Vatikanstadt

Vatikan verurteilt Gender-Theorie

"Als Mann und Frau schuf er sie": Die vatikanisch Bildungskongregation ruft dazu auf, das christliche Menschenbild offensiv zu propagieren. Dabei findet die Kirche auch positive Seiten an der Gender-Theorie.

Adam und Eva von Lucas Cranach dem Älteren
Die göttliche Schöpfung des Menschen als Mann und Frau ist für den Vatikan unantastbar. Foto: Federico Gambarini (dpa)

Mit dem jüngsten Schreiben aus Rom verfügt die katholische Kirche nun über ein Dokument, das der Gender-Ideologie ganz offiziell einen Riegel vorschiebt. Die Bildungskongregation des Vatikans hat am Pfingstmontag ein dreißigseitiges Schreiben herausgegeben, das sich an die Ortskirchen, vor allem aber an die katholischen Lehrenden und Erziehenden an kirchlichen wie staatlichen Bildungseinrichtungen wendet und den Titel trägt: „Als Mann und Frau schuf er sie. Für einen Weg des Dialogs über die Genderfrage in der Bildung“.

Das Schreiben spricht von einem „wahren und wirklichen Bildungsnotstand“, was Themen wie Affektivität und Geschlechtlichkeit angeht. Und es geht dabei in der Einleitung von einem Satz von Papst Franziskus in „Amoris laetitia“ aus: Die Bildungsmission der Kirche stehe vor der Herausforderung einer Ideologie, die „den Unterschied und die natürliche Aufeinander-Verwiesenheit von Mann und Frau leugnet. Sie stellt eine Gesellschaft ohne Geschlechterdifferenz in Aussicht und höhlt die anthropologische Grundlage der Familie aus.“

Keine Ideologie, aber Forschung

Das Dokument unterscheidet zwischen der Gender-Ideologie, die sich wie – ein Ausdruck von Franziskus – ein „einheitliches Denken“ aufdränge und auch die Erziehung der Kinder unter Kontrolle bringen wolle, und einer Gender-Forschung, die sich mit dem Verhältnis zwischen den Geschlechtern in den unterschiedlichen Kulturen befasse. Der Ideologie gelte es das christliche Menschenbild entgegenzuhalten, mit der unideologischen Gender-Forschung hingegen solle man das Gespräch suchen.

Darum widmet sich das erste Kapitel des Schreibens dem Thema „Hören". Bei allen negativen Auswirkungen von Gender, etwa was die Vorstellung angeht, der Einzelne könne unabhängig von seiner Natur als Mann oder Frau sein eigenes Geschlecht wählen, gebe es auch positive Berührungspunkte mit der sich seit dem zwanzigsten Jahrhundert entwickelnden Gender-Forschung: die gleiche Würde von Mann und Frau, der Respekt vor jeder Person, die Wertschätzung der fraulichen Werte und der Mutterschaft.

Das zweite Kapitel „Nachdenken“ ruft dazu auf, sich mit den philosophischen, anthropologischen und auch biologischen Grundlagen der Geschlechteridentität als Mann oder Frau zu befassen. Im Falle einer geschlechtlichen Unbestimmtheit einer jungen Person sei es nicht Aufgabe der Eltern oder der Gesellschaft, das Geschlecht festzulegen, sondern das müsse Gegenstand einer medizinischen Therapie sein. Die fiktive Konstruktion eines „neutralen“ oder „dritten Geschlechts“ verdunkle nur die Sexualität als strukturierende Qualifizierung der männlichen oder weiblichen Identität.

Die Kirche soll ihr Menschenbild verbreiten

Das dritte und letzte Kapitel „Vorschlagen“ bekräftigt, dass es zur Mission der Kirche gehört, das christliche Menschenbild, so wie es auf der Heiligen Schrift und insbesondere dem Buch Genesis gründet, zu verbreiten und zu fördern: Zum einen in der Familie als dem natürlichen Ort der Erziehung, in dem sich der Unterschied und die wechselseitige Ergänzung von Mann und Frau realisieren. Zum anderen in der Schule, die dem einzelnen Heranwachsenden helfen soll, jeden Individualismus zu überwinden und als Mann oder Frau in einer Gemeinschaft seinen Platz zu finden. In der Gesellschaft gelte in Fragen der Erziehung und Bildung das Subsidiaritätsprinzip, es sei die erste Verantwortung der Eltern, die den passenden Rahmen für eine gesunde Erziehung der Kinder schaffen müssen. Dabei helfe die Kirche und gebe Orientierung. In diesem Zusammenhang gelte ein besonderes Augenmerk den katholischen Mitarbeitern in Bildungseinrichtungen.

Das Dokument, das vom Präfekten der Bildungskongregation, Kardinal Giuseppe Versaldi, und deren Sekretär, Erzbischof Angelo Vincenzo Zani, unterschrieben ist, wendet sich an die Ortskirchen und soll bei der Ausbildung der katholischen Lehrenden und Erziehenden zur Anwendung kommen.