Vom Reiz, Religionslehrer zu werden

Kein Schmalspurstudium: Der Bachelor-Studiengang „Schulische Religionspädagogik“ an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB)

Das Schulfach Religion bietet in Berlin seit Monaten Diskussionsstoff. Gewissermaßen als Reaktion auf diese sich anbahnende Entwicklung hat die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) einen neuen Studiengang eingerichtet: Seit dem Wintersemester 2008/09 können Studenten das Fach „Schulische Religionspädagogik“ belegen und abschließend den „Bachelor of Arts“ erwerben. Absolventen werden damit qualifiziert, in den Jahrgangsstufen 1 bis 10, das heißt in der Primar- und Sekundarstufe I, das Fach katholische Religion zu unterrichten. Angesichts der gegenwärtigen Berliner Verhältnisse, wonach der Religionsunterricht nur außerhalb des Lehrplans in Eigenregie der Kirchen erfolgen kann, ermöglicht der neue Studiengang eine Doppelqualifikation. So kann er durch ergänzende Studien von acht Modulen zum Abschluss „Bachelor of Arts Bildung und Erziehung“ führen und damit zusätzliche Berufsperspektiven im Bereich frühkindliche Erziehung und Bildung eröffnen. Stefan Reinders, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschulleitung für Projektentwicklung, sieht neben dieser rein praktischen Erwägung auch inhaltliche Gründe für das Angebot zu einer zweifachen Qualifizierung: „Die Lehrer müssen sich nicht nur mit fachspezifischen Inhalten, sondern auch mit pädagogischen Fragestellungen auseinandersetzen.“ Ansprechen soll der Studiengang allerdings insbesondere Lehrerinnen und Lehrer, die die Lehrbefähigung katholischer Religionsunterricht als dritte Fakultas erwerben und diese Qualifikation mit dem Erwerb einer überschaubaren Anzahl von Credits – der erforderliche Umfang umfasst 180 solcher Punkte – erreichen möchten. Nicht zuletzt ist der Studiengang aufgrund der kompakten Form der Lehrmodule gerade für Personen interessant, die einer beruflichen oder anderen Tätigkeit nachgehen.

Was ist nun das besondere am neuen Bachelor-Studiengang Schulische Religionspädagogik? Die Studenten sollen sich zum einen den christlichen Glauben theologisch, das heißt wissenschaftlich erschließen und begründen. Zum anderen sollen Fragen des Religionsunterrichts erziehungswissenschaftlich und bildungstheoretisch reflektiert werden. So macht die enge Verknüpfung von theologischen und bildungswissenschaftlichen Inhalten den Reiz der neuen Disziplin aus und grenzt diese dadurch zugleich von einem rein theologisch oder pädagogisch ausgerichteten Studium ab. Möglichen Befürchtungen, dass diese doppelte Ausrichtung auf Kosten des Inhalts gehen und zu einem „Schmalspurstudium“ führen könnte, begegnet Reinders so: „Der Studiengang Schulische Religionspädagogik bildet nur in einem Lehrfach aus und besitzt daher exakt denselben Umfang wie ein sonstiges Lehramtsstudium, das auf zwei Fächer ausgelegt ist.“ Dass die doppelte Ausrichtung auch zum Tragen kommt, dafür sorgt ein ausgewogenes Verhältnis der Dozenten aus den Bereichen Hochschullehre und Pädagogische Praxis. Attraktiv ist ebenso die Vernetzung der Studieninhalte durch Fall- sowie schulbezogene Feldstudien mit Forschungs- und Praxisbezug, ebenso die innovativen Lern-, Lehr- und Prüfungsformen.

Die im Jahr 1991 gegründete Katholische Hochschule bekennt sich zum expliziten Bildungsauftrag der katholischen Kirche und möchte mit dem neuen Studiengang dieses prägende Profil nachhaltig stärken. Als staatlich anerkannte Fachhochschule für Sozialwesen in Trägerschaft des Erzbistums Berlin sieht sie sich für das Experiment eines neuen Studienfachs, das nach den ersten Erfahrungen evaluiert werden soll, bestens gerüstet. Schließlich vertraut sie auf ihre langjährige Expertise in der Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Pädagogik, Soziale Arbeit sowie Theologie und Ethik. Der Bestand der wissenschaftlichen Diözesanbibliothek der ehemaligen theologisch-pädagogischen Akademie wurde in die hochschuleigene Bibliothek überführt und macht diese damit zu einem soliden Instrumentarium für die Studenten.

Grundsätzlich steht die Katholische Hochschule Studienbewerbern aller Weltanschauungen offen. Man muss also nicht katholisch sein, um ein Studium aufnehmen zu können – eine Konstellation, die nach Angaben von Reinders im Einzelfall auch im Fach Schulische Religionspädagogik anzutreffen ist. Ernst wird es erst im Berufsleben: Wer Lehrer für katholische Religion sein und von der Kirche durch die missio canonica beauftragt werden möchte, muss natürlich Mitglied der katholischen Kirche sein.

Für die Aufnahme eines Studiums an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin sprechen sicherlich die hervorragenden Studienbedingungen, mit denen in Zeiten der Massenuniversitäten nicht alle Hochschulen konkurrieren können. Eine persönliche Atmosphäre innerhalb des überschaubaren Studienbetriebs von derzeit etwa 1 100 Studenten, der Campus auf dem Gelände des ehemaligen St. Antonius-Krankenhauses im grünen Stadtteil Karlshorst, eine technisch-medial gute Ausstattung – das ist fast mehr, als junge Leute heute zu Beginn ihres Studiums erwarten können.