eine tiefe Erneuerung im Glauben, die, angetrieben vom Heiligen Geist, aus dem ganzem Leben Jesu schöpft, nämlich „Reich-Gottes-Gesandte“ zu sein. Wir sind keine Kirche des „Zeitgeistes“, wie es die reformierten Kirchen versuchen zu sein, sondern wir sind die Kirche des „Heiligen Geistes“, der nicht weniger umtriebig uns Tag für Tag erneuern will. Da dieser Heilige Geist eines Wesens mit dem Vater und Sohn ist, dürfen wir gewiss sein, dass die „Erneuerung im Heiligen Geist“ auf Einheit und Zusammenhalt beruht und immer die Mission fortführen wird, die Jesus mit seinem Wirken in der Welt schon begonnen hat. Er, der den Heiligen Geist schon seit seiner Empfängnis in Fülle besitzt, wird für die ganze Menschheit Quell dieses Geistes sein, in den wir in der Taufe, wie Jesus, eintauchen. (vgl. KKK 537)

So ergibt sich ein weiterer Auftrag – besonders an alle Priester gerichtet: Der Auftrag an die Kirche, als Institution, Hüterin des Heiligen zu sein. Das bedeutet, dass sie das Wesen des Sakramentes stets lebendig bewahren muss, damit wir weiterhin aus der „Quelle des ewigen Lebens“ schöpfen können. Das bedeutet für mich ganz konkret, dass bei aller Umstrukturierung nicht die Feier der Heiligen Messe und die wahre Katechese vergessen werden darf. Schwimmen die Verantwortlichen der Kirche selbst nur noch in den Gewässern des Strukturdenkens und predigen über Modernismus, Geld-Sparen und Anpassung, werden sie darin kläglich ertrinken.

Der Autor, 25, arbeitet als Klavierbauer in Hamburg