Vatikan: Macron zu Besuch beim Papst

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron ist nun Ehrendomherr der Bischofskirche von Papst Franziskus.

Papst Franziskus empfängt Frankreichs Präsidenten
Emmanuel Macron (r), Präsident Frankreichs, verabschiedet sich von Papst Franziskus (l) am Ende seiner Privataudienz. Foto: Alessandra Tarantino/POOL via AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Alessandra Tarantino (POOL via AP)

Am Dienstagnachmittag wurde der Franzose bei einem Gottesdienst in der römischen Lateranbasilika in das Kollegium der Domherren aufgenommen. Der französische Politiker nahm damit sein Amt als geborener Ehrenkanoniker der Basilika an. Den Gottesdienst leitete Erzbischof Angelo De Donatis, Vikar des Papstes für das Bistum Rom.

Zu Beginn der Feier, die mit fast 40 Minuten Verspätung begann, zog Macron hinter dem Kollegium an der Seite von De Donatis in die Basilika ein. In seiner Begrüßung erinnerte dieser an das jüdisch-christliche Erbe Europas und die Verantwortung der Regierenden "für die sozialen Probleme des Kontinents".

Macron seinerseits betonte Frankreichs Willen, "das freundschaftliche und vertrauensvolle Verhältnis zum Vatikan weiter zu stärken". Das habe er auch Papst Franziskus gesagt, der ihn am Vormittag empfangen hatte.

In den Fürbitten des kurzen Wortgottesdienstes wurde unter anderem für Frankreich, seine Bevölkerung und die Regierenden gebetet, aber ebenso für "jene Staaten, die von Krieg, Gewalt und Fanatismus zerrissen sind".

Zu einer Begegnung Macrons mit Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella oder Ministerpräsident Giuseppe Conte kam es am Dienstag nicht. Seit einigen Tagen gibt es aufgrund unterschiedlicher Ansichten zur Migrationsfrage Spannungen zwischen Frankreich und Italien.

Im Anschluss an den Gottesdienst nahm Macron im Chorgestühl der Domherren kurz den für ihn vorgesehenen Platz ein und unterzeichnete das Dokument zur Inbesitznahme seines neuen Amtes. Dabei übergab ihm Erzbischof De Donatis eine Kopie des Kapitelkreuzes der Lateranbasilika.

Seit 1957 haben drei Staatsoberhäupter - Georges Pompidou, Francois Mitterrand und Francois Hollande - auf die Annahme des Titels verzichtet. Nicolas Sarkozy (2007-2012) hingegen reiste dafür nach Rom. Macron, Gründer der Partei "La Republique en Marche", kommt aus einer nichtreligiösen Familie, ließ sich aber als Zwölfjähriger katholisch taufen.

Das Privileg eines Ehrendomherren von San Giovanni in Laterano, der Bischofskirche des Papstes, hat das Oberhaupt des französischen Staates seit 1604. Damals hatte Papst Clemens VIII. dies König Heinrich IV. zugestanden - nach dessen Übertritt vom Protestantismus zum Katholizismus und einer hohen Spende für die königliche Abtei an der Basilika.

Im Gegenzug verpflichtete sich die Bischofskirche des Papstes, jedes Jahr den 13. Dezember, den Geburtstag des Königs, zu feiern. Die Messintention zu diesem Tag lautet auch heute noch "pro felici ac prospero Galliae status" ("für das Glück und den Wohlstand Frankreichs").

KNA / DT (jbj)