Vertrauen zurückgewinnen

Erzbischof Thissen: Kirche muss für Transparenz sorgen

Hamburg (DT/KNA) Die Kirche kann nach Worten des Hamburger Erzbischofs Werner Thissen verlorenes Vertrauen nur durch völlige Transparenz zurückgewinnen. „Da gibt es nur einen Weg: die Offenlegung ihrer Finanzen“, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag in Hamburg. Auf die Ereignisse im Bistum Limburg hin hätten einige Diözesen sofort damit angefangen, was aber durch unterschiedliche Rechnungsmethoden der Diözesen teils zu Missverständnissen geführt habe. „Aber ich bin sicher, dass alle Bistümer den Weg der Transparenz gehen und dadurch Vertrauen wiederhergestellt wird. Wir haben da nichts zu verbergen“, so Thissen.

Der Erzbischof sagte, dass die Diskussionen um die Ereignisse im Bistum Limburg ihn schmerzten. „Es tut schon weh, wenn wir in der Öffentlichkeit so vorgeführt werden, und wir sind zum Teil auch selbst schuld“, sagte Thissen. „Wir hätten die Offenlegung der Finanzen längst betreiben müssen.“ Als erste Diözese habe das Erzbistum Hamburg vor zehn Jahren einen Geschäftsbericht veröffentlicht. Doch zeige sich jetzt, dass das nicht genug für das Interesse der Öffentlichkeit sei. „Deshalb legen wir alles offen“, erklärte der Theologe, der am 3. Dezember 75 Jahre alt wird und damit die für katholische Bischöfe vorgeschriebene Altersgrenze erreicht.

Insgesamt zeige die Heftigkeit der Debatte auch, dass die Kirchen „zur Zeit nicht die Menschenmengen bewegen können, wie das mal war“, sagte Thissen. „Auch da halte ich mich an Papst Franziskus, der sagt, Kommunikation ist wichtig.“ Dies sei „ein mühsamer Prozess, aber er bringt uns einander näher und stärkt das Wir-Gefühl in der Kirche“. Weiter sagte Thissen, der in der Deutschen Bischofskonferenz für das Entwicklungshilfswerk Misereor zuständig ist, er beobachte in Deutschland einen Bewusstseinswandel mit Blick auf Menschenrechtsverletzungen. „Nehmen Sie die rege Debatte um die Arbeitsbedingungen in ausländischen Fabriken, wo Waren für den deutschen Markt produziert werden: Da kommt eine immer stärkere Sensibilität, ob hier menschenwürdige Bedingungen herrschen.“ Dennoch seien heute „für manche Zeitgenossen die Hungernden in Afrika weit weg“.