Voderholzer warnt vor Fehlschlüssen

Regensburg (DT/KNA) Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat in der Debatte um Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal vor falschen Schlüssen gewarnt. Am Sonntag wies Voderholzer im Regensburger Dom den Rat zurück, die Kirche müsse sich „neu erfinden“. Das könne sie gar nicht, weil sie keine Erfindung der Menschen, sondern das „Projekt Gottes“ sei. Stattdessen müssten die Glieder der Kirche sich immer wieder neu bekehren. Vom ersten Tag ihrer Existenz gebe es Versagen und Sünde in der Kirche, auch „ein Missverhältnis zwischen hoher Berufung und persönlicher Erbärmlichkeit“, fügte der Bischof hinzu. Es sei unstrittig, dass die Kirche auf manchen Feldern neue Wege gehen müsse. Die Rede von einem „Neustart“ oder auch von einer „Zeitenwende“ sei jedoch gefährlich. Sie drohe nicht nur die Kontinuität der Kirche mit ihrem apostolischen Ursprung zu verdunkeln. Diese Rede sei nur menschlich-organisatorisch gedacht und könne zu Frustration und Enttäuschung führen, bis hin zu Unfrieden und Spaltung. Nachdrücklich kritisierte Voderholzer den im Zusammenhang mit Missbrauch erhobenen Generalverdacht gegen Priester. Dieser widerspreche nicht nur dem gesunden Menschenverstand, sondern auch allen Rechtsgrundsätzen, „wonach für jeden Menschen bis zum Erweis der Schuld die Unschuldsvermutung gilt“. Wer einen Generalverdacht erhebe, wolle den Missbrauch letztlich ohne Rücksicht auf Betroffene und Verdächtigte instrumentalisieren, „um endlich das lange gehegte Vorhaben der Konstruktion einer anderen Kirche zu verfolgen“. Priester und andere hätten in den vergangenen Jahrzehnten schwere Schuld auf sich geladen, sagte der Bischof. „Dem müssen wir uns stellen. Aber die überwältigende Mehrheit der Priester hat ihre Arbeit gut gemacht und macht die Arbeit gut.“ Positive Entwicklungen wie gewachsene Sensibilität und die Aufarbeitung etwa bei den Regensburger Domspatzen sowie „die offenkundig wirksame, freilich immer noch zu verbessernde Prävention“ sollten nicht schlechtgeredet werden. Notwendig seien nicht neue Strukturen und eine von Menschen neu erfundene Kirche, sondern Heiligkeit und echte Zeugenschaft.